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Magazin: story

© Peter Smola / <a href="http://www.pixelio.de">www.pixelio.de</a>
© Peter Smola / www.pixelio.de

Free2Play: Ist der Lack ab?

Aber rechnen sich F2P-Spiele wirklich? Wenn es darum geht, mit User-Zahlen zu protzen, dann stehen die Bigpoints und Gameforges dieser Spiele-Welt schnell mit eindrucksvollen Zahlen Spalier. Aber wie viel Erträge spülen die jeweiligen Spiele tatsächlich per Micro-Transaction in die Kasse? Hier hält man sich eher bedeckt. Ist das womöglich ein Indiz dafür, dass es sich nur um eine auf Investoren gepolte Blase handelt?

„Man hat zwar Spieler, aber noch immer keine echten Kunden“

„Nein“, meint Hengst. „Das Modell rechnet sich tatsächlich – zumindest noch. Natürlich muss man ganz genau hinschauen. Viele Firmen werben mit X Millionen registrierten Nutzern – das allein sagt über die Profitabilität aber noch nichts aus. Denn der Terminus „Registrierte Spieler“ beinhaltet logischerweise auch eine Menge Karteileichen. Also Leute, die sich einmal registrieren, sich drei Minuten im Spiel umschauen und dann nie wieder kommen. Die Anzahl der tatsächlichen Spieler und zahlenden Kunden ist natürlich erheblich kleiner. Die Ratio von Registrierungen zu tatsächlichen Gamern liegt, je nach Titel und Plattform, zwischen einem und rund 15 Prozent. Facebook- und Mobile-Spiele rangieren dabei meist am oberen Ende. Dann hat man zwar Spieler, aber noch immer keine echten Kunden. Hier kann man von drei bis zehn Prozent zahlender Spieler ausgehen, die im Schnitt zwischen acht bis 15 Euro im Monat investieren. Also sagen wir mal, es gäbe eine Million Registrierungen für ein Spiel. Dann sind es ca. 100.000 Leute, die das Ding auch wirklich spielen und nur 10.000, die Geld ausgeben. Wenn letztere dann zehn Euro pro Monat ausgeben, „Mass Effect Infiltrator“ Kostet vier Euro und schreit nach Ingame-Purchases: „Mass Effect Infiltrator“ sind das 100.000 Euro. Hört sich zunächst gut an. Aber es gibt einen Haken: Die Kosten für die Registrierungen sind mittlerweile exorbitant hoch. Dazu ein Zitat vom ehemaligen Playdom-Chairman Rick Thompson: User sind teuer, und die Akquisition jedes einzelnen kostet zwei bis drei Dollar. Da ist es also umso wichtiger, dass ein registrierter Spieler auch bleibt. Darum ist der „Freunde einladen“-Teil auch so wichtig. Das ist kein tolles soziales Feature, sondern eine Sparmaßnahme! Tatsächlich wächst die Zahl derjenigen Spiele, die es nicht in die Profitzone schaffen, immer weiter. Nach den Goldgräber-Jahren erleben wir jetzt eine erste Konsolidierung.“

Ein übersättigter Markt?Trotz der von Hengst angesprochenen Marktbereinigung ist die Anzahl der Neuankündigungen noch immer Legion. Ob reinrassiges MMORPG oder nur scheinbar kostenloses iPad/iPhone-Game: Wer als Journalist bei der Terminierung seiner Gamescom-Verabredungen nicht aufpasst, der hat ruck zuck ein Dutzend F2P-Titel im Kalender, zu denen keiner Artikel will.

Aber ist dieser noch immer wachsende Dschungel aus frei bespielbaren Multiplayer-Aufgeboten nicht allmählich zu dicht? Wann ist die Grenze erreicht? Und warum zum Teufel wedeln die Investoren noch immer beherzt mit der Brieftasche, obwohl das Angebot längst unüberschaubar groß erscheint?