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Magazin: editorial

Bald ist es soweit

Das Kribbeln im Bauch nimmt zu, der Ostfriesenteekonsum auch. Niemand kann verhehlen, dass er des Nachts nicht mehr ruhig schlafen kann. Es fällt schwer, sich auf die tägliche Arbeit zu konzentrieren ...

Bald, ja bald ist es soweit.

Sie wissen längst, wovon die Rede ist: Am 15. Mai wird der Deutsche Computerspielpreis in der bayerischen Landeshauptstadt verliehen. Und der Lara-Award auch.

Allein der Gedanke daran lässt einem einen Schauer über den Rücken laufen. Einen wohligen natürlich.
Wer wohl gewinnen wird in diesem Jahr? Vielleicht „Rail Nation“ von Bright Future? Oder „The Gaudy Woods“ von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle? Oder gar „Malduell“ von Cribster?

All diese Spiele sind in den unterschiedlichsten Kategorien nominiert. Dass sie kein Schwein kennt, ist dabei nebensächlich, zumal die Jury aus namhaften und hochrangigen Vertretern der Branche besteht. Denen ist zu trauen.

Ich war auch in diesem Jahr kein Jurymitglied. A) wurde ich nicht gefragt, und B) hätte ich abgesagt. Wahrscheinlich wäre ich auch der einzige gewesen, der „Malduell“ blöd gefunden hätte. Dann hätte man mich schief angeschaut. Hören Sie mal, Herr Hopp, in dem Spiel geht es darum, schnell und genau zu malen. Außerdem kann man aus liebevoll gestalteten Themenwelten oder selbst frei gestalteten Motiven wählen. Es ist für Maleinsteiger ab 5 Jahren und die ganze Familie geeignet.

Da ist man schnell mal überstimmt und als unwissender Flegel enttarnt.

Nicht gewinnen wird in diesem Jahr „Rise of Venice“ aus dem Hause Kalypso Media. Das Spiel ist zwar in der Rubrik „Bestes Serious Game“ nominiert, hat aber dennoch keinerlei Aussicht auf Erfolg. Genauso wenig wie die anderen beiden Titel in dieser Kategorie – „The Day the Laughter Stopped“ und „Evolution: Indian Hunter“. Der Grund hierfür ist schnell erzählt: Kalypso hat die Nominierung abgelehnt, da die Jury sich mangels notwendiger 2/3-Mehrheit auf keinen Gewinner einigen konnte und es in der Sparte „Bestes Serious Game“ somit keinen Sieger geben wird. All das sollte zwar erst am 15. Mai kundgetan werden, Kalypso hatte von den Fisimatenten aber bereits im Vorfeld Wind bekommen und seinem Unmut via Pressemitteilung Luft verschafft. „Wir wünschen den Ausrichtern in Zukunft ein besseres Händchen für Ihre Arbeit“, heißt es da unter anderem.

Schon absurd: Da ist ein Spiel nicht nominierungswürdig und darum lehnt ein Publisher die Nominierung ab.

Machen wir auch im nächsten Jahr. Dann schicken wir Rundmails à la „IGM lehnt Nominierung als bestes Fachhandelsmagazin ab“ durch die Welt, sind zutiefst erbost, lassen alle, die es nicht wissen wollen, an unserem faden Beigeschmack teilhaben und beschuldigen irgendjemanden, irgendetwas unter irgendeinen Teppich gekehrt zu haben.

Die Rubrik „Bestes Fachhandelsmagazin“ gibt es gar nicht, sagen Sie?

Kommen Sie mir bitte nicht so! Wir lehnen die Nominierung ab. Basta!

Nicht uncool wäre ja, wenn sich die Jury in diesem Jahr für keinen Gewinner in den sieben Rubriken entscheiden würde. Dann könnte man sich gleich gen Zapfhahn bewegen und müsste sich den ganzen Verleihungsblödsinn nicht geben.

Picklige Kunsthochschultypen mit einem Stück Plastik in der Hand, die auf der Bühne unter Tränen ihrer Mama danken, dass sie einen vor Jahren zum Studium gezwungen und somit den Weg in die Arbeitslosigkeit geebnet hat, erträgt man mit null Promille auch nur schwerlich.

Applaus, Applaus. Wann gibt’s Essen?

Und noch wichtiger: Wo sind die Promis? Diese Knaben von dem Ochsenknecht etwa? Oder der Nils Bokelberg? Oder jedenfalls irgendeine blondierte Tussi mit Silikonhupen?

Keine Angst, sie werden alle da sein.

Bald ist es soweit ...