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Magazin: story

Facebook lohnt sich für den Fachhandel
Facebook lohnt sich für den Fachhandel

Daumen hoch

Am 4. Februar feierte Facebook sein zehnjähriges Jubiläum. Auch wenn immer mal wieder ein Abgesang ertönt, ist Zuckerbergs Social Network einflussreicher denn je: In Deutschland hat es 19 Millionen Mitglieder, weltweit sollen es mehr als 1,2 Milliarden sein. Für viele Unternehmen ist Facebook enorm wichtig geworden: Virale Inhalte machen in kürzester Zeit die Runde, dazu gibt es Einblicke in Nutzerverhalten und Konsumvorlieben. Doch wie nutzen unabhängige Games-Fachhändler das Netzwerk? IGM hat nachgefragt.

1.478.665. So viele Likes hatte die Facebook-Seite von Media Markt Deutschland am 18. Februar. Bei Saturn waren es zum selben Zeitpunkt exakt 1.402.494 Likes: Die Konzernschwestern liefern sich also ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Gunst der Facebook-Community, während Konkurrent GameStop mit vergleichsweise bescheidenen 107.961 Followern daherkommt. Auf den Facebook-Seiten von MSH macht sich die spätwinterliche AAA-Flaute durchaus bemerkbar: Media Markt hält die Fahne mit einem Nachruf auf Flappy Bird hoch („Röhre in Frieden“), Saturn veröffentlicht zwischen Waschmaschinen, Staubsaugern und Tablets immerhin ein großformatiges Titanfall-Banner. GameStop wiederum tobt sich so richtig auf Facebook aus: mit Vorankündigungen, Gewinnspielen und bisweilen recht sinnfreien Umfragen („Morgen ist Valentinstag – mit wem würdet ihr den Tag lieber verbringen? 1. Lara Croft, 2. Xbox One“). Uns interessiert aber vor allem, wie unabhängige Fachhändler Facebook nutzen: Trägt die Plattform wirklich zur Bekanntheit der Webshops und Ladengeschäfte bei – oder ist sie nur ein Social-Media-Feigenblatt?

Ein kursorischer Blick zeigt: Gerade bei Händlern mit Ladengeschäft ist die Facebook-Präsenz oftmals mau. Zwar haben die meisten der stationären Indies eine Facebook-Seite eingerichtet. Doch posten viele nur so sporadisch, dass man nicht von einer „kontinuierlichen Kundenkommunikation“ sprechen kann. Die zwei bis drei Facebook-Einträge pro Monat versenden sich ins digitale Nirwana – potenzielle Käufer lockt man auf diese Weise gewiss nicht an. Doch es geht auch anders, zum Beispiel bei der Firma SK GameNatiX aus Trier: Der Fachhändler versorgt seine Follower fast täglich mit neuen Infos. „Die meisten unserer Stammkunden folgen uns auf Facebook. Mit denen tauschen wir uns dort rege aus“, erzählt Geschäftsführer Stefan Kimmlingen, der SK GameNatiX 1999 gründete und inzwischen drei Mitarbeiter hat. Vor fünf Jahren zog SK GameNatiX von einem eher ruhigen Standort in eine sehr zentrale Lage: Der Shop befindet sich nun am Eingang zur Trierer Fußgängerzone, nur wenige Meter vom Wahrzeichen Porta Nigra entfernt. Das Spieleangebot richtet sich an eine breite Zielgruppe – neben Neuerscheinungen hat SK GameNatiX auch viele Retro-Games im Angebot. Auf Facebook ist der Händler seit 2009 aktiv, darüber hinaus betreibt Kimmlingen auch einen Twitter-Account. „Gerade für unserer jüngeren Kunden hat Facebook aber einen wesentlich höheren Stellenwert als Twitter“, sagt Kimmlingen. Tatsächlich ist der Kurznachrichtendienst in Deutschland nicht so beliebt wie in anderen europäischen Ländern: Aktuellen Studien zufolge twittern weniger als eine Million Deutsche.

