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Magazin: story

Abpfiff vor dem Anstoß?

Freizeitbeschäftigungen und Zerstreuung für die Massen gab‘s zu jeder Zeit: Die Maya frönten dem antiken Ballspiel „POK TA POK“, die Azteken „Ullamalizitli“. Die Römer wiederum haben Gladiatoren aufeinander gehetzt oder den Christen dabei zugesehen, wie sie von Löwen zerfleischt wurden. Heute halten wir es – schon im Interesse des Jugendschutzes und der Sendezeiten – etwas zivilisierter: Wir zelebrieren den Fußball, und idealerweise werden die „Gladiatoren“ hier nicht von wilden Tieren, sondern nur von den Medien zerfleischt. McDonald‘s, Carlsberg und Coca-Cola sind auch mit dabei. Aber wo ist die Games-Branche? Wo sind EA, Konami, Ubisoft & Co.?

Fußball bis der Arzt kommtAbseits von Naturkatastrophen, Krieg, Terror und dem Eurovision-Song-Contest scheint die Menschheit nichts so sehr zu faszinieren wie weltumspannende Sport-Ereignisse: Kaum wird ein derartiges, mehrwöchiges Medienspektakel angepfiffen, vollzieht sich beim Gros der Bevölkerung ein radikaler Wandel, mutieren selbst ausgesprochene Sportmuffel zu grölenden und kostümierten (oder auch mal nackigen) Fußballnarren in voller Kriegsbemalung. Konamis „PES 2012“ Darf trotz UEFA-Lizenz nicht bei der EM mitmachen: Konamis „PES 2012“

Und obwohl es auch hier Spielverderber gibt, die sich nicht am allgemeinen Hupkonzert beteiligen, nicht ins Gegröle beim Public-Viewing einstimmen oder (mit zwei Kästen Bier) der eigenen Mannschaft zuprosten, befindet sich fast die gesamte westliche Hemisphäre im Fußball-Fieber. Vom großen Sammelkartenhersteller bis zum kleinen Würstchenverkäufer im Stadion bemüht sich jeder darum, während der mauen Sommermonate so gut wie möglich vom Spektakel zu profitieren und huckepack ein bisschen Geld zu verdienen. Aber was ist mit den Herren Games-Publishern?

Allem Anschein nach sitzen sie dann wie wir Journalisten vor der Glotze, aber um Fußball-affines Marketing kümmern sie sich nicht: Die Games-Branche verpasst das Spektakulum EM nicht nur, sie umgeht es geradezu!

EM ohne GamesWir haben nicht schlecht gestaunt, als Telefonat um Telefonat dasselbe Resultat offenbarte: Die EM 2012 ist für Spielehersteller kein Thema! Vor unserem Rundruf erschien es uns als das normalste der Welt, von einem derartigen Großereignis zu profitieren, indem man es durch gezielte Werbe- und PR-Maßnahmen flankiert. Und damit meinen wir längst nicht nur die offensichtlichste Art der Spiele-Werbung: Marketing während der EM sollte nicht nur für EA („FIFA“) und Konami („PES“), sondern für JEDEN Spielehersteller ein Thema sein, der zu diesem Zeitpunkt ein starkes Produkt veröffentlicht oder eine prominente Marke pflegen will. Den Hardware-Herstellern sollte das ein noch dringlicheres Anliegen sein als den Drittanbietern. Dachten wir.

„Umgeht die EM 2012 buchstäblich: Die Games-Branche“

Und was könnte man passend zum EM-Ereignis aufbieten? Einen „Hitman“, der mit dem Scharfschützengewehr Bälle wegpustet? Oder Tom-Clancy-Ghosts, die zwischen der Ballerei für ein kleines Match unter „Freunden“ pausieren? Merken Sie was? Ja, das klingt ganz schön affig, und ist deshalb einer von vielen Gründen, warum die Kombi aus Games und EM problembehaftet ist. Bei Joghurt und probiotischen Kulturen funktioniert das schon etwas besser: Die sind lecker und geben Kraft.

Abgesehen davon, dass sich zumindest solche Spiele nur schwer „fußballisch“ kommunizieren lassen, die mit dem Sport nichts zu tun haben, sind aber auch die beiden Zielgruppen für sich ein Problem: Viele Gamer können Fußball nicht ausstehen, während ausgesprochene Kicker-Fans für ein „Ghost Recon“ oder „Hitman“ nach dem Anpfiff keinen Kopf mehr haben. Selbst dann nicht, wenn sie vor bzw. nach der EM auch gerne mal zum Joypad greifen, um statt leder- lieber bleihaltige Kopfschüsse zu verteilen. Grund genug für die meisten angesprochenen Publisher, die EM großflächig zu umgehen: „Dann sieht jeder nur Fußball, alles andere interessiert nicht mehr,“ war die einhellige Aussage.