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Magazin: interview

„Wer Erfolg im E-Sport haben will, muss fit sein“

IGM: Bruno, das erste IGM-Interview hast Du bereits im Jahre 2008 gegeben, schon damals warst Du für die TK tätig, und schon damals ging es um das Thema Games. Woher kommt diese hohe Affinität der TK zum digitalen Spiel?

Bruno Kollhorst: Nun, wir tragen das ja quasi schon im Namen. Als die Techniker war es schon immer unser Ansinnen, innovative Lösungen – gerade im digitalen Bereich – zu entwickeln und anzubieten. Da gehört es auch dazu, sich mit dem Thema Games zu befassen.

IGM: Was genau war Mitte der neunziger Jahre der Anlass für euer Engagement in diesem Bereich?

Bruno Kollhorst: Damals ging es darum, Studenten auf einem attraktiven Weg mit Präventionsthemen in Kontakt zu bringen. Das Game auf der damals innovativen Flashbasis nannte sich "Groovygotchi". Angelehnt an das Prinzip vom Tamagotchi musste man einen virtuellen Studenten 14 Tage lang gesund durch den Studienalltag begleiten. Dabei ging es um die richtige Balance zwischen Vorlesung, Lernen, Entspannung, Sport und Party machen.

IGM: Wenn Du eure Aktivitäten von damals mal mit den heutigen vergleichst: Wie haben sich der Games-Markt und die Gamer im Speziellen geändert? Und wie hat die TK auf die sich verändernden Bedürfnisse reagiert?

Bruno Kollhorst: Der Markt hat sich im Laufe der Zeit professionalisiert, aber auch konsolidiert. Viele Potentiale für Kooperationen mit Marken werden leider immer noch liegen gelassen. Gerade der E-Sport gibt dem ganzen Thema aber wieder mehr Auftrieb. Den "typischen" Gamer gibt es ja auch gar nicht mehr. Das Thema ist in die Alltagskultur von nahezu jeder Generation eingezogen. Ob am PC als E-Sportler oder als "Casual" auf dem Smartphone während der Heimfahrt in der S-Bahn: Für viele gehört Gaming einfach dazu. Wir wollen unseren Versicherten nicht ihre Lebenswelt madig machen, sondern ermöglichen, dass sie ihre Interessen möglichst gesund erleben können.

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Für viele
gehört Gaming einfach dazu
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IGM: Erst kürzlich ist die TK eine Kooperation mit der ESL eingegangen. Erklärst Du uns bitte die Hintergründe dieses Deals?

Bruno Kollhorst: Vor dem Hintergrund der Diskussionen darüber, ob E-Sport nun Sport ist oder nicht, dem großen gesellschaftlichem Interesse und unserer Einstellung gegenüber Gaming war es für uns nur logisch, mit dieser Kooperation den Gesundheitsaspekt beim Gaming zu platzieren. Deshalb sind wir für die nächsten zwei Jahre der Gesundheitspartner für die ESL Meisterschaft und die ESL One.

IGM: Welche Aktionen plant die TK im Rahmen der Kooperation?

Bruno Kollhorst: Wer Erfolg im E-Sport haben will, muss fit sein. Körperlich und mental. Genau da setzen wir an. Wir haben mit einem auf E-Sportler spezialisierten Arzt und Therapeuten zusammen wertvolle Insights und Tipps für Spieler und Teams erstellt, die wir kontinuierlich ausrollen werden. Daneben gibt es auf Events wie der ESL One in Hamburg und der gamescom in Köln vor Ort Aktionen, und zwar gemeinsam mit der ESL, aber auch mit der Uniliga. Weitere Dinge sind derzeit in Planung. Der langfristige Charakter der Zusammenarbeit ermöglicht es uns, weitere Inhalte zu entwickeln, da haben wir viel Spielraum. Daneben haben wir auch ein eigenes Turnier im Rahmen der ESL geplant.

IGM: Bist Du eigentlich selber Gamer bzw. muss man selber Gamer sein, um sich in die Welt des E-Sports hineinversetzen zu können?

Bruno Kollhorst: Ich selbst würde mich schon als Gamer bezeichnen. Ich habe über 10 Jahre eine Liga und Gaming-Plattform betrieben, einen Clan geleitet und spiele heute noch gern zur Entspannung. Die Assassins-Creed-Reihe hat es mir zum Beispiel angetan. Ein Muss ist das sicher nicht, aber es hilft sehr, die Branche und die Community zu verstehen.

