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Magazin: interview

„Flexibel auf die Herausforderungen der Zukunft reagieren“

IGM: Thomas, Markus, hinter Flashpoint liegen bewegte Zeiten – im Juli 2018 hatte das Hamburger Amtsgericht ein Insolvenzeröffnungsverfahren angeordnet –, aber schon damals gabt ihr euch kämpferisch und nahmt bereits im August letzten Jahres den Geschäftsbetrieb wieder auf. Wo steht Flashpoint heute?

Thomas Altemeier: Ja, es stimmt, hinter uns liegt eine sehr bewegte Zeit. Es ist ja gerade in der Vergangenheit nicht selbstverständlich gewesen, dass ein Unternehmen in unserer Branche tatsächlich weitermachen kann. Wir sind dankbar für die Unterstützung, die wir in dieser schweren Zeit von unseren Mitarbeitern und den wichtigsten unserer langjährigen Partner erhalten haben. Jetzt haben wir die ersten Hürden überwunden und freuen uns auf das bevorstehende neue Geschäftsjahr, welches gerade erst begonnen hat. Wir sind nicht nur gut für die Zukunft gerüstet, sondern auch hoch moviert.

IGM: Primäre Aufgabe dürfte in den letzten Monaten gewesen sein, vor allem das Vertrauen von Kunden und Lieferanten wiederzugewinnen …

Markus Blumenberg: Allerdings. Für uns ist es durchaus nicht selbstverständlich, dass wir so viel Zuspruch erhalten haben, weiterzumachen. Mit den wichtigsten unserer Kunden und Lieferanten haben wir erstaunlich zügig die Geschäftsbeziehung wiederaufnehmen können. Auch haben wir mit diesen Partnern für die aus der Insolvenz entstandenen Probleme zeitnah gemeinsame Lösungen erarbeiten können. Wir glauben schon, dass wir nur aufgrund der sehr guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit der letzten Jahre eine solch schnelle Basis finden konnten.

IGM: Im Dezember wurde aus der flashpoint AG die Flashpoint Germany GmbH, die Teile des AG-Geschäfts übernahm und auch dank eines Investors für die Zukunft gerüstet ist. Wie wichtig war und ist es, externe Unterstützung zu erhalten?
Thomas Altemeier: Um es ganz ehrlich zu sagen, ohne eine derartige Unterstützung wäre ein Neustart nicht gelungen. Wir hatten schon eine sehr gute Reputation am Markt, das allein sichert dir aber noch lange keine solide Finanzierung der neuen Geschäftsaktivitäten. Uns war sehr wichtig einen finanzstarken Partner an Bord zu holen, um nicht mehr der Willkür der Banken ausgesetzt zu sein. Wir sind sehr froh, die Liquidität langfristig gesichert zu haben und somit auch einer weiteren Expansion nichts im Wege steht. 

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Ohne externe Unterstützung
wäre es nicht gegangen
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IGM: Im Zuge eurer Neuausrichtung habt ihr im letzten Jahr betont, dass ihr "nicht so blauäugig" seid zu denken, dass alles einfach weitergehe wie zuvor. Was genau lief "zuvor" falsch?

Thomas Altemeier: Wir hatten schon eine Veränderung im Softwarebereich eingepreist und mit dem Ausbau der Sortimente im Bereich Zubehör und Merchandise eine wichtige Weichenstellung vorgenommen. Allerdings wurden wir vom Ausmaß und der Geschwindigkeit des Marktrückgangs überrascht. Hinzu kam, dass uns als Vollsortimenter der extreme Rückgang nicht nur im Games- Segment traf, sondern auch in den Bereichen Musik und Film. Auch würden wir uns heute nicht mehr voll auf unsere Hausbank verlassen, dies war in der Reflektion einer der größten Fehler. Es bestand keine Bereitschaft, mit uns gemeinsam den Marktrückgang und die damit einhergehenden Veränderungen betriebswirtschaftlicher Kennzahlen zu tragen. Viel wichtigere Erfolgsfaktoren sind zukünftig eine ausgewogene Balance zwischen Kunden, Lieferanten und eine gesunde Finanzstruktur. Denn nicht allein die Größe ist entscheidend, sondern die Flexibilität am Markt und die Fähigkeit, schnell auf die Veränderungen des Marktes zu reagieren.

IGM: Wo liegen künftig eure Schwerpunkte? Weiter als Vollsortimenter zu fungieren, dürfte wenig Sinn ergeben ...

Markus Blumenberg: Der Vollsortimenter gehört der Vergangenheit an. Wir konzentrieren uns in der Flashpoint Germany GmbH sehr stark auf das Geschäft mit Merchandising und Zubehör ausgewählter Partner. Der Schwerpunkt liegt bei hochwertigen Lizenz- Merchandising-Produkten und qualitativ sehr hochwertigem Zubehör, nach Möglichkeit mit Alleinstellungsmerkmalen.  

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Der Voll­s­ortimenter gehört der Vergangenheit an
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IGM: Also weg von Software und hin zu Peripherie und Merchandise – und schon rollt der Rubel? Ist es so einfach?

Thomas Altemeier: Nein, so einfach ist das natürlich nicht. Wir werden auch zukünftig Software von ausgewählten Herstellern vertreiben und wollen auch hier wieder wachsen. Im Merchandising- Markt hatten wir einen zeitlichen Vorsprung und konnten somit auch hier umfangreiche Kompetenz aufbauen. Wir haben in den vergangenen Jahren schon erfolgreich mit unseren jetzigen Partnern zusammengearbeitet und sehr individuelle Sortimentskonzepte erarbeitet. Ich glaube, den wenigsten Kunden ist bekannt, welchen Aufwand ein deutsches Unternehmen betreiben muss, um ein neues Produkt mit Stecker und oder Batterie in den deutschen Markt einzuführen. Das fängt bei gefühlten 100 Vorschriften und Vorgaben an und endet nicht bei der Verzollung.

