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Magazin: story

Die Letzten ihrer Art

Games in Videotheken sind eine heikle Angelegenheit, zumindest aus Sicht der Publisher. Kein einziger Industrievertreter wollte mit uns über das Thema sprechen – wohl in der Befürchtung, sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Grundsätzlich wird meist stillschweigend geduldet, dass Videotheken in dieser rechtlichen Grauzone Geld verdienen. Fragt sich nur: Wie lange gibt es sie überhaupt noch, die stationären Videotheken? IGM hat die krisengeschüttelte Branche ausgeleuchtet – und Videothekare gefragt, was sie über Games-Verleih und -Verkauf denken.

„Die Videothek um die Ecke wird sterben.“ So zitierte das Handelsblatt im August den Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbandes Audiovisuelle Medien (BVV), Dirk Lisowsky. Als „Sargnagel“ für die stationären Verleiher bezeichnet der Artikel das rasant wachsende Video-on-Demand-Angebot von Maxdome, Love Film und Co.. Allein im ersten Halbjahr 2012 sei der Umsatz der Filmabrufportale um 41 Prozent nach oben geschnellt, für die kommenden Jahre rechnet der Verband mit Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent. Die stationären Videotheken, so Lisowsky, könnten da einfach nicht mehr mithalten – und seien deswegen zum Verschwinden verurteilt.
Tatsächlich mussten die physischen Video-Verleiher zuletzt stark bluten. Laut GfK hat sich die Zahl ihrer Kunden im vergangenen Jahrzehnt halbiert, auch der Umsatz sank um die Hälfte. Aktuell liegt er bei 229 Millionen Euro. Am Ende des Geschäftsjahres 2011 gab es in Deutschland noch 2.218 herkömmliche Videotheken (Vorjahr: 2.456) und 242 Automaten-Videotheken (Vorjahr: 339). Neben legalen VoD-Angeboten setzen den Videotheken auch illegale Streaming-Seiten mächtig zu. Aktionen wie die Schließung der Piratenseite kino.to im vergangenen Jahr sind da nur vorübergehende Erfolge.

„Games kosten das Zwei- bis Dreifache einer DVD/Blu-ray“

Verleihrecht entscheidendAber sind stationäre Videotheken wirklich zum Aussterben verurteilt, wie der BVV prophezeit? „Ich sehe das ein bisschen anders“, sagt Wolfgang Mohrlang. „Die Tendenz geht natürlich in diese Richtung. Ich behaupte aber: Wenn man uns lässt, wird es auch noch in fünf oder zehn Jahren stationäre Videotheken geben.“ Mohrlang ist Geschäftsführer der Atlantis Videotheken GmbH, die in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt insgesamt 16 Filialen betreibt; außerdem
ist er Mitglied der Geschäftsleitung bei der Einkaufskooperation MMG und Aufsichtsrat im Interessenverband des Video- und Medienfachhandels (IVD). Künftige Videotheken werden nicht mehr die heutige Größe haben, glaubt Mohrlang: „Sie werden anders aufgestellt sein und sich mehr auf den Verkauf konzentrieren müssen als heute. Das Entscheidende für uns ist: Gibt man uns noch das Verleihrecht? Nur dann kann es funktionieren.“

Mohrlang beklagt, dass manche Filmfirmen die negativen Verleihfenster unzulässig ausdehnen: „Man muss sich nur mal anschauen, wie Fox mit uns umgeht. Zu Weihnachten erscheint Ice Age 4, und so wie es aussieht, werden wir den Film frühestens im Februar bekommen.“ Die Einkaufsgruppen MMG und World of Video haben Fox wegen derartiger Praktiken im vergangenen Jahr sogar zeitweilig boykottiert. In den USA seien die Videotheken in einer besseren Situation, sagt Mohrlang: „Sobald man dort ein Produkt gekauft hat, kann man damit machen, was man will - ob man es nun verleiht oder weiterverkauft.“ Das nutzte die Firma Redbox, die US-weit rund 30.000 Video-Automaten betreibt: Als Warner Bedingungen diktieren wollte und die Lieferung verweigerte, holte sich Redbox die Filme aus anderen Quellen. „In Deutschland hingegen können die Filmfirmen bestimmen, was mit ihren Produkten passiert. Für uns ist das eine schwierige Situation“, sagt Wolfgang Mohrlang.