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Magazin: story

Copyright Basis-Bild: promesaartstudio/ stock.adobe.com
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Die polnische Games-Branche

Neben Firmen wie CD Projekt und Techland gibt es in Polen auch hunderte kleiner und mittlerer Studios, die eifrig an neuen Titeln werkeln. Und nicht nur das: Mit seinen 40 Millionen Einwohnern ist Polen auch ein wichtiger Absatzmarkt für Spiele. Bei einem Besuch in Warschau haben wir uns sowohl Studios als auch Händler angeschaut.
Die Fahrt geht hinaus in den Süden von Warschau. Nach einer etwa viertelstündigen U-Bahn-Fahrt steigen wir an der Haltestelle Stoklosy aus. Es geht ein paar Treppen hinauf, schon stehen wir vor einer Bürozeile, in der auch CreativeForge Games untergebracht ist. Dort werden wir von Blazej Krakowiak empfangen, dem Head of Business & Marketing bei CFG. Der freundliche Mitdreißiger führt uns durch das Studio, das eher wie eine weitläufige Wohnung wirkt. Überall wird konzentriert gearbeitet, denn hier entsteht gerade das rundenbasierte Strategiespiel Phantom Doctrine, das 2018 erscheinen soll. CFG wurde 2011 von mehreren Entwickler-Veteranen gegründet, der bislang bekannteste Titel ist Hard West, ebenfalls ein rundenbasiertes Strategiespiel. Momentan hat CFG etwas mehr als 50 Mitarbeiter – und gehört damit in Polen zu den mittelgroßen Studios. Phantom Doctrine soll sowohl für PC als auch für Konsolen erscheinen, sagt Krakowiak: "Wir haben die Engine von Unity auf Unreal umgestellt."

Game-Designer Jan Rawski zeigt uns eine Demo des Spiels und erläutert, was Phantom Doctrine so besonders macht: "Das Kalter-Krieg-Setting des Spiels ist spannend – und plötzlich auch wieder sehr aktuell. Für viele hier im Entwicklerteam hat das Spiel besondere Bedeutung, weil sie sich an das Leben auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs erinnern können." Rawski selbst ist in Deutschland aufgewachsen  und seit 2015 bei CreativeForge. Phantom Doctrine sei ein AA-Game mit hohem Wiederspielfaktor, sagt er: "Wir arbeiten sehr hart daran, damit das Spiel im sehr umkämpften Markt auch Aufmerksamkeit erhält." Der Soundtrack des Spiels stammt von niemand Geringerem als Marcin Przybylowicz: Der vielfach ausgezeichnete Komponist ist nicht zuletzt für seine Arbeit am Witcher-3-Soundtrack bekannt. Auch was die Grafik und Atmosphäre anbetrifft, hat CFG mit dem neuen Spiel sehr ehrgeizige Ziele. "Wir wollen, dass Phantom Doctrine realistischer aussieht als XCOM. Dass es seine eigene Nische findet – mit stärkerem Geschichtsbezug und Realismus."

Eklatanter Personalmangel
Phantom Doctrine sieht jetzt schon sehr gut aus – und wird gewiss sein Zielpublikum finden. Neben dem Spiel interessiert uns aber natürlich auch, was Blazej Krakowiak über die polnische Spielebranche zu sagen hat. "Die meisten Teams haben zwischen 5 und 15 Beschäftigte. Alles über 20 gilt schon als mittelgroß." Krakowiak beschreibt den Vorteil, irgendwo zwischen Großstudios à la CD Projekt und Kleinfirmen angesiedelt zu sein: "Hier bei uns haben wir mehr Einfluss darauf, was wir tun. Für ein Studio unserer Größe ist das tatsächlich ein ‚Verkaufsargument'. Ein sehr kleines Team wäre mehr wie ein Start-up, bei dem jedes Detail zählt und man sehr konservativ mit dem Budget umgehen muss." Was die ganze Branche derzeit eint, so Krakowiak, ist der eklatante Personalmangel: "Momentan braucht wirklich jedes Team neue Leute. Würde man heute 1000 Entwickler zur Verfügung stellen, würden schon morgen 200 neue Studios öffnen." Leider gebe es momentan in Polen einfach nicht genügend Entwickler. "Von den Hauptstützen aller großen Studios – den Senior Developern und Designern – haben viele sich in den Achtzigern und Neunzigern noch selbst ausgebildet", sagt er. "Dieser Pool an Leuten ist aber definitiv aufgebraucht."