IGM: Die Marge ist bei Merchandise höher als bei Software. Ein Pluspunkt?

Markus Blumenberg: Die Marge auf Merchandising-Produkte ist zwar höher, allerdings ist der Umschlag pro Artikel natürlich nicht mit einer Software-Neuheit zu vergleichen. Merchandising-Artikel brauchen mehr Platz im Regal und auch im Lager. Sie sind aber auch nicht so zeitkritisch wie ein Software-Release und lassen sich über einen viel längeren Zeitraum vermarkten. Eine Mario-Tasse verkauft sich das ganze Jahr über.

IGM: Eine funktionierende Logistik ist hier also das A und O?

Thomas Altemeier: Das war sie vorher auch schon. Es ist natürlich ein Unterschied, Ware per Container zu bestellen oder in Verpackungseinheiten in einem deutschen Lager. Wir sind aber sehr stolz darauf, dass wir nicht nur unsere technisch sehr ausgereifte Warenwirtschaft, sondern auch die gesamte Infrastruktur des Lagers übernehmen konnten. Denn wir sehen in den stark wachsenden Anforderungen einer schnellen und elektronisch gesteuerten Belieferung im logistischen Dienstleistungsbereich auch großes Wachstumspotential. Um dieser Tatsache gerecht zu werden, haben wir uns entschieden, eine Kooperation mit der SERU Distributions GmbH & Co. KG einzugehen. Das logistische Knowhow, gepaart mit der hervorragenden Reputation, hat hier den Ausschlag gegeben. Gemeinsam werden wir in der Lage sein, sämtliche Dienstleitungen der Branche auch zukünftig abbilden zu können.

IGM: Wie wichtig sind im Merchandise-Kontext zugkräftige Lizenzen? Ein No-Name-Shirt kostet 5 Euro, eines mit Star-Wars-Lizenz 30 …

Markus Blumenberg: Natürlich haben auch No-Name-T-Shirts ihre Daseinsberechtigung, allerdings gibt es die ja auch zuhauf bei den Textil-Anbietern. Gerade die Nähe zu den Entertainment-affinen Lizenzen bietet eine Chance für unsere Kunden, sich von anderen Anbietern abzugrenzen. Zum Glück spielen aber T-Shirts und Bekleidung nicht die wesentliche Rolle bei den Lizenzartikeln, die Bestseller kommen aus anderen Warengruppen, wie zum Beispiel Lampen (Playstation) oder Tassen (Super Mario), die man sonst kaum so gebündelt im Handel findet.

IGM: Starke Marken sind das eine, ein Näschen für neue Trends auf dem Merchandise-Markt zu haben, das andere. Wie wichtig ist hier etwa der asiatische Markt für euch?

Markus Blumenberg: Der asiatische Markt ist bekanntlich nicht einfach zu adaptieren, Trends sind nur bedingt anwendbar. Wir gehen seit geraumer Zeit dennoch auf die entsprechenden Messen, um ein Gefühl für die neuen Themen zu bekommen und natürlich auch, um uns die Neuheiten unserer Partner präsentieren zu lassen.

IGM: Wer sind derzeit eure Schwerpunktlieferanten im Bereich Zubehör?

Thomas Altemeier: Neben unseren langjährigen Partnern wie HORI, 4Gamers, Playseat und PDP, vertreiben wir nun auch schon eine Weile die Turtle-Beach-Headsets. Alle diese Partner zeichnen sich durch einzigartige Produkte aus, teilweise mit entsprechenden Lizenzen ausgestattet oder zumindest deutlich über dem Durchschnitt.

IGM: Gibt es individuell auf den Kunden abgestimmte Dienstleistungen in eurem Angebot? Was bietet Flashpoint, was andere nicht zu bieten haben?

Markus Blumenberg: Egal, ob es Merchandise oder Zubehör ist, in der Regel gibt es mehr Produkte, als der Retail stellen kann. Hier sehen wir eine unserer Kernaufgaben, da wir nicht nur auf die entsprechende Zielgruppe abgestimmte Sortimente anbieten, sondern gerade auch im Zubehör die Bandbreite abbilden können, um den wichtigsten Bedarf der Endkunden abzudecken. Dabei kommen der logistische Service, aber eben auch Content-Daten der Produkte usw. ins Spiel. Wir wollen es den Einkäufern und Kunden so einfach wie möglich machen.

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Wir wollen es
den Einkäufern
und Kunden
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IGM: Abschließend: Obwohl Entlassungen im Zuge der Insolvenz vonnöten waren, blieb in der Führungsetage ein Kernteam an Bord – neben euch beiden u.a. noch Marcel Sommer. Wie wichtig war es – und wird es künftig sein – sich als eingespieltes Team den kommenden Herausforderungen zu stellen?

Thomas Altemeier: Natürlich bedauern wir, dass wir nicht alle Mitarbeiter übernehmen konnten. Es ist von entscheidender Bedeutung, ein Team zu haben, welches sich aufeinander verlassen kann. Das haben wir auch beim Umzug in die neuen und kleineren Büroflächen berücksichtigt, wo wir uns alle ein Großraumbüro teilen, um die Kommunikation und den Teamgeist zu verbessern. Am Anfang für viele ungewohnt, jetzt nicht mehr wegzudenken. Wir glauben sehr stark, dass der Transformationsprozess noch lange nicht abgeschlossen ist. Deshalb müssen und wollen wir flexibel auf die Herausforderungen der Zukunft reagieren. Das geht nur, wenn das gesamte Team auch zukünftig zusammenrückt und an einem Strang zieht. (ho)