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Magazin: editorial

Die Zwille ist fertig

Seien wir ehrlich: 2012 wird uns nicht zwanghaft im Gedächtnis verhaftet bleiben.

Sicher: PS Vita und Wii U haben das Licht der Welt erblickt, die gamescom war echt gut, und ich habe mir einen Laubsauger gekauft, der bereits nach einer Woche seinen Geist aufgegeben hat.

2012 scheint es noch nicht einmal wert zu sein, dass in diesem Jahr die Welt untergeht. 

Der deutsche Wissenschaftler Sven Gronemeyer hat tief in den Kaffeesatz geschaut, zweimal gewürfelt und ein paar Hühnerknochen fallen lassen und mal eben den Untergangspropheten, die anhand des Maya-Kalenders und einer rätselhaften Inschrift die Apokalypse am 21. Dezember nahen sahen, den Wind aus den Segeln genommen und den Weltuntergang kurzerhand abgesagt. Falls sich Gronemeyer doch getäuscht haben sollte und übermorgen der globale Feierabend eingeläutet wird, so dürfte dies vor allem Nintendo verärgern. Die Wii U würde dann als die Konsole mit dem kürzesten Lebenszyklus in die Geschichte eingehen. Stört dann ja aber keinen mehr.

Viel mehr fällt mir spontan zu 2012 nicht ein. Da starrt man sonntags (ja, ich arbeite auch am Wochenende) aus dem Fenster, beobachtet, wie die Nachbarskatze auf unserem Grundstück ihr Geschäft erledigt (dieses Mistvieh), und weder Tee noch Zigarette schmecken, da man die nahende Erkältung bereits erschnüffeln kann. Da freut man sich innerlich diebisch, dem Kollegen Bannert den Vierseiter „So schön war 2012“ aufs Auge gedrückt zu haben, wäh?rend man sich selbst gedanklich eine Zwille bastelt, mit der man des Nachbars Katze...

Lassen wir das und widmen wir uns lieber der Gamesbranche.

Den Kastelruther Spatzen etwa, denen in verräterischer Manier unterstellt wurde, dass sie ihr bemitleidenswertes Liedgut gar nicht selbst verbrochen haben sollen. Zweifelsohne ein absolutes Highlight des Jahres, das den einen oder anderen Erdenbürger dazu veranlasst haben dürfte, sein gesamtes Weltbild zu überdenken. Mich übrigens auch.

Denn was, wenn die unzähligen f2p-Buden ihre kostenlosen Ergüsse gar nicht aus Nächstenliebe unters Volk mogeln? Hat die gamescom mit „temporäre Aussetzer sind im Messegeschäft ganz normal“ vielmehr „ihr Bekloppten könnt uns alle mal“ gemeint? Ist Bewegungssteuerung in Wahrheit gar nicht voll cool? Macht einen ein Top-5-Hit auf Steam gar nicht mit einem Schlag zum Milliardär? Wird in Villabacho gar nicht gefeiert, während in Villariba noch geputzt wird? Macht Haribo Kinder gar nicht froh sondern dick und doof?

Fragen über Fragen, die wir in diesem Jahr nicht mehr werden beantworten können. Aber wir können – wie immer – aus dem Vergangenen lernen. Etwa aus Sätzen wie „Free to Play: Das geht nicht wieder weg“. Oder: „Das ist Rotwein: Der geht nur ganz schwer wieder raus“. Oder: „Den Laubsauger können Sie nicht umtauschen, den haben Sie selber kaputt gemacht“.

All das werden wir mitnehmen in ein 2013, das es uns allen bestimmt nicht leicht machen wird. Wir werden es mit sich weiter ändernden Nutzungsverhalten zu tun haben, vielleicht mit einem neuen Verband, vielleicht mit neuen Konsolen. Unternehmen werden verschwinden, neue hinzukommen. Die Märkte werden sich weiter konsolidieren. Überleben wird nicht der, der sich zwanghaft anpasst und seine Fahne nach dem Wind dreht, sondern der, der sein bestehendes Geschäftsmodell hegt, pflegt und intelligent und sinnvoll ausbaut.

Gewiss eine Strategie mit zeitloser Gültigkeit, die heutzutage jedoch mehr denn je gilt.

Mögen uns die Kastelruther Spatzen als warnendes Beispiel dienen.

Wer seine Zielgruppe betrügt, bekommt die Quittung. Dann doch lieber ein paar schiefe Töne, ein paar Patches hie und da, aber sich selbst treu bleiben und nicht verraten haben.

Machen wir also ein Häkchen hinter 2012 und wappnen uns für ein neues Jahr, dessen Gelingen wir selbst in der Hand haben.

Wir – das IGM-Team – werden Sie auch in 2013 wieder auf unsere ganz eigene journalistische Art und Weise informieren und unterhalten.

Lassen Sie sich die Weihnachtsgans schmecken, lassen Sie es ordentlich krachen, und freuen Sie sich auf unsere Erstausgabe im neuen Jahr, die am 23. Januar erscheint.

Ich gehe jetzt in den Garten. Die Zwille ist fertig.

-- Marius Hopp