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Magazin: editorial

Mallorca

Wildfremde Menschen liegen sich weinend in den Armen, reißen sich die Kleider von den Leibern und tanzen auf den Straßen. Die Kirchenglocken läuten. Angela Merkel spricht auf 9Live zum deutschen Volke. Die Herren Sawatzky, Groß, Myrth und Tjebben verabreden sich spontan in Wuppertal, um eine Einkaufsgemeinschaft zu gründen. Karstadt schmeißt Schlüpfer, das Gabriela-Sabatini-Parfum und Häkeldecken aus den Regalen, Schlecker wird verstaatlicht und trennt sich von Zahnpasta, Zahnpasta und Zahnpasta. Die Hau-den-Lukas-Vorverkaufsglocke bei amazon glüht, Diablo III rutscht auf Platz 4.683 ab, und draußen bellt ein Hund.

All das, weil, ja, weil die X..., also die Box da, und die PS, also die neue Station, in L.A., also in den USA....
Ich erwachte frisch gebadet und schaute noch einmal genau nach. Ein bisserl Connectivity hier, ein paar Applikationen da. Neue harte Ware – geschweige denn wahre hard facts? Fehlanzeige.

Widmen wir uns also der Realität:

Hier in Niedersachsen scheint die Sonne eher selten. Ehrlich gesagt, scheint sie weniger als selten, also fast nie. Oft bekomme ich E-Mails aus dem Süden Deutschlands, die mit den Worten „Sonnige Grüße aus Bayern“ oder ähnlich enden. Dann schaue ich aus dem Fenster, sehe den Regen hernieder prasseln und mich selbst fröstelnd an meine Tasse Tee schmiegen. Während in Ingolstadt schon eifrig geplanscht wird, hängt der Ostfriesennerz hier noch lange nicht im Schrank. Dafür haben wir eben mehr Wind. Der hilft zwar nicht wirklich, wenn die paar grauen Haare, die man noch auf seiner Birne trägt, stets weiter gerupft werden, aber immerhin.

Feiertage gibt es in Niedersachsen kaum. Auch das unterscheidet uns von den Bayern und weiter südlich gelegenen Völkern. Ehrlich gesagt kann ich mich hierzubundeslande nur an Weihnachten erinnern. Und wenn das auf einen Samstag fällt, so wird das Bruttosozialprodukt halt 365 Tage im Jahr bedient.

In Bayern – mit Verlaub – gibt’s ja schon für Allemann frei, wenn der Herr Jesus mal geniest hat.

Aber ich will nicht meckern. Die raue See ist hier nah und das Weizenbier fern.

Was will man mehr?

Nun, ab und an wollen auch die Niedersachsen mal in den Urlaub, einfach, um etwas anderes zu sehen als Kühe, plattes Land, Kühe und plattes Land.

Also auf nach Italien, genauer gesagt: Nach Norditalien, denn Ryanair fliegt ab Bremen (für die Unwissenden unter uns: Das ist eine mega große Stadt, die wirklich extrem viel zu bieten hat... zum Beispiel ... ja, zum Beispiel ...: einen kleinen Flughafen), und transportiert Waghalsige von A nach B. In unserem Fall sollte es Bergamo sein.

Von Bremen nach Bergamo schafft man es mit Ryanair (wenn man Glück hat) für 18 Euro. Hin und zurück. Wir hatten Pech und mussten knapp 200 Euro berappen.

Das war dennoch machbar – allein aufgrund der Grundfinanzierung von IGM durch einen nicht ganz unerheblichen Marktteilnehmer. Viele Grüße an Herrn H.H. aus M. an dieser Stelle.

Was wir zur Buchungszeit (Buchen Sie niemals, wenn Sie schon zwei Bier getrunken haben und Ihre Frau hinter Ihnen steht, die unbedingt wo-auch-immer hin will) nicht wussten, war, dass Norditalien derzeit Erdbebengebiet ist.

Wenn’s ganz Japan durchschüttelt, dann schaut man ja noch betroffen und fragt sich insgeheim, ob das wohl auf den asiatischen Bringdienst und Ente süss sauer Auswirkungen haben werde, aber Norditalien?
Kurzum: Wir haben unseren Urlaub gecancelt, wie es neudeutsch so schön heißt.

Bei Ben Hur bekommt ja gerne mal jemand einen Dachziegel auf den Kopf.

Wir eher nicht.

Sie mögen das schwuchtelig nennen, aber wir haben uns für Mallorca entschieden.

Da bebt nix, außer die Mojo-Soße im Magen...

Und wenn Sie sich jetzt nach dem Sinn oder Unsinn meiner Ausführungen fragen, so sage ich Ihnen eines:
Ich habe annähernd die gesamte Branche nach einem passenden Editorial-Thema befragt. Dreiviertel waren im Urlaub, einige wenige verharrten in Übersee, der Rest schlief tief und fest.

Hier in Niedersachsen scheint die Sonne eher selten, und die Feiertage sind knapp bemessen.

Und manchmal sind gar die Themen rar.

Trotz E3.

Sollte die gamescom in diesem Jahr ähnlich mau verlaufen, erzähle ich Ihnen, wie es auf Mallorca war.

Versprochen.

-- Marius Hopp