Anzeige

Anzeige

Magazin: story

Die Zeit läuft ab

Neukunden gesucht  „Multimedia-Bereich wird aus den Händen gegeben“ Julius Witz, Ubisoft: „Multimedia-Bereich wird aus den Händen gegeben“ Wie auch immer die Pläne des Milliardärs aussehen mögen: Vorerst gilt das Sanierungsprogramm „Karstadt 2015“. Vergangenen Sommer hat Konzernchef Jennings in einem FAZ-Interview die vier Schlüsselkomponenten der Strategie genannt: Modernisierung, Differenzierung, Schärfung des Profils und Vereinfachung des Geschäftsmodells. Karstadt habe zwar eine Menge loyaler Stammkunden, so Jennings. „Nun gilt es aber, zusätzlich neue Kunden zu gewinnen.“ Auf die Frage, welche Kunden er denn anpeile, wurde Jennings blumig: „Unser Fokus richtet sich auf Menschen mit einem jungen, einem modernen Lebensstil, unabhängig von ihrem Alter. 'Karstadt – full of live' – also 'Karstadt voller Leben', das ist mein Ziel. Ein großes Warenhaus muss so sein wie ein fesselndes Hochglanzmagazin, in dem jede Seite mit Spannung umgeblättert wird, das Sie immer wieder überrascht und auf eine Entdeckungsreise mitnimmt.“ Ehe es mit den Kunden auf Entdeckungsreise geht, will Karstadt noch ordentlich sein Profil schärfen. „Wir fokussieren uns auf Mode, Wohnen, Sport und Personality, also Schmuck, Uhren, Kosmetik“, sagte Jennings gegenüber FTD. Warum aber Games nicht zu einem jungen, modernen Lebensstil gehören sollen, würde man gerne von Karstadt erfahren. Leider erwies sich die Pressestelle als zugeknöpft, die IGM-Anfrage blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

AbstrahleffektFür die Handelspartner ist die Streichung der Multimedia-Abteilungen kein Grund zur Freude. „Wir bedauern die Entscheidung von Karstadt“, sagt EA-Sprecher Martin Lorber gegenüber IGM. „Natürlich muss jeder Händler für sich entscheiden, welches Publikum er mit welchem Sortiment erreichen möchte. Ohne Computer- und Videospiele fehlt aber aus unserer Sicht einer der bedeutendsten Umsatzbringer.“ Lorber verweist auf den positiven Abstrahleffekt, den Games auf das gesamte Geschäft haben: „Computer- und Videospiele bringen Käufer aller Generationen, in der Regel profitieren davon auch die anderen Abteilungen.“ EA jedenfalls werde weiterhin den stationären Handel mit vielfältigen und publikumswirksamen Tools unterstützen.

„Computer- und Videospiele bringen Käufer aller Generationen“

Ähnlich äußert sich Julius Witz, Ubisofts Sales Director Germany. „Karstadt ist ein langjähriger und geschätzter Partner von Ubisoft. Die Entscheidung, das Sortiment zu straffen und die Multimedia-Abteilungen aufzulösen, bedauern wir daher sehr.“ Sicherlich habe die Konzernleitung ihre Gründe für diesen Schritt, so Witz. „Doch durch die Schließung der Multimedia-Abteilung wird ein Bereich aus den Händen gegeben, mit dem man junge Leute in die Warenhäuser gezogen hat.“

Wird Karstadt also mit seiner „Profilschärfung“ eher Kunden vergraulen, als neue zu gewinnen? Was denken die Verbraucher über den neuen Konzernkurs? Um ein Stimmungsbild zu erhalten, sprach IGM mit Besuchern der Karstadt-Filiale am Hermannplatz. Zunächst treffen wir Alex, einen 24-jährigen Franzosen, der hier schon häufiger Spiele gekauft hat, wie er sagt. Der Wahlberliner ist selbst in der Games-Branche tätig und damit wohl nicht gänzlich neutral, er programmiert für den Free-to-play-Anbieter Aeria Games. Dass Karstadt sich vom Multimedia-Geschäft trennt, kann Alex gut nachvollziehen: „Immer mehr Menschen spielen online und laden sich ihre Games aus dem Netz.“ Ein paar Meter weiter treffen wir Tom (32), der gerade die Blu-ray-Box der TV-Serie Game of Thrones in Händen hält. Tom geht nur noch wegen des Video-Angebots in die Multimedia-Abteilung: „Spiele kaufe ich mittlerweile bei Media Markt oder im Internet“, sagt er.