Anzeige

Anzeige

Magazin: editorial

Forderungen

Anfang letzter Woche fühlte sich der G.A.M.E.-Verband aufgerufen, Forderungen an die Politik zu stellen. Und zwar mit aller Vehemenz. Das liest sich dann so:

„Der G.A.M.E. fordert im Zuge des Ministeriumswechsels, dass digitale Spiele aufgrund ihrer unbestrittenen Innovationskraft in der „Digitalen Agenda“ berücksichtigt werden müssen.. (…) Der Verband fordert [...] Unterstützungen und verlässliche Rahmenbedingungen für die Bereiche Ausbildung, Forschung und Technologie ebenso wie eine intelligente Content-Förderung und einen erleichterten Zugang zu Kapital, auch für immaterielle Wirtschaftsgüter“.

Zum Hintergrund:

Das Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gab unlängst bekannt, dass die Zuständigkeit für den seit 2009 verliehenen „Deutschen Computerspielpreis“ von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) in das von Bundesminister Alexander Dobrindt geleitete BMVI wechsle.

Ich bin ehrlich gesagt nicht sicher, ob der G.A.M.E.-Verband in der Position ist, auf diese Art und Weise zu fordern. Wer auf Augenhöhe agieren und ernst genommen werden will, der sollte das konstruktive Gespräch suchen und sich mit Forderungen zurückhalten. Auch frage ich mich, wie eine Pressemitteilung wie diese, die auch noch die Überschrift „G.A.M.E. verbindet Zuständigkeitswechsel für den Computerspielpreis innerhalb der Bundesregierung mit klaren Forderungen an die Politik“ trägt, auf die Verantwortlichen beim BMVI wirken muss.

Auch der BIU hatte sich bereits zu Wort gemeldet, allerdings in einem etwas moderateren Ton:

„Digitale Spiele sind das neue Massenmedium des 21. Jahrhunderts, dieser gestiegenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung sollte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur nun auch Ausdruck verleihen“, so Verbands-Chef Dr. Maximilian Schenk.

Selbstverständlich dürfe „mit der neuen Zuordnung zum BMVI keine Infragestellung
der kulturellen Bedeutung digitaler Spiele
einhergehen“.

All das wird das Ministerium, das uns gerade erst unter seine Fittiche genommen hat, verwirren und überfordern, zumal die Damen und Herren etwa mit den Bereichen „Güter-
verkehr und Logistik“, „Meerespolitik“, „Fahrradfahrer“, „Erdbeobachtung“, „Frequenzpolitik“ oder „Mobilitäts- und Kraftstoff-
strategie“ ganz andere Sorgen haben dürften.

Der G.A.M.E.-Verband ist ohne Not mit seiner Forderungs-Mitteilung voraus geprescht. Unterstützung und Verlässlichkeit fordert man nicht ein, beides verdient man sich.

Ich hätte mir gewünscht, dass G.A.M.E. und BIU sich erst einmal mit Bundesminister Dobrindt an einen Tisch gesetzt hätten, um sich in Ruhe zu beschnuppern, die Eigenarten der Gamesbranche zu erläutern und vielleicht gar Handynummern auszutauschen.

Bevor man die Hand aufhält und einen „erleichterten Zugang zu Kapital“ fordert, sollte man sich jedenfalls einmal die Hände geschüttelt haben.

Ich bin gespannt, wie der G.A.M.E.-Verband reagiert, wenn am 15. Mai der 18-er Shooter „Crysis 3“ beim Deutschen Computerspielpreis als „Bestes Deutsches Spiel“ gekürt wird, und tags darauf ein Games affiner 14-Jähriger aus Wattenscheid seine Oma zersägt.

Mit „Games sind Kulturgut“-Gesabbel ist dem BMVI dann nicht mehr zu kommen.

Und mit Forderungen schon gar nicht ...