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Magazin: interview

Hervé Hoerdt, VP Marketing and Digital bei Bandai Namco Entertainment Europe

"Es ist etwas im Anmarsch"

Volle Kraft voraus: Die diesjährige gamescom bestritt Bandai Namco mit einem beeindruckenden Line-up. Neben Project Cars 2, Ni no Kuni 2, Ace Combat 7 und zahlreichen anderen Titeln präsentierte der Publisher auch eine völlig neue IP. IGM sprach darüber mit Hervé Hoerdt, dem VP Marketing and Digital bei Bandai Namco Entertainment Europe.
IGM: Bandai Namco zeigte auf der gamescom jede Menge neuer Spiele, dazu gesellt sich auch eine ganz neue IP... offenbar haben Sie große Pläne für Europa.

Hervé Hoerdt: Ja, wir haben in Europa viel vor. Wir formen ein Unternehmen, das nicht mehr nur auf Inhalte aus Japan angewiesen ist – ein Unternehmen, das eigenständig ist und stark. Das merkt man an unseren Investitionen bei der diesjährigen gamescom. Kurz gesagt ruht unsere Strategie – in Bezug auf Inhalte – auf zwei Grundpfeilern. Einer davon sind japanische Inhalte. Unser Ziel ist, diese Inhalte zu verdoppeln.

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    Wir haben in Europa viel vor
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IGM: Wie wollen Sie das umsetzen?

Hoerdt: Mit Hilfe neuer IPs. Wir investieren folglich viel in Marktforschung, um herauszufinden, welche Art von IPs die europäischen Konsumenten mögen. Wir haben bereits ein Portfolio für die nächsten drei bis vier Jahre. Wir investieren zum Beispiel in neue Anime- und Manga-IPs, die über die traditionelle Naruto-IP hinausgehen. Das Ziel sind also mehr IPs auf mehr Plattformen. Als japanische Firma haben wir traditionell eine starke PlayStation-Orientierung, aber unsere Games werden mehr und mehr auch auf Xbox One, PC und Switch erscheinen. Inzwischen werden die Inhalte auch stärker lokalisiert. Auf diesem Weg wollen wir unser Geschäft verdoppeln.

IGM: Sie suchen also nach neuen Partnern...

Hoerdt: Wir müssen 50 Prozent unserer Inhalte mit Hilfe von westlichen Studios, Entwicklern und Partnern produzieren. Aus diesem Grund suchen wir nach langfristigen Partnerschaften, bei denen es nicht nur um ein Game, sondern auf jeden Fall um mehrere Sequels geht. Außerdem geht es um 360-Grad-Inhalte, weil wir nicht nur eine Games-Firma sind, sondern ein Unterhaltungskonzern – mit Spielzeug, Plüschfiguren, Comics etc.. Wir sprechen auch mit Hollywood und mit Firmen wie Netflix und Amazon, um Serien zu produzieren. Diese Strategie existiert seit nunmehr zwei Jahren und wird so langsam sichtbar. Das erste Game war Little Nightmares, das wir letztes Jahr auf der gamescom angekündigt haben, das den gamescom Award als bestes Indie-Spiel gewonnen hat und das seitdem sehr erfolgreich war. Wir setzen weiter auf diese IP. Vor kurzem haben wir auch Get Even herausgebracht.

IGM: Sprechen wir über Ihre neueste IP...

Hoerdt: Wir freuen uns sehr, eine neue IP ankündigen zu können, die in Partnerschaft mit Dontnod Entertainment entsteht. Wie Sie wissen, hat dieses AAA-Studio erst kürzlich Life is Strange produziert. Wir sprechen mit vielen Studios, wir haben ein spezielles Team, das mit den Entwicklern in Kontakt steht. Bei Dontnod hatten wir das Gefühl, das der richtige Zeitpunkt für eine Partnerschaft gekommen ist, dass das ein strategischer Schritt in die richtige Richtung ist. Wir freuen uns also wirklich sehr über diese Partnerschaft.

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    Wir suchen nach langfristigen Partnerschaften
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IGM: Was können Sie uns sonst noch über die neue IP verraten?

Hoerdt: Im kommenden Jahr werden wir mehr Infos zum Spiel veröffentlichen. Schon jetzt kann ich sagen, dass es sich um ein narratives Adventure handelt. Es wird in den USA spielen, in einer fiktiven Stadt. Und es wird sich sehr stark von Life is Strange unterscheiden – mit neuen Figuren und einer neuen Geschichte.

IGM: Und in Sachen Gameplay?

Hoerdt: Dazu haben wir noch keine Informationen veröffentlicht – weder zum Gameplay noch zum Titel des Spiels oder den Plattformen, auf denen es erscheint. Wir geben einfach nur die Partnerschaft mit Dontnod bekannt, um der Industrie und den Fans zu zeigen, dass etwas im Anmarsch ist. Und dass Bandai Namco wächst und westliche Inhalte produziert.

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    Wir investieren sechsmal mehr
    in die gamescom
    als in die Paris Games Week
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IGM: Denkt Bandai Namco all seine neuen IPs crossmedial?

Hoerdt: Ja, so stark wie möglich. Wir müssen aber bescheiden bleiben und die Dinge Schritt für Schritt angehen. Da muss man viel investieren – nicht nur Geld, sondern auch Zeit, Marketing und Energie. Man kann also nicht viele IPs auf einmal entwickeln. Man muss mit dem Spiel starten und dann schauen, ob die Fans noch mehr davon erwarten. Unserer Meinung nach ist Little Nightmares dafür ein guter Kandidat, weil es so einzigartig ist.

IGM: Sie sind Franzose... wie wichtig ist Ihnen die Paris Games Week, verglichen mit der gamescom?

Hoerdt: Ich war fünf Jahre lang Managing Director für Frankreich und Belgien. In den letzten drei Jahren habe ich mich um das europäische Geschäft gekümmert. Ich kann Ihnen sagen: Wir investieren sechsmal mehr in die gamescom als in die Paris Games Week. Denn erstens ist der deutsche Markt wichtiger als der französische. Und zweitens ist die gamescom das größte Games-Event der Welt. Wir müssen hier also mehr investieren – um das Geschäft in Deutschland zu fördern, aber auch, um uns mit euch zu treffen, um neue Partner und Geschäftsmöglichkeiten aufzutun. Die gamescom ist also definitiv wichtiger für uns. (feh)