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Magazin: story

CHEFSACHE

Chefredakteure: Branchen-Beobachtung, verspieltes Know How und profunde Kenntnis um die gängigen Plattformen sind ihr täglich Brot. Sie dirigieren, schreiben, kritisieren und analysieren. Sie bündeln das Fachwissen der ihnen unterstellten Redakteure und sorgen dafür, dass es in der richtigen Tonart beim Leser ankommt. Um ihre Kunden regelmäßig mit neuen Informationen zu versorgen, müssen sie stets auf dem Laufenden sein, die großen Zusammenhänge sehen, Trends erkennen und hoffentlich richtige Prognosen abgeben: Ein guter Chefredakteur ist zu gleichen Teilen Journalist, Analyst und Prophet. Grund genug für uns, die Leithammel der wichtigsten deutschen Presse-Plattformen zum Thema PlayStation zu befragen: Welchen Einfluss hat die Marke bis heute auf das Geschäft und die Entwicklung des Mediums? Und wie wird es weitergehen mit Sony PlayStation? Lassen wir die Profis sprechen…

Was verbindet ein Fachmann mit der Marke PlayStation? Das wollten wir zuerst von Branchen-Veteran Christoph Holowaty wissen: Der heutige GamesIndustry.biz-Chefredakteur leitete Ende der 90er-Jahre Computecs Business-Format „MCV“. Damit war er näher am Puls der noch jungen Branche als irgendwer sonst, spürte ihn bereits pochen, als er noch kaum messbar und das Wörtchen „Blockbuster-Game“ nur ein schöner Traum war. Trotzdem war es zugleich eine spannende Zeit, in der die Weichen gestellt wurden, über die wir noch heute fahren: Die Generation 16Bit und konsolische Modul-Technik wurde von CD-ROMs und PlayStation abgelöst, Sonys Konsole stieg rasant zum übermächtigen Platzhirsch auf, der über Jahre hinweg die unangefochtene  GamesIndustry.biz-Chef Christoph Holowaty Beobachtet für Computec: GamesIndustry.biz-Chef Christoph Holowaty Allein-Herrschaft über den noch immer pubertären Markt innehatte. „Sony ist es gelungen, PlayStation als Gattungsbegriff für Spielkonsolen zu etablieren“, erklärt der Presse-Veteran. „Dies hatten wir in dieser Form nicht notwendigerweise voraussehen können, da bereits andere branchenfremde Unternehmen im damaligen Zeitraum mit großem Budget, aber wenig Erfahrung in den Markt eingestiegen und in ebenso großem Stil gescheitert waren. In der frühen Launch-Phase hat es Sony verstanden, genau die richtigen Personen zusammen zu bringen, die das Thema einerseits professionell angegangen sind und sich andererseits gegenseitig in der kreativen Weise inspiriert haben, wie es für diese Industrie einzigartig ist.“

Der Aha-EffektSo viel zu dem, was Business-Profi Holowaty zu PlayStation zu sagen hat. Aber was meint der Privatmann Holowaty? „Privat ist PlayStation für mich eine Freizeitbeschäftigung, die weitaus spannender ist als der passive Konsum von Medien. Der große Unterschied zu anderen Medien ist, dass Sie hier Entscheidungen treffen müssen und dafür belohnt werden. Dies ist überhaupt nicht vergleichbar etwa mit Fernsehunterhaltung, in der man allenfalls mal ein hoffnungsvolles Supertalent für viel Geld eine Runde weiter wählen darf und dann nicht mal sicher sein kann, in welcher Weise diese Entscheidung ins Gewicht fällt. Bei PlayStation ist das anders: Wenn Sie eine Entscheidung fällen, muss es plausibel sein, ob es die richtige oder die falsche war“, erklärt Holowaty seine Passion für PlayStation-Games. Kein Wunder, dass die Marke für ihn von Anfang an einige Aha-Momente barg: „Wir sind ja nun mal alle Gewohnheitstiere und stumpfen schnell ab, was gewisse Reize betrifft. Die größte Sensation war es deshalb für mich, als wir im Dezember 1994 eine der ersten PlayStations aus Japan importiert und die gesamte Nacht in der Redaktion mit „Ridge Racer“ verbracht hatten. Es war für uns unfassbar, eine spielhallenähnliche Technologie auf dem Fernseher erleben zu können. Wir waren nahe daran, Händlern zu empfehlen, jede nur verfügbare Menge für die Hardcore-Zielgruppe zu importieren. Dass wir doch noch davon Abstand genommen hatten, lag wohl nur an den erheblichen Lieferproblemen, die Sony allein in Japan hatte.

„Sony hat PlayStation als Gattungsbegriff für Spielkonsolen etabliert“

Diesen Aha-Effekt zur Einführung der Ur-PlayStation habe ich so nie mehr bei der Einführung neuer Generationen erlebt. Bei PS2 und PS3 begeisterten vor allem die späteren Spiele, bei denen die Studios Erfahrung mit den jeweiligen Konsolen gesammelt hatten. Bei der PS2 war das für mich – trotz der gar nicht mal so atemberaubenden Grafik – „GTA: San Andreas“. Seitdem wird immer klarer: Mehr und mehr rücken der Inhalt und die Kreativität vor das technische Muskelspiel.“

Joachim Hesse wiederum geht beim Thema „Aha-Effekte“ noch mehr ins emotionale Detail: Für uns schwelgt der Spieletipps-Chefredakteur in Erinnerungen an den Ausflug in ein legendäres Spukhaus. „Ein solcher Aha-Effekt war, als sich damals in so einem komischen Herrenhaus der erste Zombie zu mir umgedreht hat. Das war echter Horror, den „Resident Evil“ auf der PSX geboten hat. Danach gab es immer wieder Szenen, die sich eingebrannt haben. Der Kampf mit Psycho Mantis bei „Metal Gear Solid“ zum Beispiel. Oder meine persönliche „Frage der Ehre“ beim Endkampf in „God of War“: Nachdem ich mich dort bis auf „Normal“ durchgeschlagen hatte, wollte ich nicht am Ende noch auf „Leicht“ wechseln müssen. Das hat ganz schön Nerven gekostet. Auf der PS3 wiederum hat mich „Heavy Rain“ berührt. Wenige Spiele vermitteln Gefühle und Konsequenzen so eindringlich. Erinnerst Du Dich daran, wie Du am Anfang Deinen Sohn in der Menschenmenge verlierst Kein anderes Spiel gießt Panik so hautnah über den Bildschirm“, meint Hesse.