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Magazin: interview

"Wir lieben deutsche Gamer, weil sie die Technik verstehen"

Der Peripheral-Markt ist hart umkämpft. Die dänische Firma SteelSeries mischt seit nunmehr 18 Jahren im Rennen um das beste Gaming-Zubehör mit. CEO Ehtisham Rabbani über Spielernachwuchs, Flugzeugträger und E-Sport-Sponsoring.
IGM: Mr. Rabbani, was sind für Sie die größten Trends im Peripheral-Markt?

Ehtisham Rabbani: Das wirklich Interessante am Peripheral-Markt ist: Es handelt sich um eine der wenigen Märkte, die jedes Jahr um 15 bis 20 Prozent wachsen. Und den Prognosen zufolge wird es auch in dieser Größenordnung weitergehen. Ich glaube nicht, dass es derzeit viele Konsumgüter und Konsumkategorien gibt, die von sich behaupten können, jährlich mit über 15 Prozent zu wachsen. Für das Wachstum des Marktes gibt es mehrere Gründe. Erstens wird Gaming wirklich plattformübergreifend. Man hat ein komplettes Ökosystem mit Mobilgeräten, Konsolen, Desktops und Laptops. Zweitens erleben wir, dass eine große Menge junger Spieler in den Markt strömt. Mobile-Versionen von Spielen wie Fortnite und PUBG haben viele neue Spieler angelockt. Sie kommen auf den Gaming-Geschmack und wollen dann auch auf Konsolen und Desktop-PC spielen, wollen die komplette Cross-Platform-Erfahrung. Wie Sie sich vorstellen können, ist das aus Sicht eines Peripheral-Herstellers eine sehr gute Nachricht. Denn wir sind in der Lage, Gaming auf jeder einzelnen Plattform zu verbessern, ganz egal, was Sie spielen. Das ist momentan der wichtigste Trend, glaube ich.

IGM: Was sind Ihre derzeit wichtigsten Produkte?

Rabbani: Wir konzentrieren uns stark auf unser Audio-Lineup. Ich denke, dass wir aber auch tolle Mäuse  und Controller produzieren. Bei unserem Keyboards haben wir noch einiges an Arbeit vor uns. Über Audio rede ich aus einem ganz bestimmten Grund: Es gibt zwei Kategorien, die wirklich cross-platform sind.  Audio ist bei weitem das größte Thema. Egal, auf welchem Gerät man spielt – man braucht dafür ein ausgezeichnetes Gaming-Headset. Das andere große Thema – das im übrigen immer wichtiger wird – sind Controller. Wie Sie wissen, gibt es Controller für Mobile, und natürlich spielt man mit Controllern auf der Konsole. Einen großen Trend sehen wir bei Controllern für den PC. Bei den Headsets arbeiten wir sehr hart an Arctis. Kennen Sie die?

IGM: Ich habe noch keines davon ausprobiert...

Rabbani: Das müssen wir ändern! Die Arctis-Produktlinie hat bereits zum zweiten Mal den iF Award in Gold gewonnen. Die Arctis-Produktlinie hat bereits zum zweiten Mal den iF Award in Gold gewonnen. Arctis hat die Auffassung davon, was ein Gaming-Headset können sollte, komplett verändert. Wir wollten einen Headset produzieren, das nicht wie ein Spielzeug aussieht – das nicht wie ein stereotypisches Gaming-Headset aussieht. Das war das eine. Wir wollten ein Headset erschaffen, das man unterwegs tragen konnte, ohne sich gleich als Geek zu fühlen. Was aber noch viel wichtiger ist: Es bietet Innovationen beim Komfort, beim Sound und beim Mikrofon. In allen drei Bereichen haben wir weltweit einzigartige Innovationen erbracht. Das ist einer der Gründe dafür, dass Arctis das am schnellsten wachsende Gaming-Headset-Lineup der Welt ist – und das mit den meisten Auszeichnungen. Bis jetzt haben wir damit mehr als 50 Awards gewonnen. Sie können sich also denken, dass mich die Headsets in unserem Lineup am meisten begeistern.

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Wir sind in
der Lage,
Gaming auf jeder einzelnen Plattform
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IGM: Sie haben über Innovationen in verschiedenen Bereichen gesprochen. Können Sie uns ein paar Beispiele für die wichtigsten Fortschritte nennen?

Rabbani: Selbstverständlich! Ich werde Ihnen ein paar Beispiele geben. Unser Ziel war ein Mikrofon für Gaming, dass auch in sehr lauten Umgebungen toll funktionieren sollte. Wir haben uns also außerhalb des Gaming nach der lautestmöglichen Umgebung umgeschaut. Dabei kamen wir auf Flugzeugträger. Wenn Sie jemals auf dem Deck eines Flugzeugträgers waren, wissen Sie, wie wahnsinnig laut das mit den ganzen Flugzeugen ist. Wir haben also untersucht, welche Mikrofon-Bestandteile in der Kommunikation auf Flugzeugträgern verwendet werden. Und diesen Bestandteil haben wir dann in den Arctis-Kopfhörer eingebaut. Mit unserer Clearcast-Mic-Technology können Sie sich in einer wahnsinnig lauten Umgebung befinden – und Ihre Team-Mitglieder verstehen Sie trotzdem einwandfrei. Wissen Sie, in den Straßen von Chicago ist richtig viel los. Ich gehe täglich zu Fuß von zuhause zur Arbeit, das dauert ungefähr 20 Minuten. Dabei habe ich mein Arctis-Headset auf und das Mikrofon aktiviert – aber meine Gesprächspartner merken nicht, dass ich gerade durch die Straßen von Chicago laufe. Das ist also eine unserer Innovationen.

