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Magazin: interview

Mark Stanger, Skybound Games

"Der klassische Handel ist nach wie vor ein bedeutsamer Faktor"

Comics, TV-Serien, Filme und sogar Dokumen­tationen: Das Portfolio von US-Hersteller Skybound Entertainment ist breit gefächert – und jetzt geht die 2010 von "Walking Dead"-Schöpfer Robert Kirkman aus der Taufe gehobene Firma den nächsten logischen Schritt. Denn durch die Gründung von "Skybound Games" hat man der bisherigen Interactive-Abteilung einen vollwertigen Spiele-Zweig zur Seite gestellt. Und mit dem will man jetzt ein eigenes, internationales Publishing-Geschäft aufbauen. Der bisherige Lizenz-Geber Skybound avanciert damit zum eigenständigen Hersteller. Darum wird man künftig nicht nur die eigenen Marken und Stories als Spiele umsetzen, sondern außerdem die Titel von prominenten bis verheißungsvollen Independent-Studios profes­sionell vermarkten und vertreiben, um sie als hochwertige boxed games weltweit in den Verkaufsregalen zu platzieren. Welche Absichten genau dahinter stecken und wie man sich dabei z.B. in Deutschland aufstellen möchte, verrät Skybound Games' für Europa, Afrika und den Nahen Osten zuständiger Geschäfts­führer Mark Stanger.
IGM: Mr. Stanger, nach mehreren Jahren Skybound Interactive jetzt also Skybound Games. Warum eigentlich? Was ist der genaue Unterschied der neuen Games-Division zum schon länger existierenden Interactive-Zweig? Welches Label wird in Zukunft wofür zuständig sein?

Mark Stanger: Die Teams aus "Games" und "Interactive" sitzen in einem Büro und arbeiten sehr eng zusammen. Gemeinsam geht es ihnen darum, unsere eigenen Franchises und Third-Party-IPs auf die bestmögliche Weise zu vermarken.

IGM: Hat Skybound dabei so etwas wie eine für alle Geschäftszweige gültige Philosophie?

Stanger: Ja, absolut. Skybound als Gruppe geht es vor allem um seine Content-Schöpfer, die kreativen Köpfe. Ihre Inhalte sind das Herzstück unserer Arbeit.

IGM: Werden prominente Skybound-Marken wie "Walking Dead" auch weiterhin durch "Skybound Interactive" an andere Hersteller und Entwickler lizenziert? Oder werden sich diese Produkte nun früher oder später bei "Skybound Games" wiederfinden?

Stanger: Skybound beheimatetet eine ganze Sammlung von Weltklasse-Marken – und für die wollen wir das Beste rausholen. Die Entscheidung, ob ein Spiel (oder auch ein Spielkonzept) bei Skybound Games oder einem unserer Partner aus dem Drittanbieter-Bereich besser aufgehoben ist, treffen wir deshalb von Fall zu Fall.

IGM: Gibt es eventuell schon Pläne für eine interne Entwicklungs-Abteilung? Oder geht es erstmal "nur" um Marketing und Vertrieb?

Stanger: Bei unseren aktuellen Plänen geht es tatsächlich ums reine Publishing-Geschäft – also Marketing, PR, Community-Management, Social Media, Verkauf und Vertrieb. Und natürlich darum, auch weiterhin mit unseren externen Publishing-Partnern zusammen zu arbeiten. Aktuell gibt es deshalb keine Pläne, eine eigene Inhaus-Entwicklung aufzubauen.

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Skybound
geht es vor allem um die kreativen Köpfe
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IGM: Geht es Ihnen dabei allein um den physischen Vertrieb und Verkauf von "Boxed Products"? Oder kümmern Sie sich künftig auch um das digitale Geschäft? Immerhin sind Produkte wie "Slime Rancher" oder "The Lone Dark" bereits durch ihre jeweiligen Entwickler digital angeboten worden.

Stanger: Unsere Pläne als Anbieter umfassen beides – physische und digitale Vertriebskanäle.

