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Magazin: story

Copyright Basis-Bild: deagreez/stock.adobe.com
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Aufgemöbelt

Damit auch bei der elften gamescom gar nicht erst so etwas wie Routine aufkommt, planen Branchenverband und Koelnmesse viel Neues für die diesjährige gamescom.
Schon seit Anbeginn der gamescom bauen die Niederländer ihren "Holland Pavillon" in der Business Area auf. Unter den internationalen Gästen gehören unsere Nachbarn traditionell zu den treuesten gamescom-Pilgern. Doch erst jetzt – im elften Jahr – ist das Königreich erstmals offizielles gamescom-Partnerland. Es ist nicht die einzige Premiere, die es in diesem Jahr auf dem Kölner Messegelände geben wird. Das wechselseitige Treue-Gelöbnis zwischen game-Verband und Kölnmesse mit Blick auf die Vertragsverlängerung über das Jahr 2019 hinaus setzt erkennbar kreative Energie frei, weil nun auch strategische Weichenstellungen möglich werden. Damit soll der Status der gamescom als weltweit wichtigste Spielemesse und Top-5-Publikumsmesse des Landes zementiert werden. Was nicht zwangsläufig bedeutet, dass die Jagd nach immer neuen Besucher- und Flächenrekorden ungebremst weitergehen kann und weitergehen soll. Ein ganzes Maßnahmenbündel wird sicherstellen, dass die "Aufenthaltsqualität" für Besucher und Aussteller optimiert wird – dazu gleich mehr.
Apropos Treue: Nahezu alle wichtigen Publisher und Hardware-Hersteller haben bereits ihre Teilnahme an der gamescom 2019 bestätigt, von A wie Astragon bis Z wie Zenimax. Auf der Aussteller-Liste fehlen bislang nur wenige Namen: Großkunden wie Activision oder Sony Interactive geben Art und Umfang ihres gamescom-Auftritts üblicherweise erst kurz vor Öffnung der Messetore bekannt. Blizzard indes hat bereits abgesagt.

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Mit der Verpflichtung von Keighley ist
den Ausrichtern ein echter Coup gelungen
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Premiere für "gamescom: Opening Night Live"
Eingeläutet wird die gamescom 2019 auch diesmal durch die internationale Entwicklerkonferenz devcom, die am Sonntag und Montag stattfindet (18./19.8.). Im Unterschied zu den Vorjahren liegt die Verantwortung ab sofort beim Branchenverband: Mit der devcom GmbH wurde sogar eine eigene Tochter gegründet, die von Event-Veteran Stephan Reichart geleitet wird. Die Konferenz wird von Preisverleihungen und Networking-Gelegenheiten begleitet. Sobald die Lichter der devcom ausgehen, gehen sie andernorts an: Denn mit "gamescom: Opening Night Live" wird es heuer eine international ausgerichtete und daher englischsprachige Eröffnungsveranstaltung in den Messehallen geben – auch das eine Premiere. Rund 1.000 Spielefans plus Tausende in den Livestreams werden dabei sein, wenn "The Game Awards"-Erfinder Geoff Keighley zum Mikrofon greift. Geplant sind unter anderem Spiele-Ankündigungen, Trailer-Premieren und prominente Spiele-Entwickler. Mit der Verpflichtung von Keighley ist den Ausrichtern ein echter Coup gelungen, mit dem so nicht zu rechnen war. Von einem "echten Highlight" spricht daher auch Christoph Werner, Mitglied der Geschäftsleitung der Koelnmesse: "Damit können sich Fans der gamescom weltweit auf eine tolle Show sowie die Präsentation neuer Games und weitere Ankündigungen freuen."

gamescom startet wieder mit Fachbesuchertag
Auch wenn der finale Hallenplan erst Mitte des Jahres veröffentlicht wird, eines steht fest: An der bewährten Einteilung der Hallen in business area und entertainment area wird natürlich festgehalten. Der gamescom-Dienstag (20.8.) gehört traditionell den Fachbesuchern und Medienvertretern – zumindest am Vormittag. Denn ab dem frühen Nachmittag dürfen auch Privatbesucher mit sogenanntem Wildcard-Ticket auf das Gelände. Ab dem 20. August ist natürlich auch die business area erstmals geöffnet, die sich traditionell über die Hallen 1 bis 4 erstreckt. Die Fachbesucher-Tickets sind im Übrigen bereits jetzt im Vorverkauf auf der offiziellen gamescom-Website erhältlich. Fester Bestandteil ist außerdem der gamescom congress: Am gamescom-Mittwoch treffen sich Politiker, Wissenschaftler, Marketing-Experten und Entwickler, um über Schnittstellen zu anderen Industrien zu debattieren (gesonderte Eintrittskarte erforderlich).

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eSport und Indie-Studios bekommen
mehr Raum
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Von Mittwoch (21.8.) bis Samstag (24.8.) ist die gamescom fest in der Hand der Privatbesucher: Die entertainment area umfasst die Hallen 5 bis 10. Laut Koelnmesse-Manager Christoph Werner soll den Communities eine größere Sichtbarkeit gegeben werden, etwa den Cosplayern. Das gilt auch für das Thema Indie-Games: "Wir schaffen mit dem ‚Indie Village' einen neuen Indie-Bereich, der mit Blick auf Angebot und Look & Feel aufmerksamkeitsstark in die entertainment area integriert sein wird. Der beliebte Indie Arena Booth, seit Jahren wichtige Anlaufstelle für unsere Besucher, wird dabei zentraler Teil des neuen Bereichs." Auch das Thema eSports wird ausgebaut und einen prominenten Platz einnehmen, etwa in Form von Turnieren und Events, wie Christoph Werner betont: "Die ESL als einer der Top-Player hat die Teilnahme an der gamescom bereits bestätigt."