Schnell und direkt
Von Facebook ist Kimmlingen jedenfalls vollauf überzeugt: „Erstens sind sehr viele Leute in dem Netzwerk unterwegs. Zweitens können wir mit diesen Leuten schnell und direkt kommunizieren. Und drittens können die Leute selbst entscheiden, ob und wann sie unsere Facebook-Seite besuchen.“ Den Newsletter-Versand habe SK GameNatiX schon vor längerer Zeit eingestellt, so Kimmlingen. „Wir mussten den Newsletter jedes Mal aufwändig zusammenbauen. Außerdem sind die meisten Leute schon genervt, weil ihre Mail-Accounts zugespamt werden, die wollen dann nicht noch einen weiteren Newsletter haben.“ Auf Facebook befüllt Kimmlingen dafür zwei Seiten parallel: eine Places-Seite mit derzeit 1074 Followern und eine offene Facebook-Gruppe mit 920 Mitgliedern. „Facebook hat seine Gruppen-Funktion ja erst nachträglich eingeführt“, begründet Kimmlingen das Doppel-Engagement. „Der Zusatzaufwand ist für uns aber gering, weil wir die Inhalte einfach nur rüberkopieren müssen. Wobei es zwischen den Followern natürlich gewisse Überschneidungen gibt.“

Geschwindigkeit sei beim Posten nicht das absolute Kriterium, sagt Kimmlingen. „Schließlich wissen unsere Stammkunden, dass wir die Spiele früh reinbekommen und sofort verschicken.“ SK GameNatiX spricht via Facebook vor allem Spieler aus Trier und Umgebung an. „Nicht in erster Linie Core Gamer, weil die ja ohnehin schon bestens Bescheid wissen. Sondern eher Leute, die hin und wieder spielen, die sich aber auf dem Laufenden halten möchten.“ Auf Facebook bekommt SK GameNatiX viel positives User-Feedback: „Die meisten Follower sind sehr loyal. Das merkt man daran, dass sie uns unterstützen, wenn mal ein Facebook-Kommentator gegen uns schießt“, so Kimmlingen. „Wenn jemand postet, er habe ein Spiel für 5 Euro weniger bei GameStop gesehen, kommen gleich Antworten wie: ‚Dafür ist SK GameNatiX bei den meisten Spielen günstiger.‘“ Die gewachsene Community sorgt also dafür, dass sich der Moderationsaufwand in Grenzen hält.

Japanische Träume
Christian Corre zählt ebenfalls zu den Facebook-Enthusiasten unter den deutschen Indie-Händlern. Seine Münchner Firma Nippondreams gründete Corre 2004 als reinen Online-Shop, die Eröffnung des Ladengeschäfts folgte ein Jahr später. „Bei uns findet man sowohl die aktuellsten Neuerscheinungen und Uncut-Importe als auch jede Menge Retroschmankerl von NES über PC Engine zu Sega Saturn“, beschreibt Corre das Sortiment. „Die Laufkundschaft ist eher gering, weil die Parkplatzsituation in der Rosenheimer Straße nicht so gut ist. Wir haben aber viele Stammkunden – es hat sich über die Jahre herumgesprochen, dass wir als Independent-Händler gute Beratung und faire Preise bieten.“ Eine Facebook-Page hat Nippon-dreams 2010 eingerichtet, mittlerweile liegt die Anzahl der Likes bei knapp 800. „Auf die Seite kommen nicht nur Kunden aus dem Münchner Umfeld, sondern auch viele Online-Kunden“, so Corre. „Oft weise ich auf Titel hin, die bald erscheinen werden und die man vorbestellen sollte, wenn man sie rechtzeitig haben will. Oder ich informiere die Kunden, wenn ein Spiel überraschend schon früher eingetroffen ist.“ Ein weiteres Thema sind Sonderangebote. „Vor einiger Zeit hatten wir mal ein Dutzend gebrauchte Xbox 360 auf Lager, die nicht weggingen“, so Corre. „Ich habe daraufhin den Preis auf 111 Euro gesenkt,  zwei Gratis-Spiele dazugepackt und das Angebot gepostet. Die Konsolen gingen sehr schnell weg – für solche Aktionen ist Facebook schon super.“

