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Magazin: interview

„Wesentlich mehr Schlagkraft“

Der Spielepublisherverband BIU und der ehemals als eine Art Gegenentwurf gestartete Spieleentwicklerverband G.A.M.E. könnten sich zusammenschließen. Das jedenfalls empfehlen die beiden Verbandsvorstände ihren Mitgliedern. IGM sprach mit BIU-Chef Dr. Maximilian Schenk und G.A.M.E.-Geschäftsführer Claas Oehler über Hintergründe und Ziele der möglichen Fusion.

IGM: Herr Dr. Schenk, Herr Oehler, die Vorstände von BIU und G.A.M.E. empfehlen ihren jeweiligen Mitgliedern eine Fusion beider Verbände. Wie soll das Kind denn heißen, wenn alles glatt geht? VUD?

Dr. Maximilian Schenk: [lacht] Wir werden unseren Mitgliedern „GAME“ als Name vorschlagen. Wir glauben, dass dieser Name eine hohe Aufmerksamkeit sowie eine scharfe Abgrenzung zu anderen Content-Bereichen schafft und darüber hinaus die Entwicklung unserer Industrie greifbar macht. Denn es geht in unserer Branche nicht mehr um Publisher auf der einen Seite und Entwickler auf der anderen. Die Aufgaben von Entwicklern und Publishern konvergieren zunehmend oder wechseln sogar vollständig. Nehmen Sie das Beispiel der Kooperation zwischen Electronic Arts und Bigpoint bei der Distribution von Free-to-play-Angeboten. Bei dieser Kooperation tritt Bigpoint mit seinem Netzwerk als Publisher und Electronic Arts gleichsam als Entwickler auf. Der Name GAME spiegelt derartige Entwicklungen wider.

Claas Oehler: Interessant, dass Sie den VUD ansprechen. Natürlich haben wir uns mit der Historie des VUD intensiv beschäftigt: Im Ergebnis sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die Fusion nicht nur möglich, sondern eine Notwendigkeit für eine starke Interessenvertretung in der Zukunft ist. Die Aufgaben von Entwicklern und Publishern konvergieren auf modernen Plattformen. Selbst kleinere Studios wie kunst-stoff (The Great Jitters) oder etablierte „Indies“ wie Daedalic Entertainment (Deponia) fallen sowohl unter die Definition eines Entwicklers als auch unter die des Publishers. Der VUD ist nicht daran gescheitert, dass die Interessen von Entwicklern und Publishern unvereinbar wären, sondern letztlich an seiner Struktur. Wir haben vom VUD auch gelernt, dass ein Verband sich auf beide Interessen, die von Entwicklern und Publishern, fokussieren muss. Daran fehlte es zuletzt beim VUD Wer die Probleme damals aktiv verfolgt hat, wird selbst bei kritischster Betrachtung des neuen Konzepts sehen, dass wir gerade daraus gelernt haben.

IGM: Die BIU-Mitglieder repräsentieren laut Unternehmensdarstellung bereits 75 % des Marktes für Computer- und Videospiele. Was wollen Sie da noch mit G.A.M.E.-Mitgliedern wie Allopass Deutschland oder der Partnertrans GmbH, also Dienstleistern der Games-Industrie, Herr Dr. Schenk?

Schenk: Interaktive Unterhaltung ist nicht nur das Leitmedium der digitalen Kultur. Die Games-Industrie ist auch
die innovativste Technologiebranche Deutschlands und entwickelt laufend Technologien, die auch in anderen Industrien angewendet werden können. Und diese Technologien werden natürlich auch bei KMUs entwickelt, wie Sie sie erwähnen. Wir wollen mit dem neuen Verband als eine Industrie auftreten und alle Player der Branche vertreten.

Oehler: Ihre Frage stellt die Dinge auch sehr vereinfacht dar. Es kommt natürlich auf den Markt an, den Sie betrachten: Klar, das mag richtig sein, wenn Sie sich allein den Retail-Bereich anschauen. Die Computerspielindustrie umfasst auch Onlinespiele jeder Couleur, den Markt für Entwicklungen und den wachsenden Markt von Spielen für mobile Endgeräte. Ein Großteil der führenden Anbieter in diesen Märkten ist Mitglied des G.A.M.E. Namen wie Crytec, bitComposer, Travian, Gameforge, Bigpoint oder Wargaming gelten nicht umsonst als erfolgreiche Marktteilnehmer. Daneben gehören dem G.A.M.E. auch kleine und junge Unternehmen an. Aber auch Microsoft hat bekanntlich klein angefangen. Wir verstehen es in der alten und zukünftigen Struktur als unsere Aufgabe, auch diese Unternehmen zu unterstützen.

„Die Aufgaben von Entwicklern und Publishern konvergieren zunehmend“

IGM: Aber war nicht Sinn und Zweck der BIU-Gründung, dass gerade die marktbeherrschenden Unternehmen unter sich bleiben und sich nicht von den „Kleinen“ reinreden lassen wollten?

Schenk: Ich nehme viele der deutschen Games-Unternehmen als sehr professionell aufgestellt wahr: Sie haben attraktive und konkurrenzfähige Produkte, entwickeln international erfolgreiche Geschäftsmodelle und verzeichnen erstaunliche Umsätze und Wachstumsraten. Die Unterscheidung zwischen BIU gleich große Unternehmen und G.A.M.E. gleich kleine Unternehmen ist längst überkommen.