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Magazin: story

Die Schweizer Games-Branche

Lila Kühe, löchriger Käse, präzise Uhren: Alles Dinge, die gemeinhin mit der Schweiz assoziiert werden. Doch wenden wir den Blick lieber weg von den Klischees und hin zur Schweizer Spielebranche: Im ersten Teil unserer Miniserie geht es um den Absatzmarkt im Nachbarland.

Sind die Schweizer ein Volk von Gamern? Rein volkswirtschaftlich betrachtet sind die Voraussetzungen dafür  „Positive Impulse für den Gesamtmarkt“ Peter Züger, Präsident SIEA: „Positive Impulse für den Gesamtmarkt“ exzellent: Nach einer Studie von GfK GeoMarketing besitzen die 7,8 Millionen Einwohner des Alpenlandes durchschnittlich gut anderthalb Mal so viel Kaufkraft wie ihre deutschen Nachbarn, wobei der starke Schweizer Franken natürlich eine Rolle spielt. Das verfügbare Nettoeinkommen liegt in der Schweiz bei umgerechnet 31.666 Euro je Einwohner, in Deutschland nur bei 20.014 Euro. Die imposanten Zahlen werden von der aktuellen Forbes-Liste der reichsten Länder noch untermauert: Hier belegt die Schweiz mit einem BIP von 41.950 US-Dollar/EW den neunten Rang. Eigentlich – so denkt man – müssten die Schweizer Konsumenten genügend Geld haben, um sich großzügig mit Games, Konsolen und Zubehör einzudecken.

Das eidgenössische Pendant zum deutschen BIU heißt SIEA. Im Juni veröffentlichte die Swiss Interactive Entertainment Association ihre Marktzahlen für das vergangene Jahr, Überschrift: „Dynamischer Schweizer Gaming-Markt – Segmente für Videospiele-Hardware und Games auf Vorjahresniveau“. Beim Lesen des Berichts wird allerdings deutlich, dass sich die Konstanz vor allem auf die Absatzzahlen bezieht. Der Gesamtumsatz bei Hard- und Software fiel mit 14,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr deutlich: 2011 lag er bei knapp 297 Mio. Franken, umgerechnet etwa 247 Mio. Euro. Am meisten blutete im letzten Jahr der schweizerische Hardware-Markt: Der Umsatz mit stationären und mobilen Konsolen stürzte um 18,1 Prozent ab. Im Software-Segment sah es auch nicht viel besser aus: Zwar schrumpfte der Absatz im klassischen Retail-Handel „nur“ um 4,5 Prozent. Beim Umsatz mit PC- und Konsolenspielen gab es im Jahresvergleich aber ein deftiges Minus von 14,5 Prozent.

„Der stationäre Handel entwickelt sich negativ“

Starker FrankenEine Insel der Seligen ist die Schweiz im klassischen Games-Handel also nicht – es ist eher so, dass dessen Entwicklung dem internationalen Trend folgt. „Wie in den übrigen Ländern stellen wir auch in der Schweiz fest, dass der Online-Bereich stark wächst und der stationäre Handel sich negativ entwickelt“, sagt SIEA-Präsident Peter Züger gegenüber IGM. „Das kontinuierliche Minus im einstelligen Bereich [Absatz, Anm.d. Red.] wurde in den letzten 18 Monaten v.a. durch den Wechselkurs Franken/Euro stark negativ geprägt“, so Züger weiter. Laut Jahresbericht sind satte 15 bis 20 Prozent des Umsatzrückgangs auf die Euro-Schwäche zurückzuführen, die „zu Preisanpassungen zugunsten der Schweizer Konsumenten geführt hat“. Wie hoch das Wachstum bei Smartphone-, Tablet- und Browsergames ist, wird von der SIEA statistisch noch nicht erhoben. Den offensichtlichen Boom dieses Segments möchte der Verband jedenfalls positiv bewertet sehen: „Diese Entwicklungen stellen eine wertvolle Ergänzung sowie Bereicherung der Game-Kultur dar, verleihen dem Gaming insgesamt positive Impulse, erhöhen dessen gesellschaftliche Relevanz und lassen den Gesamtmarkt anwachsen“, schreibt Züger im Fazit des Jahresberichts.

Dass die stationären Retailer das ähnlich positiv sehen, darf zumindest bezweifelt werden. Aber wie sieht sie eigentlich aus, die Schweizer Handelslandschaft? „Wir schätzen die Anzahl der stationären Game-Händler auf rund 50“, informiert uns Peter Züger. Ein aktuelles Gesamtverzeichnis liegt zwar nicht vor, auf siea.ch findet man aber ein Verzeichnis aller Händler, die den Code of Conduct für den Jugendschutz unterzeichnet haben. Die Schweiz greift bekanntlich auf das PEGI-System zurück – der Verhaltenskodex soll sicherstellen, dass die Händler die Standards zur freiwilligen Selbstkontrolle auch erfüllen.

Der Code of Conduct sieht nicht nur Alterskontrollen und Werbeeinschränkungen vor, sondern verpflichtet die Händler auch, nur Spiele mit PEGI-Rating zu verkaufen. Zu den Unterzeichnern gehören alle großen Game-Retailer der Schweiz, also FNAC, Fust, Ex-Libris, Interdiscount, Manor, Media Markt, Migros und GameStop.