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Magazin: story

© Peter Smola / <a href="http://www.pixelio.de">www.pixelio.de</a>
© Peter Smola / www.pixelio.de

Free2Play: Ist der Lack ab?

Am 21.06.12 gibt EA‘s „Chief Operating Officer“ Peter Moore eine jener Phrasen zum Besten, die ihn seit vielen Jahren zu einer so herrlich kontroversen Figur machen: Fast alle Videospiele wären in Zukunft nur noch „Free2Play“ und würden sich demnach fast ausschließlich über Micro-Transactions finanzieren. „Ich glaube, dass letztlich in jedem Spiel Micro-Transactions untergebracht werden, doch das Spiel selbst oder der Zugang dazu kostenlos sein wird“, verrät er dem US-Gaming-Blog kotaku.com. Weiterhin erklärt Moore, dass das klassische „60-Dollar-Spiel“ zwar nicht gänzlich verschwinde, aber allmählich an den Rand gedrängt werde. Aber wie realistisch ist das? Machen Free2Play und Micro-Transactions wirklich Kasse? IGM über ein Business-Modell, das seine Goldgräber-Zeit schon hinter sich hat.

Keine Frage: Moore kennt sich aus, immerhin hat der mittlerweile 57-jährige Games-Veteran bereits Konsolen wie den Dreamcast, die erste Xbox und zuletzt die Xbox 360 vom Reißbrett bis ins Ladenregal begleitet, bevor er 2007 von Microsoft in die EA-Sports-Ecke wechselte.

„Nach den Goldgräber-Jahren sehen wir jetzt eine erste Konsolidierung“

Trotzdem sind seine jüngsten Äußerungen mit Vorsicht zu genießen: Die fast schon zwanghaften Bemühungen seines Arbeitgebers, im Micro-Transactions-Segment Fuß zu fassen, treffen gerade bei der klassischen Gamer-Kundschaft auf wenig Gegenliebe: Zumal EA seine Taktiken wenig diplomatisch kommuniziert. Ginge es nach dem Publishing-Riesen, dann würde vermutlich jeglicher Spiele-Content in überteuerten Häppchen serviert und durch hochpreisige Ingame-Purchases angereichert werden. Eine These, die von Titeln wie „Mass Effect Infiltrator“ (iPad) zusätzlich gestützt wird: Ohne dessen Genuss z.B. ist es sehr viel mühseliger, beim dritten Teil der Space-Opera den bestmöglichen Abspann zu  Peter Moore von EA Glaubt, dass Micro-Transactions die Branchen-Zukunft sind: Peter Moore von EA sehen. Das Hinterhältige daran: Das im Appstore für knapp vier Euro erhältliche „Infiltrator“ ist selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad dermaßen knackig, dass es sich nur mit Hilfe von Micro-Transactions halbwegs entspannt durchspielen lässt. Wer lange genug durchhält, hat am Ende vermutlich zwischen zehn und 20 Euro in das kleine „Mass Effect“ investiert.

Pay2WinUm in Erfahrung zu bringen, wo Vorteile und Tücken von Ingame-Purchases bzw. Free2Play liegen, haben wir uns mit einem alten Hasen unterhalten: Michael Hengst hat vor über 20 Jahren legendäre Rollenspiel-Artikel für PowerPlay und Videogames getippt. Heute ist der RPG-Profi selber im Free2Play-Geschäft unterwegs und hat nach seiner Tätigkeit für Gameforge (als Senior Producer) mit „Flying Fishkopp Production“ einen eigenen Dienstleister für die Mitarbeit an Free2Play- und Mobile-Inhalten gegründet. Auf unsere Frage, ob er die Verballhornung des Free2Play-Begriffs („Free2Pay“) für berechtigt hält, antwortet Hengst: „Wörtlich übersetzt stimmt das. Nur wer will, der zahlt. Und es sind immer noch die wenigsten Leute, die das wollen!

„Nur wer will, der zahlt. Und es sind immer noch die wenigsten Leute, die das wollen!“

Interessanter finde ich da schon den Begriff „Pay2Win“, der von Kritikern gerne genutzt wird. Es wird ja immer damit geworben, dass Free2Play-Spiele „durch“-gespielt werden können, ohne dass man dafür jemals Geld ausgeben müsste. Aber ist das auch wirklich so? Ja, das ist es! Die Frage ist allerdings, wie lange der Spieler das mitmacht. Viele „gut gemachte“ F2P-Games sind heute so clever gestaltet, dass man es extrem schwer hat, mit zahlenden Kollegen Schritt zu halten. Das ist durchaus legitim, immerhin handelt es sich hier um ein Geschäft. Nicht umsonst haben viele Entwickler und Publisher Psychologen auf der Lohnliste, die den Designern unter die Arme greifen.“