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Das Kalter-Krieg-Setting ist plötzlich wieder aktuell
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Viele erfahrene Entwickler hätten schon die Runde durch alle großen Studios gemacht und strebten jetzt eher nach eigenen Projekten. Zwar gebe es auch in der jüngeren Generation sehr kreative und fähige Leute – doch einigen von ihnen fehle schlichtweg die Erfahrung, so Krakowiak. Der Veteran wünscht sich denn auch eine bessere Ausbildung in Polen: "Es gibt zwar Studiengänge, Schulen und sogar Privatakademien, zum Beispiel die Game Dev School in Warschau. Das ist gut, reicht aber nicht." Stattdessen müssen viele Studios in die Ausbildung ihrer Nachwuchskräfte investieren, was natürlich Zeit kostet. Krakowiak glaubt, dass den Studios hier auch zusätzliche Geldspritzen nicht viel helfen würden. "Es sei denn, man ist bereit, jemandem ein überhöhtes Gehalt zu zahlen, um die besten Leute aus anderen Studios zu wildern." Gerade die großen Studios greifen allerdings immer mehr auf Fachkräfte aus dem Ausland zurück. "Für sie nämlich ist es am einfachsten, Leute herzuholen, sie ordentlich zu bezahlen, ihnen bei der Eingewöhnung zu helfen und ihren Papierkram zu erledigen", sagt Krakowiak. Bei CFG machen ausländische Fachkräfte bisher nur einen kleinen Prozentsatz des Teams aus. "Wir haben einen kanadischen Artist und einen brasilianischen Entwickler", so Krakowiak. "Und wir rekrutieren auch aktiv weiter." Vielleicht ist das DIE Chance für den einen oder anderen Nachwuchsentwickler aus Deutschland...

Harte Zahlen
Halten wir fest: In der polnischen Games-Branche ist gerade viel Bewegung. Aber wie sieht es mit harten Zahlen aus? Eine gute Quelle ist jedenfalls der Bericht "State of the Polish Video Game Industry ˚17", den die Ministerien für Kultur und Wirtschaftsentwicklung zusammen mit einigen Forschungsinstitutionen herausgebracht haben (siehe Google). "Die European Games Developer Federation schätzt, dass polnische Entwicklerstudios 2016 rund 300 Millionen Euro (ca. 1,26 Milliarden polnische Zloty) eingenommen haben", heißt es im Vorwort des Berichts. Das meiste Geld werde dabei allerdings im Ausland verdient – zuletzt mit Witcher-Add-Ons oder auch dem Indie-Hit Superhot. Den Gesamtumsatz auf dem polnischen Videospielmarkt schätzt die Studie für 2016 auf 1,85 Milliarden US-Dollar; für 2019 sagt sie ein Gesamtvolumen von 2,23 Milliarden US-Dollar voraus. Auch zu den größten Studios, Publishern und Ausbildungsstätten gibt die Studie auf 104 Seiten hinreichend Auskunft. Uns interessiert allerdings der unmittelbare Eindruck, den einheimische Entscheider von der Branche haben – deshalb interviewen wir Jakub Marszalkowski von der Indie Games Poland Foundation (Indie Games Polska). Marszalkowski kommt gerade von der Game Industry Conference (GIC), die vom 5. bis 8. Oktober in Poznan stattfand; wir treffen ihn im "Reaktor", einem legendären Entwicklerzentrum in einem Privathaus nördlich des Stadtzentrums. "Indie Games Polska setzt sich für das Wachstum der Industrie ein", so der Verbandssprecher. "Wir helfen vor allem kleineren Entwicklern, arbeiten aber auch mit den größeren zusammen." Unterstützung erhalten sie zum Beispiel häufig von den 11 bit studios (This War of Mine). Marszalkowski kümmert sich bei Indie Games Polska vor allem um die "auswärtigen Beziehungen", etwa um öffentliche Vorträge und die Organisation von Messeauftritten. "Dieses Jahr waren wir mit einem polnischen Pavillon bei der gamescom", berichtet er. "Außerdem waren wir bei Pax West und bei der Tokio Game Show, aber auch bei der Quo Vadis in Berlin."

