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Magazin: editorial

Büffelmozzarella

Ich liebe Büffelmozzarella. Büffelmozzarella schmeckt wesentlich besser als Kuhmilch-Mozzarella und exorbitant besser als Kuhmilch-Mozzarella Light. Büffelmozzarella ist zwar teurer als letztgenannte Varianten, dafür regt es die Geschmacksknospen an und erweckt nicht den Eindruck, auf einem weiß gefärbten Fahrradschlauch herum zu beißen.

Wahrscheinlich bin ich einer Fehlinformation aufgesessen, aber ich bin tatsächlich der Meinung, dass Büffelmozzarella von einem Büffel stammt.

Vielleicht kommt sie auch aus Flensburg und der Hersteller heißt einfach Werner Büffel. Und wie es der Zufall wollte, hat der Werner vor 30 Jahren die Francesca Mozzarella aus dem beschaulichen Foggia geehelicht – und seitdem heißt das Zeug so.

Man weiß es nicht und will es auch nicht wissen.

Ähnlich verhält es sich dieser Tage mit Messen. Oder besser gesagt: Mit der Messe schlechthin, also der gamescom, die da so gerne allen schmecken wollte, aber der dann zunehmend die Zutaten ausgingen.

Stellen Sie sich vor, Sie planen eine Veranstaltung und feilen seit Monaten an deren Gelingen, wollen Weltneuheiten präsentieren, Innovationen und damit eine ganze Stadt für mehrere Tage beben lassen – und alles, was medial interessiert, sind die Absagen einiger Aussteller.

Hätte ich messeseitig etwas zu sagen, so würde ich mich nur wenige Tage nach der gamescom mit allen BIU-Mitgliedern an einen Tisch setzen und schwarz auf weiß die Unterschriften für eine Teilnahme in 2013 einfordern.

Wird der BIU in seiner Gesamtheit dieser Forderung nicht gerecht, dann sollten die Kölner die Reißleine ziehen, zumal das momentane Absagen-Theater ja nicht nur der Branche an sich, sondern vor allem auch der Koelnmesse selbst schadet.

Auf die Annahme, dass die nächste Konsolengeneration gewiss im nächsten Jahr erscheinen werde und Aussteller damit auch wieder etwas zu präsentieren hätten, würde ich mich nicht verlassen. Spätestens 2014 geht das Gezetere dann wieder los.

Realität und Anspruch liegen innerhalb der Gamesbranche einfach zu weit auseinander. Unser aller Verband z.B. sieht sich auf seiner Website selbst wie folgt: „Neben der transparenten Darstellung des Marktes setzt sich der BIU nachhaltig für die gesellschaftliche und kulturelle Akzeptanz von Computer- und Videospielen sowie für die Stärkung des Games-Standorts Deutschland ein. Er ist Mitveranstalter und ideeller Träger der gamescom, Europas größter Branchenmesse, sowie namhafter Förderpreise, Fachtagungen und Konferenzen, darunter der Deutsche Computerspielpreis und die Serious Games Conference.“

Schön und gut, aber das reicht nicht. Etwas „transparent darstellen“ zu wollen, ist das eine. Den Markt aktiv mitzugestalten, das andere. Unter „Stärkung des Games-Standorts Deutschland“ verstehe ich auch etwas anderes, als der gamescom fernzubleiben. Insolventen Publishern und Entwicklern wie dtp unter die Arme zu greifen, würde Sinn machen, um den Standort Deutschland überhaupt erst einmal zu erhalten. Aber die sind ja nicht im BIU. Und Mitveranstalter und ideeller Träger der Serious Games Conference zu sein, ist eine tolle Sache. Die Veranstaltung findet dieses Jahr übrigens nicht statt...

Die Probleme der Gamesbranche an einigen Absagen an eine Messe festzumachen, wäre falsch. Dieses Szenario offenbart allein die Unfähigkeit der Branche, professionell und einheitlich nach außen aufzutreten. Aber das geht anderen Wirtschaftsbereichen, etwa der Glasbläserei-Branche, auch so.

Viel wichtiger erscheint mir, dass sich die Industrie wieder auf das Wesentliche konzentriert. Oliver Kalkofe sagte einmal gegenüber IGM in diesem Zusammenhang: „Alles ist möglich! Der Kreativität im Gamessektor sind so gut wie keine Grenzen gesetzt, es ist immens wichtig, immer wieder neue Ideen und Trends zu setzen.“
Genau daran muss nun weiter gearbeitet werden. Kinect, Move, PS Vita, Wii U, Wonderbook, Smartglass, neue IP’s: Die Industrie hat Asse im Ärmel, die doch eigentlich nur vernünftig ausgespielt werden müssten, um die „Akzeptanz des Neuen“ unters Volk zu mischen.

Aber was macht sie? Sie verstrickt sich in Messe-Verwirrungen und verpasst die Außenwirkung einer Veranstaltung mit internationalem Anstrich, indem sie Magerkost anbietet.

Wie gerne hätten wir in Köln ausschließlich Büffelmozzarella serviert bekommen.

Da steht Büffel drauf und da ist Büffel drin.

In der gamescom 2012 ist zweifelsohne zu wenig gamescom drin.

Kuhmilch-Mozzarella Light schmeckt nicht jedem.

-- Marius Hopp