Anzeige

Anzeige

Magazin: story

Endstation Ergänzungssortiment?

Sie haben den Anspruch, Vollsortimenter zu sein: SB-Warenhäuser protzen mit großer Auswahl auf großer Fläche. Aber sind sie auch ein ernstzunehmender Vertriebskanal für Games? IGM hat sich umgeschaut.

Ihr Sortiment reicht von der Cornflakes-Packung bis zum Jogginganzug, vom Bügeltisch bis zum Plasma-Bildschirm: SB-Warenhäuser bieten so „Breit gefächerter Vertrieb“ Kathrin Tamburello, Nintendo: „Breit gefächerter Vertrieb“ ziemlich alles, was die deutsche Durchschnittsfamilie an Konsumgütern benötigt. In den weitläufigen Food-Abteilungen findet man neben Fertig- und Tiefkühlprodukten auch Frischetheken mit Fleisch, Wurst, Käse und Fisch; in den Nonfood-Abteilungen reicht das Angebot von Bekleidung über Sportartikel bis hin zur Unterhaltungselektronik. Von Supermärkten unterscheiden sich SB-Warenhäuser durch das breitere Nonfood-Sortiment, von klassischen Warenhäusern vor allem durch die Selbstbedienung mit Einkaufswagen. Um all die vielen Waren unterzubringen, ist eine enorme Verkaufsfläche nötig: Die Mindestgröße liegt bei etwa 2.500 Quadratmetern, bisweilen sind es 10.000 und mehr.

In diesen schier unendlichen Einkaufsweiten findet man auch das, was man eher bei MSH oder im Fachhandel erwartet: Games. Als Vollsortimenter haben SB-Warenhäuser den Anspruch, auch das Feld der digitalen Unterhaltung zu beackern. Allerdings gibt es zwischen den Handelsketten große Unterschiede, was Angebotsvielfalt, Präsentation und Nachfrage betrifft. Wer Tomaten oder Tiefkühlpizza verkaufen kann, hat noch lange nicht das Know-How eines Spielehändlers. Grundsätzlich lässt sich fragen, ob Games in SB-Warenhäusern überhaupt Sinn machen – oder ob sich der Anbieter damit nur verzettelt. Und was sagen die Spielehersteller selbst zum Vertriebskanal SB-Warenhaus?

Platz 5 im EinzelhandelEhe wir uns diesen Fragen widmen, werfen wir einen kurzen Blick auf die deutsche Einzelhandelslandschaft. Die SB-Warenhäuser – und ihre flächenmäßig kleineren Versionen, die sogenannten Verbrauchermärkte – kamen 2011 auf einen Umsatzanteil von 12,7 Prozent und damit auf Platz fünf aller Vertriebsformen (Quelle: IFH Retail Consultants). Die ersten vier Plätze belegen der nicht filialisierte Fachhandel (21,3 Prozent), Fachmärkte (15,1), Discounter (14,9) sowie Filialisten des Fachhandels (14,1). Welche aber sind die größten SB-Warenhaus-Unternehmen? Stützt man sich auf eine Rangliste aus dem „Metro-Handelslexikon 2011/2012“, dann führte 2010 beim Bruttoumsatz Kaufland (Schwarz-Gruppe) vor real,- (Metro Group), Marktkauf/E-Center (Edeka-Gruppe), Globus und Toom/Rewe West (Rewe Group). Die Top 10 kamen 2010 auf ein Gesamtvolumen von rund 38 Milliarden Euro.

Diese Zahl verrät erstmal nichts über den Wandel, den die SB-Warenhäuser in den letzten Jahrzehnten durchgemacht haben. In den 60er und 70er Jahren waren sie noch die erfolgreichste Betriebsform im Einzelhandel, gerieten dann aber durch Discounter und Erlebniskauf unter Druck. Die Flächenexplosion der Anfangsjahre hatte bei den SB-Warenhäusern Überkapazitäten geschaffen, die es nun abzubauen galt. Im neuen Jahrtausend führte der Konkurrenzdruck zu einem deutlich sichtbaren Konzentrationsprozess. „Einige Selbstständige haben aufgegeben und sind übernommen worden“, erläutert Josef Schmidt, Geschäftsführer der Solution Management + Consulting Saarbrücken GmbH.  „Games werden mitgekauft“ Josef Schmidt, Solution Management + Consulting GmbH: „Games werden mitgekauft“ „Beispielsweise wurden die Ratio-Märkte, die ein großes Nonfood-Sortiment hatten, von Edeka geschluckt. Die Warenhäuser der famila Rhein-Neckar [Lupus] wurden komplett von der Kaufland-Gruppe übernommen. Ein weiteres Beispiel ist Marktkauf, dessen SB-Warenhäuser auf die Regionalgesellschaften von Edeka verteilt und teilweise in E-Center umgewandelt wurden.“

Fehlende Nonfood-KompetenzBranchenkenner Schmidt beschäftigt sich mit der Zukunftstauglichkeit der Anbieter. „Im Food-Bereich können SB-Warenhäuer mit allen anderen Einzelhandelsformen konkurrieren: Dank ihrer schieren Fläche können sie das breiteste und tiefste Sortiment bieten. Die Krux ist aber, dass das im Nonfood-Bereich nicht möglich ist. Dort trifft man in vielen Bereichen auf Fachmärkte und auf Spezialisten, die ein wesentlich tieferes Sortiment bieten.“ Fehlende Nonfood-Kompetenz sei eine Gefahr für die SB-Warenhäuser, warnt Schmidt: „Nonfood ist notwendig, wenn ich große Flächen vernünftig bewirtschaften will. Es macht keinen Sinn, über eine bestimmte Quadratmeter-Grenze hinaus weitere Food-Spezialitäten anzubieten.“ Haushalts- und Schreibwaren gehören nach Meinung des Experten zum Nonfood-Pflichtprogramm. „Games stellen ein Ergänzungssortiment dar und werden von den Kunden mitgekauft. Man wird sich damit allerdings kaum profilieren können – da sind andere Anbieter einfach stärker.“ Am besten stehen die Chancen noch in den ländlichen Gebieten: Je weiter der nächste Media Markt oder Saturn entfernt ist, desto mehr Umsatz kann ein SB-Warenhaus mit Unterhaltungselektronik generieren.