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Magazin: editorial

Ein handfester Skandal?

Nun haben wir bereits Mitte Februar... und immer noch keinen handfesten Skandal in der Branche zu vermelden.

Ungewöhnlich.

Professor Pfeiffer scheint ausgepfiffen zu haben, kein Killer killt wegen Killerspielen, und die Gamergemeinde müffelt aufgrund zahlreicher Deoroller-Hamsterkäufe beim insolventen Schlecker nicht mehr.

Wenn nix ging, ging sonst immer der BIU („Bin Im Urlaub“), aber auch da ist derzeit nichts zu holen. Auf deren Website prangt auf der Startseite der Games-Report zur gamescom 2011 (!) sowie eine Studie von Juli letzten Jahres, die besagt, dass fast jeder zweite Gamer in Deutschland eine Frau sei.

Das ist zwar alles sehr löblich, aber irgendwie auch komplett uninteressant.

Also wollte ich Ihnen gerade etwas darüber erzählen, dass ich mich kürzlich auf Drängen meiner Frau bei „MacFit“ angemeldet habe, als mir eine elektronische Nachricht in den Spam-Ordner flattert.

Headline: „Nutzen Sie diese Chance – registrieren Sie sich bis zum 15. Februar 2012 für die gamescom und profitieren Sie von unserem Frühbucherrabatt!“.

Stimmt. Mist. Die gamescom! Und ich hatte noch keinen Kellerraum in Nippes gebucht!

Ich kämpfte mich gerade durch den Informationswust des Anmeldebogens, als das Telefon schellte. Das Gespräch ging so:

Anrufer: Haste gesehen?

Ich: Was?

Anrufer: Die gamescom-Anmeldung!!

Ich: Bin dabei. Warum?

Anrufer: 80 Euro, Mensch! 80 Euro pro qm Flächenmiete in der business area!

Ich: Ähmm, ist das viel oder wenig?

Anrufer: Das ist eine Verdoppelung des Preises! Im letzten Jahr waren es 40 Euro!

Ich: Meine Herren.

Im Laufes des Telefonats stellte sich dann heraus, dass frühbuchende Aussteller mit endverbraucherrelevanten Produkten und einer Fläche in der entertainment area tatsächlich 80 Euro pro qm im Business-Bereich zu berappen haben (der Spätbucherzuschlag nach dem 15.02.12 beträgt 15 Euro pro qm), dafür aber in den Consumer-Hallen pro qm 15 Euro weniger löhnen müssen.

Kurzum: Das Preiserhöhungs- und Senkungs-Szenario spielt vor allem denjenigen Unternehmen in die Hände, die auf tausenden von Quadratmetern in den Hallen tamtam machen, sprich: den Big Playern, die allesamt im BIU vertreten sind.

Kleine und mittelständische Unternehmen trifft hingegen die Preisverdoppelung im BC.

Haben wir also doch unseren ersten Skandal im noch jungen Gamesjahr?

Nein, haben wir nicht.

Wer nach größeren Hallen, mehr Besuchern und zunehmender Internationalität schreit, der muss monetär auch dafür aufkommen.

Die Rechte an der „Marke gamescom“ besitzt nun einmal der BIU und gibt somit zusammen mit der Koelnmesse die Spielregeln vor. Wem das nicht passt, der bleibt einfach daheim und reicht den MSHlern, Amazoniern und Gamestoplern lecker Eibrot auf einer Hausmesse.

Oder aber er präsentiert sein Portfolio 27 Einheimischen im Barfußgässchen.

Ich habe nach erwähntem Telefonat noch mit zahlreichen Nicht-BIU-Mitgliedern gesprochen, die sich ob der neuen Preisgestaltung entrüstet zeigten und das allseits bekannte „Immer auf die Kleinen“-Lied anstimmten.
Namentlich wollte allerdings keiner genannt werden, als ich die journalistische Verwurstung der Thematik in IGM anbot.

Das nennt man dann „Schwanz einziehen“.

Für einen handfesten Skandal zu wenig.

-- Marius Hopp