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Magazin: story

Auf der Suche nach Wii U

Am 30. November ist es soweit: Dann lässt Nintendo in Europa sein neues Flaggschiff Wii U vom Stapel. Mit Spannung blickt man allenthalben auf die Bespaßungsmaschine: Wird die Kombination aus Konsole und Tablet ein Erfolg, dürfte das für die gesamte Spielebranche Signalwirkung haben. Aber die Wii U will auch richtig kommuniziert werden: eine Herausforderung für Hersteller und Handel gleichermaßen.

Wenn es nach Nintendo-Chef Satoru Iwata geht, wird die Wii U sogar „wichtig für die Welt“. Der gute Herr Iwata mag für seine Formulierung ein wenig zu tief in die Schicksalskiste gegriffen zu haben – gleichwohl ist die Bedeutung der Wii U für Nintendo selbst kaum zu unterschätzen. 2011 hat der japanische Konzern zum ersten Mal seit 30 Geschäftsjahren einen Verlust eingefahren, und zwar mehr als satte 400 Millionen Euro. Nintendo ist also auf den Erfolg seiner neuen Konsole angewiesen, wenn es nicht noch tiefer in die roten Zahlen rutschen will. Ein Fehlstart der Wii U wäre für das Unternehmen zwar nicht fatal, aber doch sehr schwer zu verdauen.
Die Wii U ist ein beeindruckendes Stück Technik, keine Frage. Auch das Start-Lineup ist mit Titeln wie ZombiU, Rayman Legends und New Super Mario Bros. U vielversprechend bestückt. Der Erfolg der Konsole wird aber nicht zuletzt davon abhängen, ob Nintendo ihre Besonderheiten richtig kommuniziert. Dass dies nicht einfach ist, zeigte bereits die E3: Viele Messeberichten rückten die Tatsache in den Hintergrund, dass es sich bei der Wii U um eine gänzlich neue Konsole handelt – die Berichte vermittelten eher den Eindruck, das GamePad sei ein Zusatzgerät für das bestehende System. Eine inzwischen korrigierte Preview des Senders CNN begann mit der Frage, ob der Wii-U-Controller geeignet sei, „der alternden Wii-Konsole neues Leben einzuhauchen“. Auch Games-Kenner Jimmy Fallon hatte in seinem Late-Night-Talk sichtlich Mühe, die Wii U als eigenständige Konsole wahrzunehmen – und das, obwohl Reggie Fils-Aime höchstpersönlich sie im Studio vorführte. Oberflächliche Berichterstattung ist also nur ein Teil des Problems – das Konzept der Wii U selbst ist es, das sich nicht mal so im Vorbeigehen kommunizieren lässt. Glaubt man den Aussagen von Nintendo-Verantwortlichen, war sich der Konzern dieser Herausforderung allerdings schon früh vollauf bewusst.

„Die Wii U ist wichtig für die Welt“

Im Vergleich zur Wii sei die Wii U für Konsumenten „verwirrend“, räumte etwa Scott Moffitt ein, der bei Nintendo of America stellvertretender Marketingleiter ist. In Präsentationen lasse sich das Geschehen auf dem GamePad-Touchscreen nun mal nicht besonders gut vermitteln, so Moffitt. Nintendo hat allerdings auch selbst dazu beigetragen, die Kommunikationsprobleme rund um die Wii U zu verschärfen. „Wenn der Controller völlig im Mittelpunkt steht“, schreibt Brendan Sinclair von Gamespot, „dann erscheint die eigentliche Konsole wie eine Nebensächlichkeit.“

Hektischer TV-SpotVor diesem Hintergrund darf man gespannt sein, wie Nintendo die verbleibende Prelaunch-Phase nutzt: Um kommunikativ die Kurve zu kriegen, sind zweifellos noch einige Anstrengungen notwendig. In Deutschland hat Nintendo seine TV-Kampagne noch nicht gestartet (Stand: 28.10.), in Großbritannien läuft ein Werbespot für die Wii U jedoch schon seit dem 17. Oktober. Der 60-Sekunden-Clip – er ist auch auf YouTube zu finden – wirkt nicht sonderlich durchdacht: Einerseits versucht Nintendo die Vorteile des GamePads zu zeigen – andererseits ist der Clip so hektisch geschnitten, dass er besser zu einem einfach gestrickten Action- oder Casual-Titel passen würde. Natürlich kann man in 60 Sekunden keine komplexen Zusammenhänge erklären – man sollte den Inhalt aber auch nicht komplett durch die Form sabotieren. Klare Botschaften, die neugierig machen, am besten verteilt über mehrere Clips: Das ist es, was man sich für die Wii U vorstellen kann – und was hoffentlich auch noch umgesetzt wird. Ein weiteres Standbein der breit angelegten Wii-U-Kampagne ist der direkte Kontakt zum Konsumenten. Gegenüber IGM (14/2012) versicherte Nintendos deutscher Marketing-Chef Frank Rittinghaus,  Beratung via Amazon Karstadt am Hermannplatz: Beratung via Amazon man werde möglichen Verständnisproblemen mit allerlei Promo-Events entgegenwirken. Für hohe Aufmerksamkeit soll die Wii U Experience Tour sorgen, die ab dem 6. November in München, Hamburg, Köln und Berlin Station macht. Pro Stadt ist die Zahl der Eintrittskarten jedoch auf 500 begrenzt. Wer teilnehmen wollte, musste sich bis 22. Oktober auf der Nintendo-Website bewerben.

Wer nicht zu den Auserwählten gehört und sich dennoch informieren will, der hat vor dem Launch der Konsole zwei Möglichkeiten: Er recherchiert im Internet – oder er trabt in den stationären Handel, um sich dort über die Konsole informieren zu lassen. Wer „Wii U“ als Suchbegriff bei Google eingibt, erhält als ersten Treffer die Produktseite von Nintendo: Dort findet er neben Beschreibungstexten zu allen Features und Spielen auch mehrere Videos, etwa eine halbstündige „Wii U Virtual Hands-on Experience“ oder auch ein fünfminütiges Erklärvideo, das sich ausschließlich dem GamePad widmet. Die weiteren Google-Ergebnisse sind ein bunter Mix: Unter den ersten 50 Treffern finden sich unter anderem der Wikipedia-Eintrag, ein Link zu Amazon, Infos zur Vorbestellung und weitere News, die sich mit Preisen, einzelnen Spielen und technischen Details beschäftigen. Kurz gesagt: Wer weiß, wie man Google bedient, wird sich vor Informationen kaum noch retten können – ob diese nun von Gaming-Portalen, Blogs oder Mainstream-Sites wie Spiegel Online, focus.de und stern.de stammen. Die größte Herausforderung besteht allerdings darin, das Überangebot an Informationen sinnvoll zu filtern, um daraus eine Kaufentscheidung abzuleiten. Bei Niedrigpreisprodukten wie Taschenbüchern, Apps oder Musikalben werden die meisten Konsumenten nur geringen Rechercheaufwand betreiben – anders sieht es aber bei Produkten aus, die mehrere hundert oder tausend Euro kosten. Das günstigste Wii-U-Modell kostet im Vorverkauf knapp 300 Euro und liegt damit deutlich über der Spontankauf-Grenze. Bei Anschafffungen dieser Größenordnung kommt zunehmend die emotionale Komponente ins Spiel: Schließlich möchte man ganz genau wissen, ob das Gerät etwas taugt, das man sich für mehrere Jahre ins Wohnzimmer stellt.