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Magazin: editorial

Kapern

Richtig gerne einkaufen gegangen bin ich noch nie. Ehrlich gesagt bin ich froh, wenn meine Frau mir einen Einkaufszettel mitgibt, den ich dann in Windeseile abarbeiten kann. Zu fluchen beginne ich, wenn ich neben dem üblichen Firlefanz exotischen Krimskrams wie Kapern oder Shampoo für strapaziertes Haar zu besorgen habe, da die hiesigen Supermärkte nicht in der Lage zu sein scheinen, verschiedene Warengruppen geografisch sinnvoll anzuordnen. Für mich gehören Kapern direkt neben Shampoo für strapaziertes Haar. Da der Markt meines Vertrauens das leider anders sieht, darf ich mich dann auf die Suche nach den weißbekittelten Damen begeben, die meist aussehen, als wären sie bereits zum dritten Mal durch die Arzthelferinnenprüfung gerasselt. Die Info, dass Kapern direkt neben dem Dosenfisch und den Sojasoßen gegenüber den Eiern stehen, hilft dann auch nicht wirklich.

Nach gefühlten zwei Stunden reiht man sich dann endlich in eine Schlange mit dreizehn lieben Mitbürgern ein und starrt verzweifelt auf ein Schild, das da die Aufschrift „Mehr als 5 vor ihnen? Nicht mit uns! Dann zweite Kasse“ trägt.

Der eine müffelt, der andere stinkt, der eine hat seinen müffelnden Gestank mit billigem Aftershave übertüncht, wieder ein anderer glotzt einen an als hätte man ihm vor grauer Vorzeit das Schulbrot geklaut.
Nun, bald ist’s geschafft.
Dachte ich.

Denn Kunde ist nicht mehr einfach Kunde, geschweige denn König. Kunde ist heutzutage vor allem ein potenzieller Dieb.

Da ich ein freundlicher Zeitgenosse bin, reichte ich der Dame an der Kasse, die aussieht, als wäre sie bereits zum vierten Mal durch die Arzthelferinnenprüfung gerasselt, eine Flasche Vilsa Medium aus dem Kasten, der unten auf der Ablage meines Einkaufswagens steht, und sage: 1 Kasten Vilsa Medium. Die Dame an der Kasse begegnet meiner Freundlichkeit mit den Worten: „Einmal Kasten hochnehmen“. Ich tat wie befohlen und wollte gerade Kapern & Co. in die Einkaufstasche, welche sich noch in meinem Wägelchen befand, legen, als es mir „Tasche bitte auch noch hoch“ entgegenfauchte.

Es reichte so langsam.

Was, bitteschön Madame, soll ich denn unter der Tasche versteckt haben? Ne Kokosnuss?
Also hoch mit der Tasche und dann mit Entsetzen Fräulein Oberkommissarin dabei zugeschaut, wie mein Karton mit sechs Eiern aufgemacht und argwöhnisch beäugt wird.

Ich lief hochrot an.
Man stelle sich vor, dass mir als pünktlichem Steuerzahler mit dieser Aktion unterstellt wird, ich lege Suppengrün und Maggi fix für Rinderhoden in die Eierschachtel, um sie unbezahlt an der Kasse vorbeischmuggeln zu können.

Eine bodenlose Frechheit.

Als ich gerade den Filialleiter herzitieren wollte, wurde ich mit der Frage, ob ich Punkte oder Tierkarten sammle, die Deutschlandcard besäße oder eine Paybackkarte mein Eigen nennen würde, konfrontiert.

Mit den Worten „so weit kommt’s noch“ verließ ich den Schuppen, da ich mir das Theater, das ich kürzlich im Media Markt, als ich der Kassentante meine Postleitzahl nicht sagte, ersparen wollte.

Als am nächsten Tag der Bofrost-Mann klingelte, nahm ich erstmalig seinen Bestellkatalog entgegen und schmiss ihn nicht wie sonst mit dem Hinweis, dass ich keiner Sekte angehören wolle, sofort wieder raus.
Der stationäre Handel hat ohne Zweifel ein hausgemachtes Problem.

Ich wollte nur Kapern kaufen.

Stellen Sie sich vor, es wäre eine Wii U gewesen...

-- Marius Hopp