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Magazin: story

Copyright Basis-Bild: fascinadora/stock.adobe.com
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2018

Große Spiele, kleine Spiele, neue Spiele für alte Konsolen-Klassiker und Revolverhelden im Wilden Open-World-Westen: Das wünschen sich deutsche Chefredakteure für das Gaming-Jahr 2018.
2017 haben wir fast hinter uns. Und obwohl uns während der kommenden Wochen vor allem die Debatte um Mikro-Transaktionen im Gedächtnis bleiben dürfte, war das auslaufende Daddel-Jahr gar nicht übel: Hits wie "Horizon: Zero Dawn", "Prey", "Wolfenstein 2" und "Assassin's Creed Origins" brachten Konsolen und PC zum Glühen. Außerdem haben mit Switch und Xbox One X gleich zwei neue Geräte ihren Platz in Zocker-Stube bzw. Rucksack beansprucht. Und wurde erst vor wenigen Tagen bekannt, dass der Krisenfall Ubisoft-Vivendi vorerst ausbleibt: Es kann wie gewohnt weiter gehen im Lande von "Assassin's Creed", "Far Cry" & Co.

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Bitte schnell
her damit!
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Welten-Erforscher
Eigentlich eine schöne Ausgangslage fürs kommende Jahr. Findet auch Webedias Chefredaktions-Mitglied Markus Schwerdtel, der sich "als alter Open-Worldler" besonders auf "Far Cry 5" freut. "Nach dem sehr guten "Assassin's Creed Origins" bin ich guter Hoffnung, dass Ubisoft auch hier die richtige Balance zwischen Formelhaftigkeit und Freiheit findet. Und dann wären da natürlich noch "Anno 1800" und "Kingdom Come: Deliverance". Außerdem bin ich sehr neugierig, wie es mit "Star Citizen" weitergeht – dem vielleicht ambitioniertesten Spiele-Projekt des Jahrzehnts".

Spieletipps-Chefredakteur Markus Rehmann wiederum findet ganz oben auf seiner Wunschliste Rockstars Action-Western "Red Dead Redemption 2". "Aber das ist vermutlich bei fast jedem so, keine große Überraschung also", meint Rehmann. "Überrascht hat mich dagegen die Präsentation von "Days Gone" auf der diesjährigen E3. Dachte ich vorher noch "Bitte nicht noch ein Zombie-Game", muss ich jetzt aufgrund der packenden Atmosphäre und des recht ausgefuchsten Open-World-Prinzips doch sagen: "Bitte schnell her damit!" Seit der Messe bin ich außerdem heiß auf "A Way Out". Das wird zwar eher ein Appetithappen für zwischendurch, aber als großer Fan von Knastgeschichten, Koop-Spielen und dem guten, alten Couch-Multiplayer bin ich doch sehr gespannt, was uns EA hier kredenzt. Klingt für mich außerdem nach einem mutigen Ansatz, derart kompromisslos auf zwei Spieler zu setzen. Zusätzlich hoffe ich mal recht blauäugig auf ein paar ehrgeizige VR-Titel, die das Thema mit unkonventionellen Ideen auf die nächste Ebene hieven und die Grenzen der Virtuellen Realität ausloten. VR darf nicht schon wieder sterben! Und wenn ich schon bei gewagten Wünschen bin: Angestoßen von der ganzen Diskussion um die deutsche Version von "Wolfenstein 2" wäre es doch prima, wenn wir 2018 endlich soweit kommen würden, Spiele dem Film gleichzustellen. Und ihnen die damit einhergehenden künstlerischen Freiheiten zuzugestehen."

Mein jährlich "Fallout"
Auch WASD-Herausgeber Christian Schiffer hat einen "unrealistischen" Wunsch: "Ich wünsche mir ein neues "Fallout"! Ich weiß natürlich, dass das Quatsch ist, aber ich bin so ein fanatischer Fan, dass ich mir immer und überall und quasi jedes Jahr ein neues "Fallout" wünsche! Aber da das wohl nichts wird, hoffe ich zumindest, dass das grandiose "Divinity: Original Sins 2" einen Trend losbricht und wir wieder mehr Rollenspiele sehen, die diese Bezeichnung auch wirklich verdienen." Gronkh-Chefredakteur Joachim Hesse ist vor allem auf Quantic Dreams Interactive Movie "Detroit" gespannt. "Sollte das Spiel die Atmosphäre der inoffiziellen Vorgänger "Heavy Rain" und "Beyond" einfangen", bekommt mich vom Fernseher keiner mehr weg. Im Retro- und Indie-Bereich haben es mir das "Streets of Rage"-ähnliche "Paprium" und der Horizontal-Shooter "Antarex" angetan, die beide als Cartridges für das Mega Drive erscheinen. Und falls Ubisoft hier mitliest: Ein von mir bereits mehrfach geforderter Nachfolger zu Eurem Hüpfspiel "Rayman Legends" würde natürlich ALLES in den Schatten stellen – kommt mal in die Puschen! Wie lange soll ich Euch noch anflehen?"

