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Magazin: story

Auf dem silbernen Tablett

Die Welt ist geschrumpft: Während sich auf den Dachböden gealterter Zocker tonnenweise Spiele-Boxen und massige Games-Rechner türmen, braucht der virtuelle Abenteurer von heute für die Aufbewahrung seines verspielten Universums nur noch Tasche bzw. Rucksack – zumindest theoretisch. Wagt man einen Blick in Metropolen wie Tokyo, dann erscheint diese Entwicklung extrem sinnvoll: Wer nicht mehr in Wohnungen, sondern in Waben haust, der hat für einen Großbild-TV keinen Platz. Glaubt man gern zitierten Branchen-Promis wie einem Cervat Yerli (Crytek) oder Michael „Ich analysiere alles“ Pachter, dann erleben wir gerade das Ende des klassischen Gaming- und den Anfang des Tablet-Zeitalters.

Aber sind die platzsparenden „Flachmänner“ wirklich so zukunftsträchtig? Immerhin vereinen sie die Vorzüge klassischer PCs mit denen einer portablen Spiele-Konsole, und auch als E-Reader für digitalisierten Lesegenuss sind sie gern gesehen. Um ihre Stärken und Schwächen besser abschätzen zu können, haben wir mit Profis aus dem Bereich Mobile-Publishing gesprochen. Vertraut man z.B. den iOs- und Android-Spezialisten Michaela Lehr bzw. Richard Brammer von Geil.Danke!, dann hat sich der Tablet-Markt sogar besser entwickelt als prognostiziert. Das kreative Duo bringt prominente Magazine wie den deutschen „Rolling Stone“ in den Appstore und hat mit „Digitales Publizieren für Tablets“ das hiesige Standard-Werk für digitales Zeitschriften-Publishing geschrieben, ist durch das Engagement für unterschiedliche Verleger von Spiele-Zeitschriften aber auch mit dem Games-Geschäft vertraut.

Sogar die beiden Tablet-Profis räumen ein, dass es in Deutschland um die Zahlungsbereitschaft für digitale Inhalte eher mager bestellt ist: „Zu wenige Deutsche sind bereit, für digitale Inhalte mehr als ein paar Cent auszugeben. Das ist ein klarer Widerspruch zu der Entwicklung in den USA oder anderen Europäischen Ländern. Und zu der Erkenntnis, dass der Wert eines Produktes meist weniger im Material, sondern eher in der kreativen Leistung steckt, ist man hier auch noch nicht gekommen. Das macht den Markt des digitalen Publizierens für viele Verlage noch unattraktiv, was zur Folge hat, dass diese für Tablets häufig nur Abfallprodukte Ihrer Print-Zeitschriften anbieten. So ein Produkt für fünf oder gar zehn Euro in den Appstore zu bringen, kann einen Leser natürlich nicht überzeugen. Deshalb sind wir zur Zeit in einer Art Teufelskreis gefangen“, glaubt Michaela Lehr zu wissen. Ihr Kollege Richard Brammer ergänzt: „Wir gehen aber davon aus, dass dieser Teufelskreis in den nächsten fünf Jahren durchbrochen wird. Dann werden digitale Inhalt hochwertiger sein und zu attraktiveren Preise angeboten. Natürlich werden die Tablets selber dann leistungsfähiger sein, vermutlich können viele Berechnungen künftig in der Cloud ausgeführt werden“.

„Der Mobil-Markt ist schon jetzt in zu viele Plattformen und Standards aufgebröselt“

Trotzdem glaubt man auch bei Geil.Danke! nicht an eine komplette Ablöse aktueller Modelle durch die Tablets: „Das gesamte Medienerlebnis auf Tablets wird dem, was wir heute von Desktops und Konsolen kennen, viel näher kommen. Das gilt besonders für Spiele aber auch Filme, interaktive Bücher, Magazine und Zeitungen. OnLive macht heute schon vor, was in dieser Richtung möglich ist. Die weniger komplizierte Bedienung und Benutzerführung – von der Inbetriebnahme des Geräts bis zum Medienerwerb – unterstützen die rasante Entwicklung von Tablets als Gaming-Device. Dennoch denke ich nicht, dass das Tablet in so kurzer Zeit einen vollwertigen PC oder Mac ersetzen wird.

Insbesondere für echte Vollblut-Computerspieler wird sich das Tablet wohl kaum zur Alternative entwickeln können. Insbesondere da, wo Profi-Gamer-Hardware oder Multiplayer-Komponenten wichtig sind“, so Brammer.