Marszalkowskis zentrale Aufgabe ist die Organisation der Game Industry Conference in Poznan. "Die GIC ist das größte B2B-Event in Polen", sagt er. Wie in den Vorjahren fand die Konferenz auch dieses Jahr parallel zur Consumer-Messe Poznan Game Arena statt. Die PGA lockte rund 73.000 Besucher an, bei der GIC waren es immerhin 3.100. "Die GIC soll inklusiv sein und sich nicht hinter einer Paywall verstecken", sagt Marszalkowski. Deshalb können PGA-Besucher ohne Aufpreis an der Konferenz teilnehmen. "Auch für Industrievertreter ist es einfacher, bei einem Event dabei zu sein, wenn es 20 statt 600 Euro kostet", so der Organisator. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Monats-Nettoverdienst in Polen bei gerade mal 748 Euro liegt; auch der von Entwicklern liegt noch teilweise sehr deutlich unter dem ihrer westlichen Berufskollegen. "Die Idee ist, Wissen frei verfügbar zu machen", sagt Marszalkowski. In diesem Jahr gab es auf der GIC insgesamt 126 Panels, Workshops und Roundtables. Zu den bekanntesten Sprechern zählten John Romero, Chris Bourassa, Josh Sawyer und Daniel Dociu. Auch eine Delegation der deutschen Games-Industrie war vor Ort – mit Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums.

Unter dem Radar
Marszalkowski schätzt, dass es in Polen mindestens 400 Spielestudios gibt. Viele davon würden derzeit noch unter dem Radar arbeiten, sagt er: "Bei der PGA habe ich mindestens zehn Studios entdeckt, die ich vorher noch überhaupt nicht kannte." Als Beispiel für ein erfolgreiches Start-up nennt Marszalkowski die Firma Vile Monarch: "Die haben zwei Leuten gestartet, die bis vor zwei Jahren bei 11 bit studios tätig waren." Vile Monarch sitzt in Warschau und hat mittlerweile rund zehn Mitarbeiter, das Studio machte mit humorvollen Games wie Oh…Sir!! The Insult Simulator von sich reden. Marszalkowski kennt aber auch einige Studios, die zwar hochqualifizierte Programmierer aus IT-Firmen haben, die ihre Games-Projekte aber vorwiegend nach dem offiziellen Feierabend vorantreiben. Würden denen zum Beispiel Steuererleichterungen nach britischem Vorbild helfen? "Das wird jetzt seit eineinhalb Jahren diskutiert", so Marszalkowski. "Es gibt mindestens zwei Vorschläge, wie das zu bewerkstelligen ist, sie schließen einander nicht aus. Einer ist ein Steuernachlass für die Produktion kultureller Inhalte, wie es ihn in vielen europäischen Ländern gibt. Der andere ist für Forschung und Entwicklung." Grundsätzlich fehlt aus Marszalkowskis Sicht aber ein spezielles Unterstützungsprogramm für kleine Gaming-Firmen. "Momentan gibt es zwar ein Accelerator-Programm, das auch gut ist – es heißt ARP Games", sagt er. "Ich glaube aber, dass wir viel mehr davon brauchen." Gerade die "Feierabend-Studios" könnten von Fördergeldern profitieren – und dauerhaft auf Vollzeitbetrieb umsteigen.

Doch halt! Ging nicht erst kürzlich das staatliche Förderprogramm GameINN durch die Presse, das immerhin 116 Millionen Zloty – umgerechnet 27,3 Millionen Euro – ausschüttet? "Westliche Medien vertreten die irrige Meinung, dass das Geld in diesem Fonds für Entwickler sehr leicht zu bekommen ist", sagt Marszalkowski. "Das ist es aber nicht. Es handelt sich dabei um R&D-Zuschüsse für Forschung und Zusammenarbeit mit Universitäten." Leider sei GameINN zu wenig auf Inhalte ausgerichtet. Blazej Krakowiak pflichtet ihm bei: "Der Fonds ist nicht nur mit Games, sondern auch mit Technologie gebündelt. Deshalb gibt es jedes Jahr Kontroversen um die bewilligten Projekte – wie etwa einen Online-Shop für Hunde." Gut wäre, sagt Krakowiak, wenn der Fonds viel stärker auf Kreativität fokussieren würde. Nur dann könnten Spiele-Entwickler voll von ihm profitieren.

