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Magazin: interview

NBG-Chef Markus Biehl

"Wir haben den richtigen Weg eingeschlagen"

IGM: Markus, NBG feiert dieser Tage 30-jähriges Bestehen, Du selbst bist seit 1998 im Unternehmen und als Geschäftsführer seit 2001 an Bord. Wie war das damals für Dich, als Du das Ruder übernommen hast?

Markus Biehl: Zuerst möchte ich darauf hinweisen, dass der Begriff "feiern" bei uns nicht zutrifft. Für uns ist die 30 nur eine Zahl und die wird ja jedes Jahr größer. Als ich vor 20 Jahren bei NBG anfangen durfte, war das Unternehmen ja erst 10 Jahre alt und stand vor der Herausforderung, dass man die Strukturen für weiteres Wachstum aufbauen musste.

IGM: Vor Deiner Zeit lenkte Detlef Erhardt die Geschicke des Unternehmens und hatte vor allem mit den "Hugo"-Titeln enormen Erfolg. Waren das große Fußstapfen für Dich?

Biehl: In die Fußstapfen von Ingrid und Detlef Erhardt konnte und wollte ich nie treten. Die beiden waren und sind etwas ganz Besonderes. Sie sind Pioniere gewesen und haben sehr viel Mut und Geschick bewiesen, als sie die NBG gegründet haben.

IGM: Hast Du Dich als gebürtiger Saarländer denn schnell in der Oberpfalz einleben können?

Biehl: Leicht wird es einem hier nicht gemacht. Die Bayern, speziell die Oberpfälzer, sind schon ein ganz besonderes Volk. Aber das sind die Saarländer auch, von daher gibt es Parallelen, was leider auch bedeutet, dass es keine Überschneidungen gibt. Mein Mathelehrer wäre jetzt wahrscheinlich stolz auf mich.

IGM: In der Gamesindustrie angefangen hast Du 1996 bei Blue Byte, Stichwort: Siedler II. Kann man die Branche von damals noch mit der von heute vergleichen?

Biehl: Natürlich kann man die Branchen noch vergleichen. Der Inhalt ist weiterhin der gleiche. Das Medium hat sich verändert und der Weg, wie dieses Medium den Konsumenten erreicht.

IGM: Ist also nicht alles schlechter geworden?

Biehl: Natürlich nicht. Der Markt hat sich einfach sehr stark konzentriert, viele Mitstreiter von damals haben sich mittlerweile verabschiedet. Das hat natürlich auch seine Vorteile, auf der anderen Seite fehlt manchmal die Vielfalt.

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    Die Bayern, speziell die Oberpfälzer,
    sind schon ein ganz besonderes Volk
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IGM: Wie schaut es mit Eurem Standort aus? Ist dort die Welt noch in Ordnung?

Biehl: Unser Unternehmen sitzt ja in einer Region, in der viele ihren Urlaub verbringen. Der größte Vorteil für uns ist, dass wir geographisch in der Mitte von Europa liegen. Burglengenfeld wirbt auch mit uns als eines der Top-Unternehmen in der Region, aber seit mehr als 10 Jahren war kein Vertreter der Stadt mehr bei uns, so interessant sind wir dann anscheinend auch wieder nicht.

IGM: Die NBG-Mutter heißt seit 1997 Activision Blizzard. Wie wichtig ist es, eine schützende Hand über sich zu wissen?

Biehl: Wir arbeiten als NBG sehr unabhängig und können unseren eigenen Weg gehen. Das kann man an unserem Geschäftsmodell erkennen.

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    Der Markt
    hat sich sehr stark konzentriert
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IGM: Ihr vertreibt ja heutzutage nicht mehr nur PC- und Konsolenspiele, sondern seid auch im Bereich Merchandise aktiv. Ein gewolltes oder aus der Not geborenes Geschäft?

Biehl: Bereits im Jahr 2000 haben wir damit begonnen, die ersten Merchandise Produkte zu Hugo auf den Markt zu bringen. Auch damals war Plüsch bereits mit das stärkste Segment. Generell muss man feststellen, dass Unterhaltungs-Software in vielen Fällen ja auch als Merchandise zu einer bekannten Marke angesehen wird.

IGM: Muss Merchandise zwingend mit einer starken Lizenz assoziiert werden, um Erfolgsaussichten zu haben?

Biehl: Eindeutig ja. Es handelt sich ja um Produkte für Fans einer Marke. Ohne die entsprechende Marke gibt es auch keine Fan-Kultur.

IGM: Merchandise-Produkte kommen oft aus Asien und nicht selten unpünktlich an. Wie ist das, wenn ein LKW dann irgendwann schlimmstenfalls mit beschädigter Ware und falschen EAN-Codes auf dem Hof steht?

Biehl: Das nennt man dann einen ganz normalen Tag im Leben eines Distributions-Unternehmens.

IGM: Ihr arbeitet seit geraumer Zeit mit dem britischen Unternehmen Exquisite Gaming (EXG) zusammen. Wie lautet hier Dein Zwischenfazit und wie kommen Produkte wie etwa die Cable Guys beim Verbraucher an?

Biehl: Mit Exquisite Gaming arbeiten wir seit 2 Jahren zusammen und haben in den letzten 12 Monaten einige sehr erfolgreiche Produkte auf den Markt gebracht. An erster Stelle stehen dabei die Fanboxen und Cable Guys. Beide Linien sind einzigartig und werden vom Verbraucher sehr gut angenommen.

IGM: Was ist in naher Zukunft von EXG zu erwarten?

Biehl: In diesem Jahr wird die Cable Guys Reihe deutlich erweitert und um zahlreiche Lizenzen ergänzt. Neben den bereits erhältlichen Figuren zu Call of Duty und Street Fighter wird es zahlreiche Charaktere mit Disney Lizenz geben, aber auch Figuren zu Fallout, Crash Bandicoot und weitere Themen wird es geben. Ganz neu kommt in diesem Jahr die erste XL Figur. Diese wird dann auch in der Lage sein, mobile Konsolen sowie Tablets zu halten und zu laden.

IGM: Wie stark seid ihr eigentlich in vertrieblicher Hinsicht noch im Indie-Games-Geschäft aktiv?

Biehl: Im Software Bereich haben wir sehr viele Indie Titel im Sortiment, dieses Segment ist bei uns sehr wichtig. Wobei die Definition der Indie-Games immer schwieriger wird.

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    Ohne die entsprechende Marke gibt es auch keine Fan-Kultur
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IGM: In einem früheren IGM-Interview sagtest Du, dass euch vor allem das Jahr 2014 gezeigt habe, "wohin der Weg führen kann und welche Abzweigungen man besser nicht nehmen sollte." Habt ihr rückblickend den richtigen Weg eingeschlagen?

Biehl: Wir haben auf jeden Fall den richtigen Weg eingeschlagen. Wir haben uns sehr früh auf das geänderte Umfeld eingestellt und unser Angebot derart diversifiziert, dass es uns immer möglich sein wird, auf Änderungen kurzfristig zu reagieren. Natürlich machen wir auch Fehler, aber das gehört zum Lernprozess dazu.

IGM: Abschließend: Sprechen wir in 5 Jahren noch über PC- und Konsolenspiele im stationären Handel?

Biehl: Davon bis ich felsenfest überzeugt. (ho)