IGM: Zahlreiche Unternehmen springen derzeit auf den fahrenden E-Sport-Zug auf, um unmittelbar am "Hype" zu partizipieren. Da wird dann gerne mal ein Team gesponsort, die Spieler mit dem firmeneigenen Logo zugeklebt– und fertig ist das Team XY. Eure Herangehensweise scheint eine andere zu sein ...

Bruno Kollhorst: Uns ist wichtig, dass Gaming möglichst so betrieben wird, dass dadurch keine gesundheitlichen Nachteile entstehen. Das Unterstützen eines Teams ist uns hier zu kurz gefasst. Natürlich ist der "Hype" rein aus Marketingperspektive gut nutzbar. Wir sehen uns aber eher als Gesundheitspartner, der den Gamern in Sachen Fitness, Ernährung und Gesundheit zur Seite steht. Nur so können E-Sportler erfolgreich werden und bleiben.

IGM: Ein "Team Techniker Krankenkasse" wird es also nicht geben?

Bruno Kollhorst: Das will ich nicht ausschließen, ist jedoch derzeit nicht geplant. Die übergreifende Klammer ESL ist uns hier wichtiger.

IGM: Wir sprachen kürzlich mit Milan Cerny von SAP über deren Engagement im Bereich E-Sport. SAP geht es laut Cerny primär darum, eigene Produkte für den Gamer "erlebbar" zu machen. Wie macht eine Krankenkasse wie die TK ihr Produkt erlebbar?

Bruno Kollhorst: Es ist generell schwierig, die "Produkte" einer Krankenkasse "erlebbar" zu machen. Vor allem gegenüber einer Kundengruppe, die sich zunächst mal so gar nicht für das Thema Krankenversicherung interessiert. Wir möchten ein Bewusstsein schaffen, dass Erfolg im E-Sport von gewissen Faktoren abhängt, die ich mit körperlicher und geistiger Fitness beeinflussen kann. Und dass die Techniker eben der richtige Partner mit den richtigen Lösungen dafür ist.

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Wir sehen uns
nicht als Oberlehrer, sondern als Coach
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IGM: Wie schafft ihr es, bestmöglich hipp und cool rüberzukommen? Mit dem erhobenen Zeigefinger und der reinen Ansage, sich neben dem E-Sport gesund zu ernähren und sich fit zu halten, dürftet ihr nicht viel erreichen ...

Bruno Kollhorst: Genau. Und deshalb sehen wir uns eher als eine Art Co-Trainer, der für die körperliche und mentale Fitness zuständig ist. Und genauso wollen wir inhaltlich arbeiten. Nicht als Oberlehrer, sondern als Coach.

IGM: Wie fühlt man sich als ein im E-Sport engagiertes Unternehmen im Kreise von Marken wie Coca Cola und Fast-Food-Ketten?

Bruno Kollhorst: Nicht anders als Vodafone, DHL und Wüstenrot. Spaß beiseite: auch Coca-Cola und Fastfood gehören zu den Lebenswelten. Wenn wir hier ein gesundes Gegengewicht erzeugen können, umso besser.

IGM: Mal ganz konkret: Ich bin 22-jähriger E-Sportler und bin an einer Mitgliedschaft in der TK interessiert oder möchte zur TK wechseln. Was muss ich tun?

Bruno Kollhorst: Einfach auf www.tk.de gehen und mobil oder am PC den Mitgliedsantrag ausfüllen.

IGM: Abschließend mal in eigener Sache gefragt, also … für einen Bekannten natürlich: Der wird nächstes Jahr 48, raucht, treibt kaum Sport, arbeitet zu viel, hat Bandscheibenvorfälle und Bluthochdruck. So einen lasst ihr bei euch nicht rein, oder?

Bruno Kollhorst: Die Gesetzliche Krankenversicherung ist ja eine Sozialversicherung und wir sind bundesweit geöffnet. Das heißt, jeder kann sich bei uns versichern, auch Dein Bekannter. Über seinen Gesundheitszustand sollten wir aber nochmal reden. Wir bieten da ein paar gute Online-Gesundheits-Coaches und weitere Services für unsere Versicherten an. (ho)