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Jedes Jahr kommen neue Studiengänge hinzu
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Fonds-Füllhorn
Nicht jeder sieht GameINN so kritisch. Die CD Projekt Capital Group etwa bekam 2016 rund 7 Millionen Euro aus dem Fonds bewilligt – für insgesamt fünf verschiedene Anträge. CD Projekt arbeitet bekanntlich gerade an dem Sci-Fi-Rollenspiel Cyberpunk 2077: ein Großprojekt, über das die Öffentlichkeit noch recht wenig weiß. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Firma sich – auf unsere Anfrage hin – ausschließlich zu anderen Geschäftsbereichen äußern wollte. Etwa zur Download-Plattform GOG.com, die sich – wenn auch als kleiner Mitbewerber – neben Steam etabliert hat. Senior Communications Manager Lukasz Kukawski sieht die Verträge mit den Publishern Ubisoft (2009), Activision (2010), Electronic Arts (2011), Disney (2014) und Bethesda (2015) als wichtige Meilensteine der Firmenentwicklung. Als weitere Etappen nennt er "die Einführung neuer Titel im Jahr 2012, den Launch von GOG Galaxy im Jahr 2014, die erste Regionalversion in Frankreich 2014 und das Erreichen von 2000 DRM-freien Games in diesem Jahr". Für die polnische Games-Industrie konstatiert Kukawski einen höheren Bedarf an Risikokapital. "Die Situation verbessert sich aber definitiv, weil mehr und mehr Leute wahrnehmen, wie die Industrie wächst – und welches Geld mit Games verdient werden kann." Firmen wie CD Projekt, PlayWay, CI Games, 11 bit studios und Vivid Games sind längst an der Warschauer Börse GWP notiert; auch die Technik-Börse NewConnect sorgt für frisches Geld.

Innerhalb der Branche herrscht grundsätzlich eine sehr kollegiale Atmosphäre. "Wir sind freundschaftlich mit anderen polnischen Studios verbunden, inklusive CD Projekt", sagt etwa Rufus Kubica, Community Manager bei den Warschauer 11 bit studios. "Gerade jetzt arbeiten einige Leute für uns, die vorher an Cyberpunk 2077 und auch an The Witcher mitgewirkt haben." 11 bit studios will Anfang 2018 den Titel Frostpunk veröffentlichen, der – wie schon This War of Mine – mit moralischen Entscheidungen gespickt ist. Zu den größten polnischen Studios gehört natürlich auch die Firma Techland (Dying Light) mit Hauptsitz in Wroclaw (Breslau). "Da wir sowohl Entwickler als auch Publisher sind, arbeiten wir einerseits an unseren eigenen IPs und akquirieren andererseits neue Titel, die wir weltweit veröffentlichen", sagt Chief Publishing Officer Adam Lason. "Als Entwickler arbeiten wir derzeit an zwei AAA-Titeln mit einem Gesamtbudget von mehr als 77 Mio. US-Dollar." Als Publisher hat Techland zwei Titel angekündigt, die nächstes Jahr erscheinen sollen: Pure Farming 2018 und God's Trigger. Techlands Ziel sei, jedes Jahr zwei große Multiplatform-Titel sowie vier Titel in digitaler Distribution zu veröffentlichen, sagt Lason. "Wir haben schon mit vielen Publishern zusammengearbeitet, deshalb wissen wir aus erster Hand, was diese Art von Kooperationen für beide Seiten effizient und zufriedenstellend macht." Seinen enormen Nachwuchsbedarf stillt das Studio zum Einen über Absolventen. "Jedes Jahr kommen neue Studiengänge an öffentlichen und privaten Schulen hinzu", berichtet Maciej Laczny, Head of Process & Project Management. "Es gibt so großartige Initiativen wie die Game Dev School oder auch studentische Forschungsgruppen, sprich: TK Games. Unsere eigenen Angestellten unterstützten diese Initiativen aktiv. Das gibt uns die Möglichkeit, künftige Entwickler kennenzulernen und eine Zusammenarbeit mit ihnen zu beginnen."