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Hab ich mehr
Bock drauf als auf ein neues GTA
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"Auf der Spiele-Seite freue ich mich persönlich auf "Anthem", "Biomutant", "Ni No Kuni 2" und "Detroit: Become Human", verrät uns Giga-Games-Frontmann Stephan Otto. Für vergleichsweise überschaubar hält dagegen Gameswelt-Portalleiter Andreas Philipp seine Wunschliste: "Ganz weit oben steht bei mir "Kingdom Come: Deliverance". Ein authentisches Mittelalter-Rollenspiel ganz ohne Drachen oder Magie hatten wir ewig nicht. Ich beäuge das Projekt schon eine ganze Weile und bin extrem gespannt, ob aus dem ursprünglichen Crowdfunding-Titel wirklich ein gutes Spiel wird. Ansonsten bin ich auf "Metro Exodus" gespannt, denn ich fand schon die letzten beiden Titel gerade atmosphärisch richtig toll und bin ohnehin ein Fan osteuropäischer Entwickler. Naja "Red Dead Redemption 2" schließt mein Most-Wanted-Trio ab. Da habe ich einfach Bock drauf, mehr als auf ein neues GTA."

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Loot-Boxen
sollen im nächsten Straßengraben krepieren
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Vollpreis ohne Fallestricke, bitte!
So richtig wünscht sich Philipp aber "die Rückkehr zum Vollpreisspiel, ohne nach Release weitere Inhalte gegen Bargeld angedreht zu bekommen." Und weiter: "Erst DLCs, nun Loot-Boxen. Es gibt immer mehr Versuche, den Spielern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Meine Hoffnung, dass sich dieser Trend in Luft auflöst, ist aber gering – leider werden diese Angebote vom Markt offenbar so stark genutzt, dass es sich für die Publisher rechnet. Die leidige Diskussion, dass sich Singleplayer-Spiele nicht lohnen, sollte auch mal vom Tisch. Titel wie "Skyrim", "Witcher 3" oder jetzt "Assassin's Creed Origins" zeigen doch eigentlich, dass es noch immer einen starken Markt dafür gibt."

Ganz ähnlich sieht das Markus Rehmann: "Diese ganze Loot-Box- und "Games as a service"-Thematik finde ich schon etwas bedenklich. Nicht nur, weil damit oftmals freche und zum Glücksspiel tendierende Abzocke einhergeht, sondern auch, weil ich fürchte, dass die Spiele-Vielfalt darunter leidet. Nicht jedes Spielprinzip eignet sich für dieses Geschäftsmodell – und wenn es sich weiter breit macht, müssen wir in Zukunft vielleicht auf so manch aufwändig produziertes Singleplayer-Game verzichten. Zumindest aber werden viele Spiele unnötig in die Länge gezogen und mit Features zugekleistert, auf die kein Mensch gewartet hat."
Deutlich härter bringt es Christian Schiffer auf den Punkt: "Wenn es sich einrichten lässt, sollen Lootboxen bitte im nächsten Straßengraben krepieren", verrät uns der WASD-Chef mit geradezu entwaffnender Ehrlichkeit.

Den Bogen nicht überspannen
M!Games-Chefredakteur Oliver Schultes betrachtet den Trend ebenfalls mit Sorge: "Die Software-Hersteller sollten hier Vorsicht walten lassen und den Mikro-Transaktions-Bogen nicht überspannen. Ich bin auch überzeugt, dass die Kunden so eine Abzocke bestrafen. Es rumort diesbezüglich sowieso schon an allen Ecken und Enden der Gaming-Community." Doch obwohl Schultes die Echtgeld-Problematik gerade im Konsolen-Bereich kritisch sieht, glaubt er, dass hier "Sony aufgrund bärenstarker Exklusiv-Software weiter vorneweg marschieren und den Abstand zu Microsoft deutlich ausbauen" wird. "Microsoft hat mit der Xbox One X zwar die stärkste Hardware in petto, aber noch keine exklusiven Spiele, welche die Vorteile gegenüber der PS4 Pro auch wirklich zeigen", erklärt er uns. "Nintendos Spiele-überall-Konzept wiederum geht voll auf – die Kunden haben die Vorteile der Mitnehm-Konsole kapiert und akzeptieren dabei sogar eine im Vergleich zu PS4 und Xbox geringere Leistung. Die Switch ist die perfekte Zweitkonsole mit hervorragenden Exklusiv-Games."

