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Magazin: story

Cologne was in Play

Sie musste ohne neue Xbox oder PlayStation, ohne Nintendo, Microsoft, Sega und THQ auskommen und hatte auch sonst keinen bahnbrechenden Knüller zu bieten. Nicht mal die erhoffte PS3 Superslim oder eine gnädige Vita-Preissenkung waren am Start: Die gamescom 2012 schien von Anfang an unter keinem guten Stern zu stehen. IGM verrät, warum sich das Ticket nach Köln trotzdem gelohnt hat.

Wer in der Spiele-Branche seit rund zwei Jahrzehnten den Kritiker-Bleistift spitzt, den haut so gut wie gar nichts mehr vom Hocker. Die Augenbraue wird nur dann angehoben, wenn etwas passiert, das die in grauer Branchen-Vorzeit erlernten Verhaltensweisen bedient: z.B. der Start einer neuen Hardware-Generation. Weil es davon auf der gamescom 2012 erwartungsgemäß so gar nichts zu sehen gab, erschien die Messe auf den ersten Blick enttäuschend langweilig: Man reiste mit niedrigen Erwartungen an und sah sie zunächst bestätigt.

Aufhorchen ließ da allenfalls die im Messevorfeld auf der GDC präsentierte „Unreal Engine 4“. Oder aber ein unverschämt imposantes „Crysis 3“, das die volle Packung Grafikmuskeln vermutlich nur auf High-End-PCs oder der nächsten Konsolengeneration spielen lassen wird. Trotzdem sind von offizieller Seite eine neue Xbox bzw. PlayStation nach wie vor allenfalls ein Fall für Zukunftsforscher: Obwohl im Grunde jeder weiß, dass uns im nächsten Jahr zumindest eine neue Xbox erwartet, will offiziell niemand davon wissen.

„Wurden von Fans gerne in Kauf genommen: Wartezeiten von über drei Stunden“

Trotzdem hat auch Activision mit dem ungewohnt dreckigen „Star Wars 1313“ schon jetzt gezeigt, was uns vielleicht Ende nächsten Jahres erwartet: Ein Abenteuer, das zwar noch auf der alten „Unreal Engine 3“ läuft, aber trotzdem eindeutig „NextGen“ ist. Zumindest ein bisschen verheißungsvoll erschien auch die Präsentation von „Occulus Rift“: Die stereoskopische Virtual-Reality-Brille wurde am Rande der Messe ausgesuchten Journalisten wie den Kollegen präsentiert und funktionierte vorerst nur in Zusammenarbeit mit einem PC. Aktuell unterstützt die Plattform Epics „Unreal“-Technologie und die „Unity Engine“. Doch wer ein bisschen zusätzliche Programmierarbeit nicht scheut, kann theoretisch auch mit anderen Entwicklungs-Umgebungen loslegen.

Messe der großen Langeweile?So viel also zu den Highlights für den altgedienten Schreiberling, für den der Messebesuch eher lästige Routine ist. Aber was, wenn er sich mal in die Rolle der Publisher und ihrer Kunden versetzt? Ist die Messe dann noch immer so unspektakulär? Immerhin haben sich auch diesmal wieder rund 275.000 Besucher durch die Hallen gewälzt, um mit Engelsgeduld darauf zu warten, beim kommenden Herzens-Hit endlich Hand anlegen zu dürfen. Wartezeiten von über drei Stunden, um endlich Ubisofts neuen Meister-Assassinen durch die angehenden USA begleiten zu dürfen oder um bei „Black Ops 2“ ein paar beherzte Kopfschüsse auszuteilen: Das ist kein Pappenstiel, wurde von den Fans aber vergleichsweise gelassen hingenommen. Da wurden Klappstühle mitgebracht, Karten gespielt oder die Handheld-Utensilien ausgepackt, und dann hat man „so lange gewartet, wie es eben dauert“. Obwohl laut aktueller Hochrechnungen aufgrund eines dezenten Anstiegs auf Seiten der Fachbesucher (um rund 14 Prozent auf 24.500) vermutlich ein paar Consumer weniger in die Hallen strömten als im vergangenen Jahr, ist die Beharrlichkeit der Fans beachtlich und alles andere als ein Zeichen für die vielfach vermutete Verschleißerscheinung. Es scheint fast so, als wäre es dem Gros der Spieler schnurzpiepegal, dass Xbox 360 und PS3 in die Jahre kommen, solange ihre Lieblingsmarken unverminderten Spielspaß bescheren. Zumindest das Verhalten dieser Spieler gibt den Herstellern bei der künstlichen Ausdehnung ihres Hardware-Zyklus‘ Recht.

Nintendo ohne NintendoObwohl Marios Messe-Abstinenz gerade die jüngsten gamescom-Besucher traurig stimmte, ließen es sich auch die Kleinen nicht nehmen, die verspielten Neuheiten zu begutachten. Ja, mehr noch: Ganze Gamer-Familien stromerten durch die Hallen und schwärmten dabei regelrecht aus. Während sich Papa in die „Black Ops 2“-Schlange einreihte, schaute die Dame des Hauses auf eine Runde „Resident Evil 6“ bei Capcom rein und vergnügte sich der Nachwuchs bei Sony (unter dem Motto „The World is in Play“) mit knuffigen Vita- und Move-Spielen. Apropos: Das Vita-Abenteuer „Tear Away“ von „Little Big Planet“-Macher Media Molecule gehörte – neben LittleBigPlanet PS Vita“ zu den Highlights von Sony und wurde dem Handheld nicht nur visuell, sondern vor allem Kontroll-seitig eindrucksvoll auf die schicke Chassis geschneidert. So dürfen wir die aus virtueller Pappe zusammen geklebte Welt z.B. mit Hilfe des rückseitigen Touchpads und mit dem Finger regelrecht „durchstoßen“.

Nicht so handlich, aber ebenfalls perfekt für die jüngeren Familienmitglieder war Sonys „Wonderbook“, das bei seinem Start Ende des Jahres mit starker Lizenz lockt. Per PlayStation Eye  wird ein echtes, greifbares Buch auf dem Bildschirm in eine magische Pop-Up-Schwarte für virtuelle Zauberlehrlinge verwandelt.