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Magazin: interview

Oliver Menne, Managing  Director von Eurogamer Germany

"Unser Ziel sind geringe Wartezeiten"

Gamer Network betreibt Webseiten wie Eurogamer.net, GamesIndustry.biz und
RockPaper­Shotgun.com – und veranstaltet auch seit Jahren die britische Spielemesse EGX. In diesem Jahr bekommt die Messe einen deutschen Ableger: Die EGX Berlin findet vom 28. bis 30. September in der STATION-Berlin in Kreuzberg statt, geplant sind rund 20.000 Besucher. IGM sprach mit Oliver Menne, Managing Director von Eurogamer Germany, über das Konzept der neuen Consumer-Show.

IGM: Oliver, braucht es neben der gamescom noch eine weitere Consumer-Messe in Deutschland?

Oliver Menne: Auf jeden Fall ist noch Platz für eine Messe. Ich sehe auch beide Messen nicht im Wettbewerb. Wenn es um Aussteller geht, fischen sie zwar im selben Budget-Topf – aber das war es dann eigentlich auch schon. Die Besucher werden sich vermutlich unterscheiden. Viele gamescom-Besucher kommen aus dem Einzugsgebiet Köln. Aber nur wenige Leute werden bereit sein, fünf oder sechs Stunden durch Deutschland zu fahren, um sich Spiele in Berlin anzuschauen. Die Frage ist also nicht, ob es weitere Messen braucht – sondern welche es geben kann.

IGM: Wenn schon Berlin – reichen dann 20.000 Tickets?

Menne: Wir glauben, dass die Tickets im Vorverkauf sehr schnell weg sein werden. Für unsere erste Messe wollen wir aber ohnehin nicht mehr Besucher. Die Qualität einer Veranstaltung steigt nicht mit der Anzahl der Besucher, sie nimmt eher ab. Für uns geht es nicht um die reine Quantität, sondern auch darum, allen Beteiligten ein gutes Erlebnis zu bieten. Wir glauben, dass das mit einer geringeren Besucherzahl leichter zu erreichen ist. In England machen wir das übrigens ganz genauso, auch dort limitieren wir die Tickets stark. Wir könnten in Birmingham sicher das Doppelte der 80.000 Tickets verkaufen. Aber das wollen wir gar nicht.

IGM: Das Gamer Network, zu dem EGX gehört, wurde gerade erst vom US-amerikanischen Event-Spezialisten ReedPOP gekauft. Gibt das euren Plänen für Berlin einen zusätzlichen Schub?

Menne: Prinzipiell schon. ReedPOP sieht Deutschland als sehr wichtigen Markt – nach England sicher als den zweitwichtigsten Markt in Europa. Wir bekommen die volle Unterstützung der PAX-Macher. Einen zusätzlichen Schub gibt das in der Konzeption und in der Umsetzung, weil ReedPOP über viele Jahre hinweg einen unglaublichen Erfahrungsschatz gesammelt hat – durch viele Veranstaltungen in den USA, aber auch in Australien und anderen Ländern. Das wird uns wahrscheinlich am meisten helfen. Außerdem hat ReedPOP einen Content Director. Das Thema Content ist für sie sehr wichtig, EGX und PAX sind da nicht weit voneinander entfernt. Gerade bei der Konzeption von spannenden Inhalten ist es natürlich hilfreich, wenn man auf einen größeren Pool an Kreativen zurückgreifen kann.

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ReedPOP sieht Deutschland als sehr wichtigen Markt
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IGM: Wie soll sich das Besuchererlebnis der EGX Berlin von dem der gamescom unterscheiden?

Menne: Unser Ziel sind geringe Wartezeiten. Wir möchten, dass jeder Besucher ausreichend viele Titel selbst spielen kann. Außerdem möchten wir, dass man sehr entspannt über die Messe laufen kann, um sich die Sachen anzuschauen – ohne gleich von anderen Besuchern weitergeschoben zu werden, die von hinten drängeln. Auch inhaltlich soll die EGX ein Erlebnis werden. Da überlegen wir uns einige Dinge, die wir noch bekanntgeben werden. Wir wollen uns immer ganz stark am Thema Gaming orientieren – und damit auch die Core Gamer erreichen.

IGM: Geringere Wartezeiten bedeutet konkret?

Menne: ... nicht länger als 15 bis 20 Minuten. Selbst das finden wir schon nicht so gut. Das wird aber teilweise nicht anders gehen, weil manche Produkte eine stärkere Anziehungskraft haben als andere.

IGM: Wird sich das gesteigerte Messeerlebnis in höheren Eintrittspreisen widerspiegeln?

Menne: Nein, auf gar keinen Fall. Die Eintrittspreise werden so günstig wie möglich. Wir sind immer schon auf der Seite der User gewesen, das ist unsere Herkunft als Gamer Network. Unsere Webseiten gehören auch nicht zu denen, die das große Adblock-Fiasko verursacht haben, weil wir noch nie Dinge getan haben, die den User in irgendeiner Form nerven. Und mit genau diesem Anspruch sind wir vor mittlerweile zehn Jahren an die EGX herangegangen. Wir wollen eine Veranstaltung, die wir selbst gerne als User erleben würden. Und das gilt dann auch für Dinge wie den Eintrittspreis. Der Eintritt soll nicht mehr kosten, als wenn ich ins Kino gehe und mir noch Popcorn dazukaufe.

IGM: Welche Aussteller sind bereits bestätigt?

Menne: Das Feedback ist extrem positiv. Im Januar war ich auf einer Sales-Tour durch fünf deutsche Großstädte, zu der viele Industrievertreter gekommen sind. Namen kann ich jetzt aber noch keine nennen.

