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Magazin: story

Copyright Basis-Bild: Aaron Amat/stock.adobe.com, Sondem/stock.adobe.com
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Die Stimme der Spieler

Sie sind die eigentlichen Hauptdarsteller der gamescom: die Besucher. Mehr als 300.000 kamen dieses Jahr nach Köln, um ihr Hobby zu feiern. Doch ist die gamescom überhaupt passgenau auf die Besucher zugeschnitten? Oder gehen manche Angebote an der Nachfrage vorbei, sorgen sie gar für Frust? IGM hat Besucher am Messe-Donnerstag nach ihrer Meinung gefragt.
Sie sitzen im Sonnenschein und machen gemütlich Brotzeit. So eine Messe kann ganz schön stressig sein, aber die sieben Freunde lassen es ruhig angehen. Zeit also für ein IGM-Interview! Schließlich wollen wir herausfinden, was die Besucher von der gamescom halten – ob sie mit der Organisation zufrieden sind, welche Spiele sie anschauen wollen, was sie von den Preisen halten.

Natascha (24) und Marcel (29) kommen beide aus Köln und sind auch nicht zum ersten Mal auf der Messe. "Ich finde es dieses Jahr bisher sehr ruhig", sagt Natascha, die als Figur aus dem Anime No Game No Life verkleidet ist. "Letztes Jahr kamen wir gar nicht so richtig durch die Merchandise-Halle durch, da mussten wir uns wirklich durchquetschen", sagt sie. Natascha und Marcel sind vor allem wegen Gwent hier. "Sie haben eine neue Singleplayer-Kampagne angekündigt, es kommen neue Karten raus", so der 29-jährige. "Bei der gamescom findet auch ein Turnier statt, da werden Gewinne von 10.000 bis 15.000 Euro ausgeschüttet. Für ein neues Spiel ist das relativ viel." Ansonsten stehen bei dem Pärchen keine besonderen Spiele im Fokus. "Wir wollen lieber alles anschauen und die Atmosphäre genießen", sagt Natascha.

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Ich finde es
dieses Jahr bisher sehr ruhig
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Lockere Atmosphäre
Die siebenköpfige Freundesgruppe ist für mehrere Tage auf der Messe. Natascha und Marcel wollen auf jeden Fall noch im Cosplay Village vorbeischauen. Ihn fasziniert, wie viel Mühe sich manche Cosplayer geben: "Andere gehen aber den einfachen Weg und bestellen im Internet fertige Kostüme." Im Village herrsche immer eine lockere Atmosphäre, lobt Marcel. Die beiden schauen auch gerne an den Messeständen der Hochschulen vorbei, weil dort oftmals neue Leute angeworben werden. Natascha findet gut, dass auch eine Firma wie die DKMS vor Ort ist, die gegen Blutkrebs kämpft. Dass Angela Merkel die gamescom besucht, findet sie allerdings "sehr scheinheilig". Für Merkel sei die Messe doch vor allem eine Wahlkampfbühne, ergänzt Marcel: "Ich denke, dass sie nahezu kein persönliches Interesse an Games hat. Sie sieht das eher als eine Messe mit vielen Wählern. Außerdem bringt eine Messe natürlich auch finanziell ordentlich was für die Stadt Köln und somit auch für die Kommunen." Immerhin lobt er den Auftritt der Kanzlerin als "sehr professionell".

