Anzeige

Anzeige

Magazin: editorial

Bubble Bubble

Jetzt kostenlos mitspielen. Jetzt kostenlos auf eine Dartscheibe werfen. Jetzt kostenlos einen Uhu vom Baum schießen. Jetzt kostenlos Obdachlose diffamieren. Jetzt kostenlos Jungle Dödel zocken. Jetzt kostenlos Ritter im Mittelalter sein. Jetzt kostenlos mit dem Panzer durch Lüdenscheid brettern. Jetzt kostenlos einen Zebrastreifen anmalen. Jetzt kostenlos 5 gegen Willi spielen. Jetzt kostenlos Online Bubble Bubble daddeln.

Sie sind der 99.999ste Besucher. Sie haben gewonnen. Kein Scherz.

Machen Sie mit beim kostenlosen Egal was.

Shooter-Spiele, Puzzle-Spiele, Action-Spiele, Sport-Spiele, Abenteuer-Spiele und vieles mehr.

Alles für lau.

Jetzt alles kostenlos.

Schalten Sie einmal für 10 Minuten Ihren Spam-Filter aus. Sie werden überrascht sein, wer sich da so alles um Ihr vermeintliches Hobby sorgt. Alles natürlich kostenlos, versteht sich.

Das Problem dabei: Das permanente Vorgaukeln von Content for free im Internet hat in die reale Welt ausgestrahlt und zu einem Konsumklima geführt, wie es eisiger nicht sein könnte.

War man früher einfach sparsam, so hat man mittlerweile eine Mentalität verinnerlicht, die nichts mehr damit zu tun, für ein Produkt einfach Geld auf den Tisch zu legen.

Kauf 5, nimm 6. Auf den Kasten Cola gibt’s 2 Pullen on top, im Restaurant wird mit Gutscheinen und Rabattmarken gewedelt, und im Supermarkt die DeutschlandCard gezückt, nur um nach 5.000 Einkäufen einen bekloppten Toaster sein Eigen nennen zu können.

Handel und Industrie schneiden sich mit Aktionen wie diesen selbst ins Fleisch.

Karstadt hat Derartiges nie mitgemacht. Und dennoch bleibt die Multimedia-Abteilung auf der Strecke. Warum? Weil man sich nicht dem Wettbewerb gestellt hat. Im Karstadt kann man ein Xbox-360-Spiel für 59,95 Euro erstehen. Punkt. Seinen alten Ramsch aus den 90ern konnte man dafür nicht auf die Theke knallen. Nein, Produkt gegen Geld hieß die Devise.

Das war zu wenig, um der Konkurrenz die Stirn bieten zu können.

Der Mensch von Heute braucht einfach das Gefühl, einen guten Deal gemacht zu haben. Er braucht Aktionen, die sich rund um das Produkt seiner Begierde weben.

Im Internet fällt es leicht, diesem Bedarf gerecht zu werden. Wer 2 Wochen irgendeine Versoftung kostenlos gespielt hat, der bleibt am Ball und ist gewillt, für jeden Flitzebogen künftig auch zu zahlen.

Der Fleischereifachverkäuferin an der Wursttheke indes fällt es schwer, dem Kunden erst einmal 10 Scheiben Mortadella für umme in den Mund zu schieben und dann zu hoffen, dass er danach noch für eine grobe Leberwurst bezahlt.

Die Schieflage gerade in weiten Teilen unserer Branche ist somit in einer Einkaufskultur begründet, die Handel und Industrie – vor allem aufgrund des Wettbewerbdrucks aus dem Web – selbst initiiert und jetzt auszubaden haben.

Die Verlagerung von physischem Produkt in die Welt des Downloads und des kostenfreien Angebotes ist die logische Konsequenz. Denn nur hier kann man vor allem eines: Die Zielgruppe mit kostenlosem Gedöns zumüllen.

Jetzt Bubble Bubble spielen.

-- Marius Hopp