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Magazin: story

Die schlimmsten Spaßverderber

Sogar die allerbesten Spiele leiden unter ihnen: Spaßbremsen. Dabei meinen wir keine Bugs oder öde Grafik, sondern Designschnitzer, Unlogik, langweilige Wiederholungen und stupide Aufgaben. Wir haben die schlimmsten Sünden zusammengestellt.

Helden von der StangeWen man zehn Menschen fragt, ob sie Micky Maus oder Donald Duck lieber mögen, antworten elf mit Donald Duck. Die Begründung ist immer die gleiche: Donald ist schusselig, scheitert immer wieder, rappelt sich aber genauso oft wieder auf. Kurzum: Der Enterich ist menschlicher als die Maus, wir können uns besser mit ihm identifizieren – Micky hingegen ist der unfehlbare Streber, dem immer alles gelingt. Langweilig!
Umso unverständlicher, dass wir in der Spielegeschichte immer wieder auf Helden-Abziehbilder stoßen. Mit dicken Armen (Männer) und dicken Sie-wissen-schon (Damen). Die Klischee-Sprüche loslassen, die wir schon x-fach gehört haben. Das ist bei zwei Urgestalten okay, nämlich bei Lara und dem Duke, weil beide das Klischee quasi erfunden haben. Alle anderen sind nur Abziehbilder. Zum Glück gibt es immer mehr »gebrochene« Helden, mit Schrammen an Leib und Seele. Vom tragischen Max Payne bis zum Uncharted-Recken Nathan Drake, quasi der Enkel von Indiana Jones.

08/15-StorysAliens überfallen die Erde, Terroristen kapern Atomwaffen/Nervengas/Viren, Fantasy-Herrscher entführen Prinzessinnen. Seit Space Invaders stoßen wir laufend auf diese Basis-Storys, leicht abgewandelt. Dabei können Spiele doch so viel mehr, als unaussprechliche Alienrassen in einer verworrenen oder vorhersehbaren Geschichte zu verteilen und uns das Ergebnis als „fesselnde Storyline voller aufregender Twists“ zu verkaufen.

„Für so etwas gehören Entwickler geschlagen“

Dass man aus dem uralten Aliens-gegen-Erde-Thema unglaublich viel herausholen kann, zeigt Mass Effect. Aber warum? Weil sich die Serie drei Teile und zig kleine Addons lang Zeit nimmt, eine wirklich epische Geschichte zu erzählen, Hintergründe zu erläutern, viele Handlungsstränge stimmig zu verknüpfen – und echte Charakterköpfe aufzufahren, wie wir im Absatz oben gefordert haben. Das Wort „Epos“ wird in Pressemeldungen ja gerne verbraten, bei Mass Effect trifft es absolut zu.

Und ewig lockt die KisteWir wissen nicht genau, wer damit angefangen hat, haben aber eine Theorie: Irgendwann vor zwanzig Jahren istMax Payne als Paradebeispiel für glaubwürdige Helden Max Payne als Paradebeispiel für glaubwürdige Helden ein Gamedesigner umgezogen, mit vielen Umzugskisten. Dann hat er verzweifelt seine Socken gesucht, Karton um Karton geöffnet, geflucht, weitergesucht. Die Socken waren natürlich in der letzten Kiste. Genervt setzt sich der Kerl an sein Designdokument und fügt folgenden folgenschweren Satz ein: „unbedingt Munition und Items in Kisten verstecken!“

Und seitdem öffnen, zerschlagen, zerschießen wir Kisten. Sogar in Top-Spielen wie Half-Life 2 oder Skyrim können wir an keiner vorbeimarschieren, denn es könnte ja was Wichtiges drin sein. Dass wir drei Schuss Munition verschwenden, um zwei zu bekommen – egal. Dass wir gerade eine Prinzessin, Welt oder Atomwaffenlieferung retten müssen (siehe oben) – egal. Dass es völlig unlogisch ist, dass aus einer Klaviergroßen Kiste nur ein verschämtes Pistolenmagazin purzelt – egal.