Lokale Distributionspartner
Bei der Games-Produktion ist Polen ganz offensichtlich auf einem guten Weg. Doch wie sieht die dortige Handelslandschaft aus? "Koch Media arbeitet mit lokalen Distributionspartnern zusammen, um seine Games auf den polnischen Markt zu bringen", berichtet Paddy Lorkin, Head of International Sales and Marketing. "In letzter Zeit haben wir mit allen großen Playern zusammengearbeitet – inklusive Techland, CDP und Cenega. Bei ausreichend großen Titeln arbeiten wir mit den Partnern zusammen, um den In-Game-Text, die Verpackung und die Begleittexte zu lokalisieren. Die Partner kümmern sich auch um Marketing-Pläne für Konsumenten und Handel, die den globalen Marketing-Strategien von Deep Silver entsprechen." Lorkin nennt Polen einen der wichtigsten Märkte für Koch Media. "Generell gilt: Hardcore-Titel funktionieren besser, und wenn sie dann noch auf PC erscheinen, ist alles in Butter. Ein gutes Beispiel ist das anstehende Kingdom Come: Deliverance. Es wird sich in Polen extrem gut verkaufen, der Marktanteil dürfte den Markt in die globalen Top 5 befördern." In letzter Zeit seien dort einige Koch-Media-Titel gut gelaufen, darunter Persona 5, Dirt 4, F1 2017 und Micro Machines World Series.

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Generell gilt: Hardcore-Titel funktionieren besser
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Die polnische Handelslandschaft ist vielfältig. Zu den wichtigsten stationären Händlern zählen Media Markt, Saturn, Empik, RTV Euro AGD, Neonet und Media Expert. Auch Großmärkte wie Tesco und Carrefour sowie die Discounter Lidl und Biedronka mischen teilweise im Games-Handel mit. Natürlich sind auch in Polen die Online-Händler auf dem Vormarsch, zum Beispiel Gram.pl, Gry Online, cdp.pl und muve.pl. Wir wollen wissen, wer in Warschau handelsmäßig die Hosen anhat – und begeben uns auf die Suche nach Händlern in der Innenstadt. In zentraler Lage stoßen wir auf den Ultima Video Games Store, den es bereits seit 1997 gibt. Der Verkaufsraum hat nur ca. 35 Quadratmeter; auf der rechten Seite befindet sich eine große Glasvitrine mit neuen Spielen. "Hier ist ein guter Ort, um Games zu verkaufen", sagt der Mitarbeiter namens Michal. Viele Büroangestellte aus den benachbarten Hochhäusern kaufen hier ein, direkt gegenüber befindet sich zudem eine Schule. "Wir verkaufen vor allem online", schränkt Michal ein. "Das hier ist der Abholort für Bestellungen aus Warschau."

Bestellungen aus Deutschland
Ultima hat viel Kunden im Ausland, etwa in Deutschland und den USA. "Manchmal fragen die ausländischen Kunden auch gezielt nach der polnischen Version eines Spiels", berichtet Michal. Ultima führt zwar auch Gebrauchtspiele – diese seien aber nur ein Nebengeschäft: "Die meisten Leute kaufen neue Spiele." Ein PS4-Spiel kostet im Laden zwischen 230 und 240 Zloty, umgerechnet 55 Euro; die PS4 Slim 1TB gibt es für 1399 Zloty und die PS4 Pro für 1659 Zloty. Aber wie ist das Angebot bei anderen Händlern?

Um diese Frage zu beantworten, besuchen wir noch die "Goldenen Terrassen", ein Einkaufszentrum direkt am Hauptbahnhof. Hier gibt es nicht nur einen Saturn, sondern auch eine Filiale des Multimedia-Händlers Empik und eine des Elektronikhändlers Komputronik. Die Stippvisite bei Saturn zeigt: Aufmachung und Angebot unterscheiden sich nur marginal von deutschen Filialen. Ausnahme: Im Warschauer Saturn wird nicht genau auf Jugendschutz geachtet, auf einem Screen laufen Gameplay-Szenen aus The Evil Within 2. Nebenan, bei Empik, gehen die Games im Großaufgebot von Büchern, Filmen und Spielsachen etwas unter. Komputronik indes hat zwar reichlich Games-Zubehör, aber nur ein sehr reduziertes Spiele-Angebot. Fazit: Der stationäre Handel konzentriert sich – zumindest in der Hauptstadt – auf wenige Hot Spots. Wer Games sucht, wird in Warschau aber auf jeden Fall fündig. (feh)