Zu unserer Interview-Runde gehören auch die drei Freunde Michael (26), Mark (25) und Till (26). Michael kommt aus Troisdorf, Mark aus Wesseling und Till direkt aus Köln. Till ist vor allem wegen der anderen hier, sagt er: "Ich bin nicht so der Zocker". Allerdings haben ihm die ersten paar Stunden auf der Messe bereits sehr gut gefallen, und er kann sich auch vorstellen, im nächsten Jahr wieder vorbeizuschauen: "Aber auch nur, weil ich hier in Köln wohne. Extra anreisen würde ich eher nicht." Nach der Messe-Organisation befragt, übt Michael durchaus scharfe Kritik: "Die Security weiß zum Teil nicht, was sie tut, und die Dinge sind einfach nicht abgesprochen." Zur Illustration schildert er eine Episode vom Vortag: "Wir wollten gestern in Halle 5 gehen. Der Mittelgang, durch den normalerweise alle Leute laufen, war abgesperrt – und man sollte außenrum gehen." Die Gruppe sei dann fast zehn Minuten unterwegs gewesen, bis sie merkte, dass sie in einer Sackgasse war. "Wir haben dann dort jemanden gefragt", erzählt Michael. "Und der hat uns gesagt, dass wir dem Ordner einfach hätten sagen müssen, dass wir nach Halle 5 wollen." Solche Umwege verschlingen viel Zeit – und die ist den Messebesuchern sehr kostbar.

Kompetenzunterschiede
Michael hat beim Personal deutliche Kompetenzunterschiede ausgemacht: "Es gibt bestimmte Angestellte, die hier zur Messe-Sicherheit gehören. Die kennen sich auf dem Gelände deutlich besser aus als die Angestellten der externen Firmen." Marcel kritisiert derweil die Einlasskontrollen – diese seien schon im Vorjahr sehr halbherzig gewesen: "Es wird nicht wirklich kontrolliert, ob Essen im Rucksack ist und was sich in den Flaschen befindet. Auf den ersten Blick mag das hier alles sehr sicher wirken, weil viel Security da ist. Die Durchführung lässt aber zu wünschen übrig." Natascha urteilt ebenfalls hart: "Die Kontrollen bringen mehr Ärger als Sicherheit. Wenn man es so macht, kann man es auch direkt sein lassen."

Als Cosplayer sind Marcel und Natascha von der Verschärfung der Einlasskontrollen betroffen. Marcel glaubt, dass die strengeren Regeln einige Cosplayer vom Messebesuch abgehalten haben – der Aufwand sei dadurch schlichtweg zu groß. Erstmals gab es bei der gamescom separate, aber auch fakultative Eingänge für Cosplayer: Von dem hat Natascha im Vorfeld allerdings nichts mitbekommen. "Mir wurde gesagt: ‚Sie müssen eigentlich zu einem anderen Eingang'", erzählt die 24-jährige. "Und das, obwohl ich gar keine Deko-Waffe dabei habe." Letztendlich habe der Ordner aber mit sich reden lassen und die beiden durchgewunken.

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Die Kontrollen bringen mehr Ärger als Sicherheit
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Verzicht aufs Warten
Daniel (21, Wiesbaden) und Luise (24, Kassel) sind derweil unverkleidet auf die Messe gekommen. Daniel ist zum zweiten Mal auf der gamescom und schätzt vor allem die tolle Atmosphäre. Auch der gamescom-Novizin Luise macht die Messe Spaß: "Hier sind zwar viele Leute, aber das stört mich eigentlich nicht." Daniel will sich nicht lange in irgendwelche Schlangen stellen: Es reicht ihm, anderen beim Spielen zuzuschauen. In seiner Freizeit spielt das Pärchen hauptsächlich League of Legends. "Da bleibt nicht viel Zeit für andere Spiele", sagt Daniel. "Minecraft spielen wir nur so nebenbei." Fast alle Mitglieder der siebenköpfigen Gruppe spielen am PC, viele auch auf der PS4, nur ein paar auf Nintendo-Konsolen. Die Eintrittspreise der gamescom findet das gesamte Grüppchen vertretbar. Natascha und Marcel haben ihre Tickets nicht bei der Messe selbst, sondern bei Saturn gekauft. "Andere Messen sind deutlich teurer, zum Beispiel die Boot, die Anuga oder die Intermot", sagt Marcel. "Bei der Anuga kostet die Tageskarte 60 Euro. Hier haben wir als Erwachsene ohne Vergünstigung 14 Euro bezahlt." Beim Essen setzt er allerdings auf Selbstversorgung: "Eine Nudelbox mit Gemüse kostet um die 10 Euro – das sind Preise, die man nicht bezahlen möchte."