Auch Christian Schiffer glaubt, dass Sony dominant bleiben wird. "Die Xbox One X wird Microsofts Konsolen-Geschäft keine neuen Impulse geben können", vermutet er. "Die Switch dagegen wird Nintendo weiterhin gutes Geld einbringen. Und ich kann mir auch vorstellen, dass die Plattform für Drittanbieter immer interessanter wird." "Ja, Nintendo macht gerade vieles richtig", schließt sich Andreas Philipp an. "Wenn da weiterhin so viele starke Titel kommen, gibt es keinen Grund, warum das System nicht weiter aufblühen sollte. Auch wenn es auf Third-Party-Seite immer noch ein wenig mau aussieht."

Voll retro
Was aber ist mit kleinen Konsolen-Randprojekten wie z.B. der auf Indie-Kost gebürsteten "Atari-Box"? Werden die eine Nische besetzen können? Haben diese Geräte überhaupt noch eine Existenzberechtigung? "Ich glaube nicht, dass eine Atari-Box oder ein C64 Mini ähnlich erfolgreich sein könnten wie ein Super Nintendo Mini", schätzt Oliver Schultes. "Einen Achtungserfolg traue ich den kleinen Retro-Kästen aber zu: Sie sind "Plug'n'Play", in der Regel hübsch gemacht und versprühen wohliges "Gute alte Zeiten"-Gefühl."

Auch Joachim Hesse vermutet hier eine gewisse "Nischen-Tauglichkeit", stellt sich aber zugleich die Frage: "Wie groß fallen diese Nischen wohl aus? Braucht die Welt wirklich eine neue Atari-Konsole? Bislang wirkt das eher halbherzig auf mich, ich bin nicht überzeugt. Da wirken Projekte im Stil eines Raspberry Pi langfristig interessanter." Stephan Otto von Giga wiederum glaubt, dass es "genug Liebhaber gibt, die sich daran erfreuen". "Natürlich würde sich ein Casual-Gamer keinen C64 Mini holen – mein Vater dagegen schon, weil er damit aufgewachsen ist. Diese Konsolen bedienen ja ein Nostalgie-Gefühl."

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Nintendo
macht gerade vieles richtig
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Games as A-A-A service
Also erwarten uns für das kommende Jahr vermutlich ähnliche Kräfte-Verhältnisse wie 2017. Aber was kommt sonst noch auf uns zu? "Ich erwarte ein weiteres Zusammenwachsen des Blockbuster- und des "Games as a service"-Modells", verrät Markus Schwerdtel. "Es gibt ja schon jetzt kaum noch AAA-Titel, die keine entsprechende Komponente aufweisen – seien das nun DLCs und Season-Pässe, Staffeln bei Multiplayer-Titeln oder eben Loot-Boxen für was auch immer. Der reine Singleplayer-Titel zum Bezahlen und einmaligen Durchspielen wird 2018 auf jeden Fall noch seltener."

"Ein Stück weit ist das ja auch nachvollziehbar", gibt Markus Rehmann zu bedenken. "In Zeiten, in denen Spiele zwei- oder dreistellige Millionenbeträge verschlingen, müssen Hersteller nun mal neue Wege finden, um auf ihre Kosten zu kommen. Bleibt nur zu hoffen, dass sie sich nach diversen Skandälchen wie bei "Schatten des Krieges" oder "Battlefront 2" künftig mehr auf den Aspekt "Service" konzentrieren, und weniger auf plumpes Melken der Spieler."

Stimmt, Service ist gut, Melken weniger. Wirklich besorgniserregend ist dabei allerdings, dass der zunehmend inflationäre Gebrauch dieser Mechanismen für eine neue Form von Realitäts-Verlust zu stehen scheint – Taubheit für das, was der Kunde wirklich will. Sollte es dagegen nicht mehr ohne gehen, weil sich das mit Groß-Produktionen verbundene Risiko nicht mehr anders abfedern lässt, dann ist es vielleicht an der Zeit, das Modell "Blockbuster" ein wenig "gesund zu schrumpfen". Meint auch Andreas Philipp: "Vielleicht sollte man einfach mal bessere Spiele produzieren statt immer wieder den Tod des Singleplayer-Spiels heraufzubeschwören. Etwas kleiner dimensionierte Games wären auch nicht übel. Es muss nicht immer alles Open World mit Elementen aus allen Genres sein." Also: Im kommenden Jahr darf es auch ruhig mal wieder etwas kleiner sein – umso mehr freuen wir uns dann auf die ganz besonders dicken Brummer. Und umso mehr Spieler wieder das Gefühl bekommen, dass sich die großen Hersteller ebenso für den Erhalt der Spiele-Kultur wie für ihren Profit einsetzen, desto verständnisvoller werden sie vielleicht. Titel wie "A Way Out", ein "Kingdom Come: Deliverance" oder "Metro Exodus" sind der richtige Weg – Mikro-Transaktionen für das von so vielen Kollegen herbeigesehnte "Red Dead Redemption 2" eher weniger.

Denn das wünschen wir für uns für 2018 bei IGM ganz besonders: Eine gesunde Branche, in der jeder respektvoll mit dem anderen umgeht – den Rest überlassen wir lieber der Politik. (rb)