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Magazin: story

Cologne was in Play

Trotz der allgegenwärtigen Sony-Präsenz hat Nintendo das gamescom-Gelände nicht völlig kampflos der Konkurrenz überlassen: Obwohl die Messe-Absage des Herstellers in Anbetracht des bevorstehenden WiiU-Launches für allgemeines Kopfschütteln sorgte, so war es zumindest Third-Party-Partner Ubisoft, der enthusiastisch die Nintendo-Flagge schwenkte und sein Angebot für die neue Konsole gleich zum Fokus seiner Präsentationen machte. Nicht nur „Rayman Legends“ wurde speziell für den Tablet-Controller entwickelt, auch die Zombie-Schnetzelei „Zombi U“ gehört zu den Highlights für das System und wurde außerdem von einer gelungenen Performance-Aktion flankiert: Eine Gruppe herrlich eklig geschminkter Zombie-Schulmädchen gab dem Motto „Der Tod steht ihr gut“ eine ganz neue Note und war praktisch überall auf der Messe zu sehen. Auch das von Fans herbeigesehnte „Assassin‘s Creed 3“, für das Ubisoft zum ersten Mal seit Serien-Launch 2007 eine neue Engine entwickelt hat, wurde in erster Linie für WiiU präsentiert.

„Für wen war der Schaden größer? Für die Abstinenzler oder die Messe?“

Eher ein Fall für PC, Xbox 360 und PS3 war dagegen der dritte Teil des Tropen-Shooters „FarCry“, den der Hersteller am ersten Messeabend im Rahmen einer aufwändigen Feier präsentierte: Während deutsche Promis bzw. B-Promis wie Wilson Gonzalez Ochsenknecht, Michaela Schäfer, Ralf Richter und Peyman Amin vor allem für die Publikums-Presse gefundenes Fressen waren, stürzten sich Fachjournalisten auf eine von rund zwei dutzend Anspielstationen. Als Verköstigung gab‘s passend zum Survival-Ambiente des Titels lecker Heuschrecken und frittierte (oder auf Wunsch auch lebende) Würmer, für die Ohrwürmer sorgte dagegen der bekannte deutsche Rapper „Marteria“, der im Nebenraum tüchtig die Stimmung aufheizte.
Wer mit Survival-Kost und Ego-Shootern weniger am Hut hat, konnte sich am selben Abend aber auch bei Koch Media in der Wolkenburg oder bei Electronic Arts vergnügen, die vergleichsweise ruhigere (und daher eher für gemütlichen Plausch geeignete) Feten ausrichteten.

Ähnlich beschaulich ging‘s auf der Branchen-Party am darauffolgenden Abend zu: Hier wurde wie gewohnt im Theater am Tanzbrunnen in gepflegter Atmosphäre geplaudert, gefuttert und (vielleicht auch mal zu tief) ins Glas geschaut, während bei Wargaming am selben Abend wie gewohnt der Bär steppte.

Was Cologne in Play?Es war keine Messe der Rekorde und keine Messe der bahnbrechenden Neuerungen. Trotzdem haben die Beteiligten souverän bewiesen, dass sie auch dann eine eindrucksvolle Performance hinlegen und über eine Viertelmillionen begeisterter Gamer anlocken können, wenn wichtige Größen der Veranstaltung fern bleiben. Die gamescom als Messe und Köln als Messe-Standort haben sich in kürzester Zeit einen Status erarbeitet, der Absagen wie die von Nintendo oder Microsoft verkraften kann. Für wen war der Schaden also größer? Für die Abstinenzler oder die Messe?
Für das klassische Retail-Modell ein kleiner Wermutstropfen war natürlich, dass die durch Nintendo & Co. entstandene Lücke vor allem durch kleine Free2Play- und Browser-Firmen gefüllt wurde und sich auch Ubisoft auf seiner Pressekonferenz mit „Siedler Online“ und einem neuen F2P-„Anno“ überdeutlich zu diesem Modell bekannte. Trotzdem: Das attraktive Blockbuster-Feld gehörte noch immer unverändert den Händlern und Einkäufern, die sich für das kommende Herbst- und Vorweihnachtsgeschäft auf einige fette Titel freuen dürfen.

Der Ausblick auf die neue Hardware- und Spiele-Generation war wie erwartet klein, aber immerhin spürbar, und die etablierten Marken haben mit ungebrochener Faszination aufgetrumpft: Die Branche sammelt mit bekannten Größen wie „Borderlands“, „Call of Duty“, „Assassin‘s Creed“, „Guild Wars“, „Tekken“, „PES“, „Fifa“, „Der Herr der Ringe“ und „Resident Evil“ Kraft für die Zukunft. Gleichzeitig beweist man durch handverlesene Innovationen wie Bethesdas „Dishonored“ oder Capcoms visuell spektakulärem Action-Adventure „Remember me“ den Mut zur Neuerung. Und auch Köln selber scheint mit der Show zunehmend warm zu werden, denn die aus dem guten alten Leipzig bekannte städtische Omnipräsenz der Branche wird auch hier allmählich zur Normalität. „Medal of Honor“- und „AC3“ zieren die Haus- bzw. Hotelwände. Leuchtende Werbekästen und Plakatierungen mit „Dishonored“, „Borderlands 2“ und „End of Nations“, großformatige Eyecatcher an den U-Bahn-Stationen: Genau so muss eine Stadt im Gaming-Fieber aussehen! < (rb)