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Magazin: story

Copyright Basis-Bild: Comugnero Silvana / stock.adobe.com
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Der Preis ist heiß

Appstore- und Amazon-Ausverkäufen zum Trotz: Das Geschäft mit Budget-Spielen läuft weiterhin rund – die Kundschaft entscheidet spontan, qualitäts- und preisbewusst.
In den Spiele-Abteilungen und Kassenbereichen von Warenhäusern und Elektronikmärkten sind sie kaum zu übersehen: die Pyramiden, Türme und Displays mit Spielen zu Preisen der Nächstenliebe. Crysis 3 für nen Zehner, die PS4-Version von FIFA 15 für 25 Euro, Assassin‘s Creed 1 und 2 auf einer DVD für 6,99 Euro. Die preisreduzierten Spiele-Klassiker und -Bestseller stellen allerdings nur die Hälfte des Sortiments – die andere besteht aus Casualgames, also leicht zugänglichen Wimmelbild-, Karten-, Denk- und Geschicklichkeitsspielen. Wer angesichts der Mitnahme-Tarife auf Wühlkorb- und Resterampen-Ramsch tippt, irrt: Die Sortimente sind durchzogen von aktuellen Blockbustern und bekannten Marken. Selbst die POS-Materialien machen in der Regel einen top-gepflegten Eindruck, denn das Sortiment wird regelmäßig mit frischer Ware aktualisiert.

Eine Pyramide, alle Marken
Den Budget-Markt teilen wenige Spezialisten unter sich auf: Koch Media bietet unter der Marke „Hammerpreis“ neben eigenen Titeln wie Saints Row 4 und Risen 3 auch Spiele von Vertriebspartnern sowie Casualgames an. Konkurrent ak tronic vertreibt mit der markanten Software-Pyramide und der Low-Budget-Serie Green Pepper die Auslaufmodelle von Electronic Arts, Ubisoft, 2K Games, Square Enix, Namco Bandai, Bethesda, Activision, Capcom, Warner, Konami und vielen weiteren Publishern – kaum ein relevanter Hersteller, der nicht in der Pyramide zu finden ist. Auf den Markt für Gelegenheitsspieler fokussieren sich hingegen unter anderem die astragon Entertainment GmbH aus Mönchengladbach mit Labels wie „play + smile“ und „Big Fish“, die Neu-Ulmer S.A.D. GmbH („Purple Hills“) und der Darmstädter Publisher Rokapublish („Rokaplay“), der unter anderem mit Avanquest und Koch Media zusammenarbeitet.

Zielgruppe: Jeder
Wie sieht eigentlich der typische Käufer von Budget-Spielen aus? „Die Kunden der Software Pyramide sind von 6 bis 66 Jahre alt, sprich es gibt keine genaue Zielgruppe“, weiß ak-tronic-Geschäftsführer Peter Schroer. „Natürlich spielen junge Menschen grundsätzlich mehr als ältere. Daher sind auch die jungen Altersgruppen überproportional vertreten. Allerdings wissen wir, dass wir einen großen Anteil an Spontankäufern haben. Viele Kunden wissen, dass es in der Software-Pyramide immer gute und günstige Games gibt und schauen daher gerne an unserem POS-Aufsteller vorbei und gucken, was es Neues gibt.“ Die Entscheidung fällt dann spontan: „Viele Kunden sind nun mal nicht bereit oder in der Lage, 60 bis 70 Euro für ein neues Game zu bezahlen - und sie schlagen dann zu, wenn es im Preis gesenkt wurde.“

Neben dem klassischen Impuls- und Mitnahme-Geschäft gibt es auch genügend Kunden, die sich vorab informieren und pünktlich zur Preissenkung auf der Matte stehen, wie Michel Wedler beobachtet hat. Er ist als Media-Saturn-Bereichsleiter für das Entertainment-Segment zuständig und registriert bei „ehemaligen Vollpreis-Bestsellern eine verstärkte Nachfrage zum Start der Zweitvermarktung.“

