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Magazin: story

Die Schweizer Games-Branche - Teil 2

In Teil 1 unserer Miniserie „Schweiz“ haben wir Handel, Distribution und Verbandstätigkeit vorgestellt (IGM 12/12). Der abschließende zweite Teil widmet sich der lebendigen Entwicklerszene in unserem Nachbarland.

Heidi rennt. Das rotbezopfte Gör spurtet über Berg und Tal, durch Tunnels und über Brücken. Unterwegs kommt Heidi an Kühen, Käserädern und Schweizer Wahrzeichen vorbei. Mit einem Fingerwisch lässt man sie über Hindernisse springen oder unter ebensolchen hindurchrutschen. Es gilt, möglichst schnell zu sein und möglichst viele Swiss Coins zu sammeln – denn mit denen kann man sich anschließend Schweizer   „Gesellschaftliche Fragen aufgreifen“ Sylvain Gardel, Pro Helvetia: „Gesellschaftliche Fragen aufgreifen“ Vorzeigeprodukte wie Taschenmesser und Schokolade kaufen. Kurz gesagt: Heidi on the Move, ein Minispiel der Smartphone-App Swiss Games, geht reichlich augenzwinkernd mit alpenländischen Klischees um. Nicht weniger ironisch sind die anderen Disziplinen: Traditionelles Talerschwingen mit Gyroskop-Unterstützung sowie Augmented-Reality-Zielschießen à la Wilhelm Tell.

Hightech plus Folklore: Das war die Mischung, die unser Nachbarland anlässlich der Olympischen Sommerspiele im Londoner House of Switzerland präsentierte. In der Swiss Game Lounge waren neben besagter Smartphone-App noch zwanzig weitere Spiele aus Schweizer Produktion zu begutachten. Mehr als 10.000 Menschen besuchten binnen dreier Wochen die Ausstellung – ein voller Erfolg. An der Organisation der Lounge waren mehrere Akteure beteiligt: die staatliche PR-Abteilung Präsenz Schweiz, Stadt und Kanton Zürich, die Haute Ecole d' Art et Design de Genève (HEAD) sowie die Initiative GameCulture. Besonders letztere hat in den vergangenen Jahren viel für die Außendarstellung der Schweizer Games-Industrie getan: Sie unterstützte die Teilnahme einheimischer Entwickler an der GDC, an der E3 und an den Deutschen Gamestagen, organisierte Wanderausstellungen und Festivalbeiträge.

„Wir beleuchten Computerspiele als neue Kunstform“

Konferenzen,
Ausstellungen, Fördermittel
Vor allem aber ist GameCulture im Inland aktiv. „Mit dem Programm greift die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia seit Herbst 2010 die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ästhetischen Fragen rund um Computerspiele auf und beleuchtet sie als neue Kunstform“, sagt der Leiter von GameCulture, Sylvain Gardel. Noch immer würden Games in der Bevölkerung stark mit Gewalt- und Suchtproblematiken assoziiert, so Gardel. „Wir haben diese Diskussion genutzt, um andere Aspekte des Themas 'Computerspiele' zu platzieren. Wir hatten andere, neue Inhalte, die die Medien noch nicht thematisiert hatten. Fast alle Medien beschäftigten sich in der Folge mit der jungen, aufstrebenden Schweizer Gameszene.“ Erreicht hat dies GameCulture mit drei Ausstellungen in Lenzburg, Basel und Yverdon – und mit mehr als 40 Konferenzen bei Filmfestivals und ITK-Messen, in Museen und Universitäten. Die Rückendeckung der Hochschulen hatte GameCulture von Anfang an: An der Ausarbeitung des Programms waren unter anderem die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH), die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und die Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) beteiligt. GameCulture unterstützt die Schweizer Spielebranche aber nicht nur mit Ausstellungen und Konferenzen – es fließen auch direkte Fördergelder. Im September 2010 lancierte Pro Helvetia gemeinsam mit dem Bundesamt für Kultur, der Fondation Suisa und dem Internationalen Animationsfilmfestival Fantoche den „Call for Projects: Swiss Games“ für einheimische Spieleentwickler. 36 Prototypen wurden eingereicht, von denen sieben finanzielle Unterstützung erhielten – unter anderem der Platformer Feist und das Adventure Daine: The Herbarium. Im Juli 2012 wurde der „Call for Projects“ neu aufgelegt, dieses Mal in Kooperation mit dem Neuchâtel International Film Festival (NIFFF). Der Rahmenkredit für die Ausschreibung beträgt 150.000 Schweizer Franken (123.000 Euro), einzelne Projekte werden mit maximal 50.000 Euro gefördert. Das Gesamtbudget für die GameCulture-Initiative liegt bei rund 4 Millionen CHF (3,28 Mio. Euro), Pro Helvetia steuert 1,5 Mio. CHF bei.