IGM: Welche gibt es noch?

Rabbani: Eine weitere Innovation ist das Material, das wir verwenden. Für die Ohrpolster suchten wir nach einem Material, das über 12 bis 15 Stunden Gaming hinweg komfortabel und feuchtigkeitsresistent bleibt. Wir schauten uns erneut nach einer Inspirationsquelle für die Materialien um. Wir haben uns Athleten angeschaut, Ski-Langläufer… also Leute, die sich wirklich verausgaben. Und deren Materialien haben wir dann ins Gaming übernommen. Damit haben Sie die komfortabelsten, widerstandsfähigsten Materialien in diesem Headset. Für mich ist das die Zukunft: Innovationen aus der Welt, die uns umgibt, ins Gaming zu bringen – und nicht nur mit Scheuklappen auf das Gaming zu schauen.

IGM: Der Markt für Peripherals ist hart umkämpft. Wie lange dauert es im Durchschnitt, ein neues Peripheral zu entwickeln?

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Innovationen
aus der Welt, die uns umgibt, ins Gaming bringen
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Rabbani: Für eine völlig neue Plattform benötigen wir ungefähr zwei Jahre. Mit Arctis haben wir zwei Jahre vor dem Launch begonnen. Denn man muss buchstäblich alles erfinden. Außerdem arbeiten wir, wenn wir neue Plattformen erfinden, sehr eng mit E-Sport-Profis und professionellen Streamern zusammen – und wir wollen ständigen Input von beiden. Wirklich cool an SteelSeries ist, dass wir hier alle Gamer sind! Jeder in der Firma nimmt die Produkte kritisch unter die Lupe, die wir entwickeln. Aber wir holen auch Leute von außen dazu. Kennen Sie übrigens die Geschichte von SteelSeries?

IGM: Falls ich mich nicht irre, haben Sie mit Mouse-Pads angefangen...

Rabbani: Ja, genau. Die Firma wurde 2001 in Dänemark gegründet. Unser Gründer Jacob Wolff-Petersen betreute ein E-Sports-Team. 2001 kannte noch niemand E-Sports, nicht wahr? Aber es gab schon damals diese Gruppen junger Spieler, die um die Welt reisten und miteinander im Wettbewerb standen. Das Team erzählte Jacob von einem Problem, das sie mit ihren Mäusen hatten. Jacob ist ein richtig schlauer Typ, und er erschuf die Ice Mat. Tatsächlich gewann das erste Team, das die Ice Mat benutzte, seinen Wettbewerb sehr überzeugend. Das sprach sich herum, und die Leute wollten Ice Mats. Also begann SteelSeries damit, diese bei Wettbewerben zu verkaufen. Die Firma wuchs Schritt für Schritt. Und jetzt sind wir hier angekommen, 18 Jahre später – und konzentrieren uns immer noch zu 100 Prozent auf Produkte, die für alle Gamer toll sind, aber E-Sports-Profis beim Siegen helfen. Für uns ist das der Stress-Test: Die Frage, ob das Produkt einen E-Sports-Profi besser macht.

IGM: Apropos E-Sports: Wo liegen da derzeit Ihre größten Investitionen?

Rabbani: Unsere Partnerschaft mit FaZe ist die größte. Wir arbeiten sehr eng mit ihnen über mehrere Sportarten hinweg zusammen. Insgesamt haben wir rund 15 weitere E-Sports-Sponsorings. Unser Fokus liegt aber – ganz ehrlich – mehr auf aufstrebenden Teams, auf Leuten, die noch keinen großen Sponsor gefunden haben. Wir wollen ihnen helfen, groß zu werden. Unser größtes derzeitiges Investment liegt folglich darin, weltweit Teams auszurüsten, so dass sie gewissermaßen die nächsten FaZe werden.

IGM: Wie haben Battle-Royale-Games wie Fortnite oder PUBG Ihr Business gefördert?

Rabbani: Battle Royale hat dem Peripheral-Geschäft sehr gut getan. Es hat eine Menge neuer, junger Gamer angelockt, die nun ein Headset, eine Gaming-Mouse und ein Gaming-Keyboard wollen. Für uns ist das richtig gut. Und natürlich gibt Apex Legends Battle Royale jetzt einen zusätzlichen Schub. Wir sehen einen starken Zusammenhang zwischen dem Marktstart großer Games und dem Verkauf von Peripherals.