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Merchandise kaufen wir immer zum Schluss
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Auf der Treppe zur Halle 10 treffen wir die gamescom-Besucher Andreas (45) und Rebecca (26), beide aus Wiesbaden. Das Pärchen ist vor allem wegen AAA-Titeln von Blizzard und EA hier. Mit den langen Wartezeiten haben sie so ihre Erfahrungen gemacht. "Letztes Jahr standen wir für Battlefield 1 vier Stunden an. Die Anspiel-Session dauerte dann zehn Minuten", erzählt Rebecca. Diesmal schauen sie erst, wie lange die Schlange ist, und kommen gegebenenfalls später wieder vorbei – mit vier Messetagen haben sie auch genügend Manövriermasse. "Ein bisschen voll ist es schon", findet Andreas. Rebecca indes findet es "zu voll. Es sollte ein Maximum von Leuten geben, die in die Hallen dürfen". Kritik übt sie auch am Management der Parkplätze: "Man sollte ansagen, wo noch Platz ist, damit die Schlangen nicht zu lang werden. In Parkhäusern gibt es ja auch Anzeigetafeln."

Geballte Ladung
Niklas (17) stört der Rummel nicht besonders. Er ist mit drei Freunden aus der Nähe von Hof nach Köln gefahren – gemeinsam haben sie dort schon vor Monaten ein Apartment gemietet. Zu Niklas' Lieblingsspielen zählt League of Legends. Auf der gamescom schaut er sich Spiele wie Destiny 2, Assassin's Creed: Origins und das neue Life is Strange an. "Gestern hat uns auf jeden Fall South Park am besten gefallen", erzählt er. "Die Demo ging ungefähr eine halbe Stunde. Anstehen mussten wir dafür eine gute Stunde." Auch sonst hielten sich die Wartezeiten in Grenzen: Für Dragonball mussten die Freunde rund 20 Minuten warten. Außer Games schauen sie sich auf der Messe auch einige Influencer-Shows an. "Die heizen die Stimmung immer gut an und holen auch Zuschauer auf die Bühne", sagt Niklas. Bei League of Legends habe ein Kumpel sogar in einem Bühnen-Wettkampf eine Tastatur gewonnen. Auch für VR interessiert sich Niklas: "Neue VR-Spiele, die hier gezeigt werden, schauen wir uns auch an." Das Rahmenprogramm der Messe interessiert die Gruppe allerdings nicht besonders, sie gehen lieber abends in den Biergarten, weil man da besser entspannen kann. Auf der Messe selbst haben sie kaum eigene Verpflegung dabei, um Ballast zu vermeiden. "Das Essen ist zwar überteuert", sagt Niklas, "wir kaufen es aber trotzdem".

Wie stehen die von uns befragten Besucher zum Thema Merchandise? Decken sie sich in Halle 10.1 flächendeckend ein – oder verschmähen sie das Angebot? "Merchandise kaufen wir immer zum Schluss, dann müssen wir nicht lange mit den Sachen rumlaufen", sagt Natascha. Letztes Jahr hätten sie sich bereits eine ganze Deko-Wand geholt: "Die Wände sind jetzt voll, deshalb kaufen wir diesmal Deko-Figürchen." Marcel erzählt, dass man hier Edelstahlschmuck teilweise erstaunlich günstig bekommt: "Also Sachen, die man nicht nur auf solchen Events, sondern auch privat tragen kann." Marcel hat es diesmal auf klassische Dekor-Elemente wie Kerzenhalter abgesehen, "die man auch unauffällig in die normale Deko mit einbauen kann". Mark wiederum sucht nach kleinformatigem Merchandise von der Firma Game Legends. Normalerweise erwirbt er Merchandise nur von der gamescom selbst: "Bei mir ist Tradition, jedes Jahr eines der gamescom-Shirts zu kaufen."

Wie Mark, Marcel und Natascha hat hier jeder Besucher seine ganz eigenen Vorlieben und Messe-Rituale. Genau das macht die gamescom so vielfältig – und die Organisation zur Herausforderung. (feh)