IGM: Warum eigentlich noch Retail? Welche Bedeutung misst Sykbound diesem klassischen Vertriebsweg bei? Immerhin insistieren viele Indies immer wieder, dass digitales Self-Publishing der beste Weg wäre – und einige von ihnen haben großen Erfolg damit.

Stanger: Natürlich hat sich der globale Markt in den vergangenen Jahren durch das digitale Vertriebsmodell merklich verändert und die Bedeutung dieser Kanäle ist uns durchaus bewusst. Aber der klassische Handel ist nach wie vor ein bedeutsamer Faktor, denn viele Gamer schätzen immer noch den Wert einer physischen Version mit schön präsentierter Verpackung. Das gibt uns außerdem die Gelegenheit, die Spiele durch Dreingaben wie Limited-Edition-Artworks, Booklets usw. zu flankieren. Wir bemühen uns sehr, damit unsere "Boxed Games" fantastisch aussehen und sich wertig anfühlen.

IGM: Für das Retail-Geschäft braucht man ein weltweites Vertriebsnetz. Wie sind Sie dahingehend z.B. in Deutschland aufgestellt? Wer ist hier der neue Skybound-Vertriebspartner?

Stanger: Das stimmt, aber in nur wenigen Monaten haben wir beim Aufbau des klassischen Vertriebsnetzes große Fortschritte gemacht. Und natürlich dabei, für alle Schlüsselmärkte die richtigen Partner zu finden. Was Deutschland betrifft, so freue ich mich, unsere Zusammenarbeit mit NBG ankündigen zu dürfen.

IGM: Ist der Aufbau eines physischen Vertriebsnetzes absolutes Neuland für Skybound oder haben Sie etwas Vergleichbares schon in der Vergangenheit gestemmt?

Stanger: Unser Team hat viel Erfahrung mit beiden Vertriebs-Gattungen – dem neuen, digitalen Ökosystem und den älteren, physischen Kanälen. Daher hatten wir von Anfang an ein starkes Netzwerk aus möglichen Partnern, mit denen wir verhandeln konnten. Und seitdem wir Anfang April die Gründung von "Skybound Games" angekündigt hatten, sind viele Interessenten von sich aus auf uns zugekommen.

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Für alle Schlüsselmärkte die richtigen Partner finden
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IGM: Wie sieht es mit den Rechten an den jeweiligen Titeln bzw. Marken aus? Behalten Ihre Entwicklungs-Partner die jeweiligen IPs – oder gehen sie in den Besitz von Skybound Games über?

Stanger: Üblicherweise werden wir mit externen Marken arbeiten und die Rechte daran sollen in den Händen ihrer Schöpfer bleiben. Alle kommerziellen Aktivitäten rund um diese Brands passieren in enger Abstimmung mit ihren Machern – das ist uns sehr wichtig.

IGM: Wie steht eigentlich Walkind Dead-Schöpfer Robert Kirkman zu all dem? Ist er selber passionierter Gamer?

Stanger: Robert ist ein großer Freund von hochwertigen Inhalten jeder Art. Und genauso viel Freude bereitet es ihm, mit den jeweiligen Schöpfern zusammenzuarbeiten, um ihre Produkte einem weltweiten Publikum zugänglich zu machen. Ganz gleich, ob es sich dabei um Comics, TV-Serien, Filme oder Videospiele handelt.

IGM: Könnte die Entwicklung von AAA- bzw. AA-Titeln für die nähere Zukunft interessant sein?

Stanger: Ja, absolut. Aber wir sehen auch eine Menge aufregender Gelegenheiten außerhalb der Blockbuster-Arena. Damit meine ich vor allem super-hochwertige Indie-Games.

IGM: Wo werden in der näheren Zukunft Ihre Prioritäten liegen – bei PC- oder Konsolen-Produkten?

Stanger: Bei beiden. Außerdem beobachten wir die Entwicklungen im VR- und AR-Markt. Generell interessiert uns jede Technologie, die uns dabei hilft, unsere Inhalte so überzeugend wie möglich auf den Markt zu bringen. (rb)