Baustelle gamescom
Neue digitale Wegweiser, gigantische Baugruben, riesige Kräne: Auch in diesem Jahr wird man die Auswirkungen von Koelnmesse 3.0 an vielen Stellen spüren, dem bis 2030 laufenden 300-Millionen-Euro-Investitionsprogramm. Am deutlichsten wird dies am Eingang Süd, wo der markante Treppenaufgang schon 2018 verschwunden ist. Ein weiteres Parkhaus wurde bereits eingeweiht – bestehende Hallen werden saniert, neue kommen hinzu. Das gilt zum Beispiel für die neue Multifunktionshalle 1plus: Dort sind die Arbeiten "im vollen Gange", wie Koelnmesse-Manager Werner verrät. "Grundsätzlich planen wir unsere Maßnahmen so, dass sie im besten Fall das operative Geschäft unserer Kunden nicht beeinflussen. Komplett ausschließen, können wir das jedoch nicht." Bislang wurde zum Beispiel der Parkplatz P1 stets als Logistikfläche genutzt – in diesem Jahr steht davon nur gut ein Drittel zur Verfügung. Trotzdem werde es genügend Park- und Stellplatz-Möglichkeiten geben: "Wir kompensieren die wegfallenden Flächen zum Beispiel durch den Rückbau einer Rampe vor Ort, durch den eine weitere Logistikfläche direkt an den Hallen noch vor der gamescom gewonnen wird. Nach Fertigstellung der Halle 1plus steht die Park- und Logistikfläche unter der aufgeständerten Halle wieder vollständig zur Verfügung", so Werner gegenüber IGM.

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Arbeiten an
Halle 1plus sind in vollem Gange
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Oberstes Ziel: verbesserte Aufenthaltsqualität
Der größten gamescom-Baustelle lässt sich hingegen mit Betonmischern, Wandfarbe und Trockenbauwänden nur bedingt begegnen: Gemeint ist die bereits erwähnte Aufenthaltsqualität. Im Nachgang zur gamescom 2018 hat die Koelnmesse angekündigt, an dieser Stelle nachbessern zu wollen – und zu müssen. Denn infolge der Rekord-Nachfrage von 370.000 Besuchern platzten einzelne Messestände und ganze Hallen aus allen Nähten – was für heftige Kritik sorgte. Koelnmesse und game-Verband haben das laute Feedback zum Anlass genommen, eine genaue Analyse vorzunehmen – und "eine Vielzahl von Maßnahmen" zu erarbeiten, wie Christoph Werner betont. "Dieser Prozess ist ‚laufend' und auch noch nicht final abgeschlossen. Ein Teil des Maßnahmenkatalogs wird die Anpassung der Aufplanung sein. Dadurch werden wir eine optimierte, räumliche Verteilung der Aussteller und Hotspots mit tendenziell hohem Besucheraufkommen erreichen. Zudem werden breitere Gangflächen sowie mehr und erweiterte Cateringflächen in den Hallen als zusätzliche Maßnahmen für eine bessere Aufenthaltsqualität umgesetzt", kündigt Werner an.

Zwischen den Messeständen der großen Publisher bleibt also künftig mehr Fläche – dadurch sollen Situationen vermieden werden, wie sie während der gamescom 2018 bei Fortnite-Hersteller Epic Games zu beobachten waren. Hier musste man phasenweise um das Wohl von Standbau und Fans fürchten. Zur Entzerrung der Besucherströme soll auch das neue Abendticket beitragen, das im Vorverkauf erhältlich ist: Zum Freundschaftspreis von 7 Euro lässt sich das gamescom-Gelände ab 16 Uhr erkunden. Im Unterschied zum abgeschafften Nachmittagsticket ist der Zutritt zu diesem Zeitpunkt garantiert.

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Abendticket soll Besucherströme entzerren
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Vieles neu zur gamescom 2019
Eröffnungs-Show, Indie Village, Abendticket, neue Wegeführung, überarbeitete devcom: Man kann nicht behaupten, dass sich die Verantwortlichen auf ihren Lorbeeren ausruhen würden. Zur gamescom 2019 gibt es so viele Neuerungen wie seit Jahren nicht mehr. Dazu passt, dass auch der game-Verband gerade noch rechtzeitig eine wichtige Personalie abgeräumt hat: Mit dem Online-Games-Marketing-Experten Christian Baur (zuvor u. a. bei Gameforge und Smilegate) gibt es seit Mitte April einen neuen Head of gamescom & Events, der die Kölner Spielemesse strategisch weiterentwickeln soll. Dass Baur in den wenigen verbleibenden Wochen bereits eigene Akzente setzen kann, ist zwar unwahrscheinlich – doch "der Neue" wird natürlich an vorderster Front daran mitwirken, dass die gamescom 2019 gelingt. Denn auch für Baur ist die gamescom 2019 in diesem Amt vor allem eines: eine Premiere. (pf)