Allerdings funktioniert das facebook‘sche Viral-System nicht immer. „Ich habe bemerkt, dass die Kunden unsere Inhalte nur selten teilen“, erzählt Corre. „Vielleicht wollen sie ihren Freunden keine Werbung zumuten. Oder sie sehen unseren Laden als Geheimtipp, den sie lieber für sich behalten wollen. Genau lässt sich das nicht sagen.“ Um etwas nachzuhelfen, investiert Nippondreams kleinere Beträge in Facebook-Werbung. „Zum Beispiel zahle ich 15 Euro für ein bestimmtes Posting, das dann sowohl im Stream der Follower als auch im Stream der Freunde dieser Follower auftaucht. Die Wahrscheinlichkeit, dass die auch Videospiele mögen, ist ja recht hoch. Die bereits existierenden Follower sind außerdem eine direkte Referenz. Solche Werbeaktionen bringen immer wieder neue Likes.“ Corre verzichtet allerdings auf Facebook-Gewinnspiele – genau wie Kollege Kimmlingen aus Trier, der seine Verlosungen lieber im Radioprogramm platziert und dadurch nochmal andere Zielgruppen beackert. Grundsätzlich ist Corre überzeugt, dass „man nicht um jeden Preis etwas posten muss“. Spiele-Infos gebe es schließlich schon genug im Netz, die User seien schnell übersättigt.

Keine Tweets
Corre hält Facebook als Social-Media-Kanal für ausreichend. Auf Twitter verzichtet der Nippon-dreams-Chef ganz, einen Google-Plus-Account hat er kürzlich wieder eingemottet, auch die Idee eines eigenen Weblogs hat er bald verworfen: „Es geht einfach viel schneller, mal eben was auf Facebook zu posten und einen Link auf den Webshop zu setzen“, so Corre. „Welche Klicks über Facebook kommen, kann man dann per Tracking herausfinden. Es kann sich allerdings auch lohnen, inhaltlich etwas mehr Aufwand zu betreiben. Zu PS4 und Xbox One habe ich seinerzeit eine Day-One-Liste erstellt – die hatte dann richtig Traffic auf Facebook. Getrackt habe ich das Ganze mit dem URL-Shortener von Google.“ Die Facebook-Seite bewirbt Nippondreams zum einen über Kundengespräche im Laden, zum anderen über Visitenkarten und einen Link im Webshop. Im November 2013 hat Facebook zudem ein Bewertungssystem für Places eingeführt, was die Außenwahrnehmung natürlich beeinflusst. Derzeit hat Nippondreams 112 Bewertungen, davon 90 mit fünf Sternen und immerhin 8 mit nur einem Stern. „Früher hätte es mich geärgert, wenn Leute einen willkürlich so runtervoten“, sagt Corre. „Aber mittlerweile überrascht es mich nicht mehr, weil ein Teil der Internetnutzer nun mal so ist. In der Rezensionen-Spalte haben wir wiederum sehr viel Lob bekommen.“ Die Kommentare reichen von „bester Game-Laden Münchens“ bis „freundlich und immer schneller als alle anderen“.

Fazit: Das Engagement auf Facebook bedeutet natürlich einen gewissen Mehraufwand. Gleichwohl überwiegen die Vorteile deutlich: Man bleibt im Kontakt mit den Kunden, kann Angebote schnell und kostengünstig promoten, erschließt neue Käufer und stärkt die eigene Marke. „Wir haben die Facebook-Seiten eigentlich ständig offen“, sagt Stefan Kimmlingen, „so können wir direkt auf alle Anfragen reagieren.“ Darauf doch mal ein „Like“. (feh)