IGM: Setzt die EGX Berlin als deutsche Messe auch stark auf Games aus Deutschland?

Menne: Wir versuchen das. Wir werden mit deutschen Podcastern und natürlich auch Entwicklern sprechen, die ihre Spiele zeigen können. Das wird natürlich auch gestreamt, um die Reichweite zu erhöhen und den Content besser zu nutzen. Wir wollen  gerne auch die deutschen Entwickler zu Wort kommen lassen. Und vielleicht auch ein bisschen mehr Interaktion ermöglichen.

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Nicht zulassen, dass sich die Aussteller bei den Dezibel gegenseitig überbieten
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IGM: Ein Beispiel?

Menne: Wenn man sich die Veranstaltungen in England ansieht, dann gibt es da Möglichkeiten, aus dem Publikum heraus Fragen zu stellen. Das wollen wir fördern, damit das einen anderen Charakter hat als einfach nur eine Präsentation mit Musik. Das sollte schon ein bisschen tiefer gehen. In Birmingham gibt es zum Beispiel das EGX Theatre, in dem sitzen dann 800 Leute und hören Richard Leadbetter von Digital Foundry zu, wie er über die neue Xbox One X spricht. Solche Dinge wollen wir auch auf die Bühne bringen.

IGM: Es werden also eher keine T-Shirts ins Publikum geworfen...

Menne: Vielleicht werden sie ausgeteilt, aber hoffentlich nicht geworfen (lacht).  Ja, auf der EGX in Birmingham herrscht eine gewisse Grundlautstärke. Aber wir werden nicht zulassen, dass sich die Aussteller bei den Dezibel gegenseitig überbieten. Wir wollen es ruhiger haben, so dass man mit dem Kumpel auch noch über das Spiel reden kann, das man gerade ausprobiert.

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Für alle
Aussteller gilt der gleiche Preis
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IGM: Gamer-Network-Seiten wie RockPaperShotgun sind sehr indie-affin. Welche Rolle werden Indie-Games bei der EGX Berlin spielen?

Menne: Wir machen da keinen Unterschied zwischen AAA und Indie. Wir haben das Ganze preislich so aufgesetzt – eine Spielstation bekommt man für 2500 Euro – , dass es auch für Indies erschwinglich ist. Für alle Aussteller gilt dabei der gleiche Preis. Das gilt auch für die Platzierung: Wir werden keine Indie Area abseits der AAA-Spiele haben, sondern das so mischen, dass es vom Fluss her für die Besucher und die Aussteller Sinn macht. Der Indie-Hersteller ist für uns genauso wichtig wie der AAA-Hersteller, wir sehen die prinzipiell alle als Entwickler. Durch gamesindustry.biz und andere Dinge sind wir sehr stark auf der Entwicklerebene verhaftet.

IGM: Kannst du schon etwas zu den geplanten Entwickler-Panels sagen?

Menne: Die EGX Berlin findet nicht ohne Grund eine Woche nach der EGX Birmingham statt. Wir versuchen einige internationale Stargäste zu bekommen, die ihren Aufenthalt in Berlin verlängern wollen. Aber es ist jetzt noch zu früh, um Namen zu nennen – das werden wir noch rechtzeitig tun. Wir wollen aber natürlich viele deutsche Speaker dabeihaben. Hinzu kommt, dass wir bei internationalen Speakern viel dolmetschen müssen. Das ist natürlich bei den deutschen Speakern etwas einfacher – wenn man zum Beispiel jemanden von Deck13 holt, der auch viele tolle Dinge zu erzählen hat.

IGM: Wie du sagst, findet die Messe eine Woche nach EGX Birmingham statt. Was spricht sonst noch für den Termin Ende September? Die gamescom ist ja dann schon durch, die Paris Games Week kommt noch...

Menne: Das letzte Septemberwochenende ist der Startschuss für das Weihnachtsgeschäft. Es wird sehr viel mehr spielbaren Code geben, weil zum Teil auch schon Retail-Versionen vorhanden sind. Außerdem muss eine Woche nach der EGX Birmingham kein neuer Code geschaffen werden – mal rein aus logistischer Sicht.

IGM: Exklusive Inhalte stehen bei der EGX folglich nicht im Mittelpunkt?

Menne: Das mit den exklusiven Inhalten ist in erster Linie eine Mediengeschichte. Mir ist das bei der EGX Birmingham aufgefallen: Dort haben Spiele als "Best of Show" gewonnen, die bereits im Handel waren. Ich glaube, es gibt da eine unterschiedliche Wahrnehmung zwischen uns Professionellen und dem Spieler da draußen. Der findet es cool, Spiele ausprobieren zu können, wenn er gerade vor der Kaufentscheidung steht. Und sie mit Freunden zusammen in einer Event-Umgebung zu erleben.

IGM: Wie wichtig ist E-Sport für die EGX Berlin?

Menne: E-Sport ist für uns kein Schwerpunkt – und auch nicht unsere Kernkompetenz. Wenn, dann vielleicht mit einem Partner zusammen. Es wird mit Sicherheit Wettbewerbe geben, aber nicht so, dass bei uns irgendein besonderes Finale ausgerichtet werden müsste.

IGM: Das Merchandise-Geschäft boomt. Welche Rolle spielt es in Berlin?

Menne: Der Verkauf von Merchandise-Artikeln wird recht einfach, weil die Messe ab 18 ist – da gibt es weniger Restriktionen. Wir haben auch gerne Händler auf unseren Messen. Merchandise gehört einfach zum Gaming-Lifestyle dazu. Man will etwas mitnehmen, man will das aber auch nach außen tragen. (feh)