IGM: Glauben Sie, dass es mit dem Battle-Royale-Hype so weitergeht?

Rabbani: Die Fragen wurde schon oft gestellt. Um die zu beantworten, gehe ich zurück auf Spiele wie League of Legends. Wie alt ist das jetzt, zehn Jahre? Oder auf Counter-Strike, das noch älter ist. All diese Spiele, wie etwa auch Call of Duty, leben immer weiter! Sie wandeln sich und entwickeln sich weiter, aber der Lebenszyklus ist großartig. Mich würde also nicht überraschen, wenn das Battle-Royale-Genre und einige der derzeitigen Hits noch eine ganze Weile dabei bleiben werden.

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Battle Royale
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IGM: Welcher regionale Markt ist für sie derzeit der wichtigste?

Rabbani: Na, im Moment bin ich gerade in Deutschland (lacht). Deutschland ist für uns super-super-wichtig. Das ist ein Markt, auf dem wir 2018 sehr stark gewachsen sind. Hier bieten sich uns so viele Chancen! Wahrscheinlich stammen einige der leidenschaftlichsten Gamer der Welt aus Deutschland. Und wir lieben deutsche Gamer, weil sie die Technik verstehen. Sie wollen herausfinden, was unter der Motorhaube abläuft: Was sind die Komponenten? Wie kann ich mich damit verbessern? Genau so denken wir auch! Deutschland ist für uns also äußerst wichtig, und ich werde – während ich hier bin – viel mit Kunden und Konsumenten sprechen.

IGM: Was ist der größte Unterschied zu den anderen europäischen Teilmärkten?

Rabbani: Jeder Markt ist natürlich einzigartig, und Spieler sind in jedem Land anders. Ich glaube, deutsche Gamer verstehen Technik sehr gut und durchschauen BS ziemlich schnell. Wir mögen das, weil es da draußen eine Menge BS gibt. Wir sind stolz darauf, echte Technologie und Innovation in den Markt zu tragen. Ich spreche hier gerne über eine Sache, die nicht wirklich bekannt ist: Das erste Gaming-Headset überhaupt stammte von SteelSeries. Das erste mechanische Keyboard für Gamer stammte von SteelSeries. Die erste Mouse mit On-Board-Prozessor war ein SteelSeries-Produkt. Der erste iOS-Controller kam von SteelSeries… ich könnte ungefähr 20 Minuten lang so weitermachen. Wissen Sie, echte Innovation ist etwas, das deutsche Spieler respektieren und honorieren. Deshalb wachsen wir – und deshalb sind wir so von Deutschland begeistert.

IGM: Wie wichtig ist der stationäre Handel im Vergleich zu Online-Stores, wenn es um die Präsentation Ihrer Produkte geht?

Rabbani: Ich denke, sie spielen beide eine Rolle. Der stationäre Handel kann hilfreich sein, wenn Leute etwas über deine Marke erfahren wollen, wenn sie die Produkte anfassen und ein Gefühl für die Marke entwickeln wollen. Aber im digitalen Raum hat man die Möglichkeit, viele Informationen zu erhalten, das gesamte Lineup zu sehen. Beide Bereiche erfüllen ihre jeweilige Funktion.

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Der stationäre Handel kann hilfreich sein
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IGM: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Umwälzungen, die die Games-Industrie derzeit erlebt?

Rabbani: Eine Sache, die natürlich in der Industrie passieren wird, ist Konsolidierung. Es gibt Firmen, die andere Firmen kaufen und dadurch noch größer werden. Das ist ein Industrietrend. Wir sind schon seit einer ganzen Weile ein unabhängiges Unternehmen. Wenn ich mir unsere Konkurrenten anschaue, sind die alle wesentlich größer als wir. Weltweit sind wir der drittgrößte Hersteller von Peripherals. Wir sind wirklich stolz darauf, dass wir uns als kleine, unabhängige Firma so viel besser schlagen als viele unserer größeren Mitbewerber. Das motiviert uns noch zusätzlich!

IGM: Es geht also darum, schlank und flexibel zu bleiben...

Rabbani: Wir sind wie ein Startup. Jeder in unserer Firma hat ungefähr 20 verschiedene Jobs – und wir lieben das. Bei uns spüren Sie eine Leidenschaft, die Sie an anderen Orten vielleicht nicht vorfinden.

IGM: Was sind die nächsten Schritte für Ihre Firma?

Rabbani: Unser Ziel ist, weltweit die Nummer eins unter den Peripheral-Produzenten zu werden. Wir wissen: Wenn wir das erreichen wollen, müssen wir noch härter arbeiten – wir müssen die Bedürfnisse der Spieler besser bedienen als jeder andere. Über die kommenden Monate hinweg werden Sie also neue Produktneuheiten erleben, die dem Markt Innovationen bringen. Das ist unsere Visitenkarte: Die Bedürfnisse der Gamer zu verstehen – und dann herauszufinden, wie wir die Technologie einsetzen, die zuvor noch niemand genutzt hat. Und damit die Bedürfnisse noch besser zu bedienen. (Achim Fehrenbach)