Casual-Konkurrenz im Appstore
In den Appstores von Apple und Google tummeln sich mittlerweile Tausende von Free2play-Wimmelbild-, Karten- und Puzzle-Spielen. Die vermeintlich kostenlose Konkurrenz hat Auswirkungen auf die Nachfrage nach PC-Casual-Games, wie Saturn-Manager Wedler einräumt: „Die Verlagerung ist zum Teil spürbar, aber es gibt auch weiterhin Interessenten dieser Gameskategorien für stationäre Geräte.“ Diesen Eindruck bestätigt ak-tronic-Chef Schroer – er spricht von einem „stark rückläufigen Bereich“. Am stärksten betroffen dürfte demnach Rokapublish sein, doch Geschäftsführer Robert Kaiser bleibt gelassen: „Eine gewisse Abwanderung ist sicherlich vorhanden. Sie hält sich für uns in Grenzen, da unsere Zielgruppe dem PC Gaming sehr treu ist. Smartphones und Tablets werden häufiger von der jüngeren Spielerschaft genutzt, die nicht unsere Zielgruppe darstellt. Dennoch überlegen wir, wie wir zukünftig mögliche Abwanderungen kompensieren können.“ Aus seiner Warte sind Einzelhandel und Smartphones/Tablets zwei voneinander abhängige Märkte. Das lässt sich auch an der Demographie festmachen: „Wimmelbild- oder 3-Gewinnt-Spiele werden vorrangig von Frauen ab 35 Jahren nachgefragt. Unsere Kartenspiele sind besonders bei Männern ab 45 Jahren beliebt. Beide Zielgruppen haben sich in den vergangenen Jahren nicht verändert.“ Ähnlich gelagert ist das Publikum bei astragon, wie Kristina Klooss, Geschäftsführerin der astragon Sales & Services GmbH, weiß: „Die dominierende Kernzielgruppe unserer klassischen Casual Games ist weiblich und im Alter von 25 bis 60 Jahren. Seit geraumer Zeit können wir hier in der Tat eine Steigerung des Durchschnittsalters der Käuferinnen beobachten, woran die zunehmende Beliebtheit mobiler Endgeräte bei der jüngeren Generation sicher einen großen Anteil hat. Mit unserer Budget-Reihe „Best of Simulations“ sprechen wir hingegen vor allem das preisbewusste männliche Klientel im Alter von 10 bis 40 Jahren an.“ Der Erfolg der astragon-Simulations-Titel für Smartphones und Tablet zeige, dass sich auch diese Zielgruppe längst nicht mehr nur auf die PC-Plattform beschränkt. „Wir rechnen auch in den kommenden Jahren – genreunabhängig – mit einer zunehmenden Verschiebung auf mobile Plattformen, wobei wir zugleich von einer stabilen PC-Kernkundschaft ausgehen“, prophezeit die Vertriebs-Expertin.

Age of Empires: Seit 20 Jahren im Sortiment
Die schleichende Casual-Games-Abwanderung ist nicht die einzige Entwicklung im Budget-Markt. So spürt Saturn-Manager Michel Wedler einen Trend in Richtung Next-Gen-Konsolen-Software sowie Kids- und Smart-Toys-Sortimenten wie Skylanders. Trotz schrumpfenden Marktes ist Software-Pyramiden-Anbieter Schroer weiterhin zufrieden mit dem PC-Umsatz – gerade Strategie- und Aufbau-Klassiker wie Anno, Age of Empires und Siedler verkauften sich sehr gut. „Grundsätzlich spielt die Musik aber im PlayStation-4-Bereich“, resümiert Schroer. „Der Wechsel von PS3 zu PS4 ging sehr schnell. Hier werden wir in der nächsten Zeit weiter wachsen.“ Wii U und 3DS seien stabil, nur die Xbox täte sich schwer. Schroer: „Das ist eher eine Coregamer-Konsole“ - hier scheinen die Besitzer also schwerpunktmäßig zu Neuerscheinungen zu greifen. Natürlich sei ak tronic vom Publisher-Trend zu weniger, dafür aber „größeren“ Titeln betroffen; die Zahl der verfügbaren Lizenzen sinkt also. Da die Budget-Vermarktung über viele Jahre liefe, könne dies kompensiert werden – einzelne Dauerbrenner wie Age of Empires seien seit über 20 Jahren im Sortiment. Die Tendenz zu weniger, dafür höherwertigen und auch höherpreisigen Budget-Spielen sieht auch Rokapublish-Gründer Kaiser: Nach seinen Worten gäbe es noch hinreichend lukrative Nischen im Low-Budget- und Indie-Sortiment.

Bares für Rares
Gerade Amazon und Steam sind dafür berüchtigt, regelmäßig an der Preisschraube zu drehen – bei Steam werden Titel im Dutzend geradezu verschleudert. Derlei Kampfpreis-Aktionen wirken sich laut Saturn-Manager Wedler durchaus auf die Budget-Umsätze aus. Dafür klingelt nach Weihnachts- und Oster-Feiertagen die Kasse im Handel: Die preissensitive Kundschaft investiert dann Gutscheine und Geldgeschenke umgehend in günstige Spiele; selbst Termine wie Zeugnisausgaben machen sich bemerkbar. Diese extreme Saisonalität gäbe es bei Casualgames zwar nicht, sagt Rokapublish-Chef Kaiser. Allerdings habe sich insbesondere Ostern zu einem „Geschenkefest“ entwickelt, von dem auch seine Firma profitiere.

Weil ihm für seine Titel grundsätzlich exklusive Vermarktungsfenster eingeräumt werden, lässt sich ak-tronic-Chef Schroer von Zeitschriften-Vollversionen und Publisher-Preissenkungen nicht aus der Ruhe bringen. Ausschläge nach oben stellt er immer dann fest, wenn Folgetitel erscheinen – Far Cry 4 lässt somit auch die Far Cry 3-Verkäufe anziehen. Doch die wirklich heiße Phase im Jahr 2016 stehe erst noch bevor: „Wir machen 40 Prozent unserer Umsätze im letzten Quartal. Umgekehrt ist zum Beispiel in Zeiten einer EM oder WM absolut tote Hose in den Game-stores.“ (pf)