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Magazin: story

Alles eine Frage der Technik

Die Firma Conrad Electronic ist der Methusalem unter den Elektronikmärkten: Gegründet wurde sie bereits 1923. Das Alter hat dem Familienunternehmen allerdings nicht geschadet: Heute zählt conrad.de zu den zehn meistbesuchten Internet-Shops in Deutschland. Doch was verstehen die Technik-Spezialisten vom Thema Games?

Er ist so etwas wie die Bibel für Bastler: der „Hauptkatalog“ von Conrad Electronic. Vom Umfang her nimmt es das kiloschwere Kompendium locker mit dem Telefonbuch einer Großstadt auf – wer sich daran keinen Bruch heben will, kann auch die 173 MB große pdf-Datei herunterladen. Der aktuelle Hauptkatalog hat 1404 Seiten und präsentiert 50.000 Artikel, darunter 8.000 Neuheiten – das Sortiment reicht vom iPad bis zur Schraube, von der E-Gitarre bis zur Heimautomation-Komplettlösung. Wer noch tiefer einsteigen möchte, darf auch gerne die Kataloge für Modellbau, Modellbahnen, Sicherheitstechnik, Werkzeug oder „Sound & Light“ downloaden – alle zwischen 180 und 1424 Seiten stark.

Was man in den Katalogen allerdings nicht findet, sind Games, Konsolen und Zubehör. Was auch nicht weiter verwundert, weil die Dynamik des Spielemarkts jeden Jahreskatalog schnell ganz schön alt aussehen lassen würde. Stattdessen werden wir auf conrad.de fündig: Unter dem Menüpunkt „Multimedia“ gibt es eine Rubrik „Gaming & Spielkonsolen“, die exakt 2348 Produkte auflistet. In der Mittelspalte der Rubrikseite stellt Conrad besonders beliebte und/oder günstige Gaming-Artikel vor: Das Wii U Basis Pack ist hier für 279 Euro zu haben, die PS Slim mit 12 GB kostet 199 Euro – beide Preise entsprechen denen von Amazon (Stand: 14. Januar). Ganz allgemein gibt sich Conrad sehr nüchtern und verzichtet auf jede Art von marktschreierischer Optik – das Unternehmen legt großen Wert auf Seriosität. „Ob Anwender, Bastler oder Freak: Wir liefern clevere Ideen und praktische Lösungen für jeden Technik-Einsatz – 24 h am Tag“, heißt es denn auch in der Eigenbeschreibung. Bei einem Gesamtsortiment von 350.000 bestellbaren Artikeln ist das sicher nicht zu hoch gegriffen.

Versand-PionierSeinen guten Ruf hat sich Conrad über einen langen Zeitraum erarbeitet. Bereits 1923 wurde das Familienunternehmen von Max Conrad in Berlin gegründet, nach dem Krieg baute Sohn Werner die neue Zentrale im oberpfälzischen Hirschau auf. 1951 eröffnete das erste große Elektronik-Kaufhaus, es folgten weitere Filialen, vor allem in Süddeutschland. Werner Conrad setzte früh auf den Versandhandel: 1977 wurden täglich bereits mehr als 1.000 Pakete verschickt, das Sortiment umfasste damals schon knapp 30.000 Artikel. 1995 baute Conrad im oberpfälzischen Wernberg-Köblitz eines der modernsten Logistik-Zentren Europas, das im Jahr 2012 nochmals erweitert wurde. Neben dem Versandgeschäft betreibt die Firma deutschlandweit 25 Filialen; weitere Niederlassungen gibt es in Österreich (6), der Schweiz (2), Polen (2) und Frankreich (1). Jährlich versendet Conrad rund 7,2 Millionen Lieferungen (120 Millionen Artikel) in mehr als 150 Länder, die maximale Versandkapazität liegt bei 50.000 Paketen pro Tag. Derzeit hat das Unternehmen weltweit mehr als 3.900 Mitarbeiter.

350.000 Artikel im Sortiment

In Sachen Cross Channel Retailing kann Conrad also bereits auf lange Erfahrung bauen. Die nahtlose Verzahnung von stationärem und Online-Handel ist für viele Unternehmen eine große Herausforderung, oft knirscht es dabei noch mächtig im Getriebe. Bei einer Untersuchung des US-Marktforschers Ebeltoft schnitt Conrad im Juni 2012 als Deutschlands „Cross Channel Champion“ ab – im weltweiten Vergleich der Elektronikkonzerne belegte das Unternehmen sogar den zweiten Rang hinter Best Buy. Kanalübergreifende Kompetenz beweisen Unternehmen laut Ebeltoft unter anderem dann, wenn Kunden ihre Online-Bestellungen problemlos in der Filiale abholen können, wenn Warenverfügbarkeiten online abrufbar sind und wenn Social Media gut in die Gesamtstrategie eingebunden sind.

Bastler und SpielerBei all den Vorschusslorbeeren drängt sich natürlich eine Frage auf: Wie relevant ist Conrad als Bezugsquelle für Games? Aus Sicht eines Bastlers ist es natürlich toll, wenn er sich jedes beliebige Elektronik-Ersatzteil binnen zweier Tage nach Hause liefern lassen kann – wenn es ganz eilig sein soll, sogar per Express noch am selben Tag. Warum aber sollten Spielefans bei Conrad einkaufen, wenn sie mit Fachhändlern, Flächenmärkten und anderen Online-Versandhändlern schon so viele Möglichkeiten haben? Die Versandkosten sind kein Vorteil gegenüber der Konkurrenz: Conrad berechnet eine Pauschale von 5,95 Euro – diese entfällt erst ab einem Bestellwert von 300 Euro oder dann, wenn der Kunde per Sofortüberweisung mehr als 20 Euro ausgibt. Für Spielefans schwerwiegender ist die Tatsache, dass Conrad sämtliche USK-18-Spiele aus dem Sortiment verbannt hat – Anlass war der Amoklauf von Erfurt im Jahre 2002.

Die Alterseinschränkung gilt im übrigen auch für den Verleih-Shop, den Conrad parallel zum Verkaufsgeschäft betreibt. Hier können nicht nur Filme, Software, Bücher und Hörbücher ausgeliehen werden, sondern auch Technikgeräte (z.B. Beamer), Brettspiele und Games.