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Magazin: story

Games und Bibliotheken: Passt das zusammen?

In Deutschland gibt es mehr als 8000 öffentliche Bibliotheken. Acht Millionen Menschen leihen dort Medien aus, 124 Millionen Besuche zählt die Jahresstatistik. In den vergangenen Dekaden haben die Bibliotheken ihr Angebot stark diversifiziert: Neben Büchern und Zeitschriften stehen vermehrt Filme und Musik-CDs in den Regalen. Wie aber sieht es mit Videospielen aus, die seit ein paar Jahren offiziell Kulturgut sind? Ist die Bibliothek der richtige Ort für Games, und wenn ja, wird er auch gebührend genutzt? IGM hat Bibliotheksvertreter, Medienexperten und Publisher befragt.

Die Gamelounge ist wahrlich nicht zu übersehen. Betritt man die eLern-Bar der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB), blickt man direkt auf zwei rote, sehr einladende Sofas. Dahinter ist ein Halbkreis aus Flachbildfernsehern aufgebaut, in Glasvitrinen liegt Gaming-Hardware. Die Bildschirme sind mit verschiedenen Konsolen verbunden: Links eine Wii, in der Mitte ein GameCube und rechts eine Nintendo 64, auf der gerade das Jump'n'Run Banjo-Kazooie aus dem Jahre 1998 läuft. Auf dem Sofa liegt ein dicker Katalog mit Spielen, die Gamelounge-Besucher vor Ort ausprobieren können: Das Angebot reicht von Rayman für den Game Boy Color bis Pony Friends für Nintendo DS, von Bioshock für die Xbox 360 bis Dragon Age Origins für die PS3 – insgesamt sind es fast 3500 Konsolentitel aus 20 Jahren Spielegeschichte. Gamer-Herzen aller Altersgruppen, was wollt ihr mehr?

Zelda-ThemenwocheTrotz des reichhaltigen Angebots ist die Gamelounge an diesem späten Montagnachmittag verwaist. Die durchaus zahlreichen Besucher der eLern-Bar scheinen sich mehr fürs Surfen und Mailen zu interessieren als für Videospiele. „Bis jetzt sind die Besucherzahlen noch sehr überschaubar“, sagt Jana Viehweger, die Leiterin der eLern-Bar. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Gamelounge an Bekanntheit gewinnt. Dafür wollen wir zum Beispiel einen eigenen YouTube-Channel einrichten und Spieleabende veranstalten. Anfang Februar fand hier eine Zelda-Themenwoche statt.“

„Gamer-Herzen aller Altersgruppen, was wollt
ihr mehr?“

Dass bis jetzt nur wenige Berliner den Spieleschatz im Ortsteil Mitte entdeckt haben, hat aber auch einen einfachen Grund: Die Gamelounge wurde erst Anfang Januar eröffnet, zuvor schlummerten die Spiele im Archiv. Die Sammlung geht auf Thomas Feibel zurück, der als Journalist, Buchautor und Co-Initiator des Kindersoftwarepreises TOMMI zu den renommiertesten Games-Experten Deutschlands zählt. Vor zehn Jahren vermachte Feibel der Bibliothek eine größere Menge Spiele und Lernsoftware, die sich bei ihm angehäuft hatte. Seitdem sind jährlich rund 1.500 Medien hinzugekommen, die Sammlung umfasst mittlerweile 15.000 Titel. Der Freundeskreis der ZLB unterstützt die Gamelounge mit dem Kauf von Hardware: Knapp 30 Konsolen sind bislang verfügbar, auch für die zahlreichen PC-Spiele soll es bald passende Hardware geben.