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Magazin: story

Hoffnungen, Hits und neue Hardware

Auf den Rückblick folgt der Ausblick: Da die Erde am 21. Dezember doch nicht in ein Schwarzes Loch gefallen ist, müssen wir darüber nachdenken, wie es weitergeht. Und das lohnt sich: Die Zeichen stehen auf neue Hardware, und nebenbei gibt‘s Spiele-Hits am Fließband. IGM über ein Jahr, das es in sich haben wird.

Wer 2013 über Langeweile klagt, muss in einer Höhle leben: Die Gerüchte über die nächste Konsolen-Generation verdichten sich so stark, dass sie einfach greifbar werden MÜSSEN. Außerdem stehen die Videospiel-Platzhirsche mehr denn je unter Zugzwang: Von Valve über Nvidia bis hin zu Razer und OUYA wittern immer mehr Firmen ihre Chance, das im Wandel begriffene Land zu besetzen, das Microsoft, Sony und Nintendo zum „Uncharted Territory“ haben werden lassen. Das letzte Mal, als sich derart viele Hardware-Hersteller am Spielemarkt versucht haben, erlebten wir die Experimental-Ära 1994 bis 95: Das damalige Wettrennen konnte Senkrechtstarter Sony für sich entscheiden, während andere Newcomer (3DO, Philips) auf der Strecke blieben und kampferprobte Schlachtrösser (SEGA, Nintendo) auf die billigen Plätze verwiesen wurden.

Aber noch mehr Indizien sprechen dafür, dass etwas Großes auf uns zukommt: Wenn sich derart viele High-End-Titel für die auslaufende Hardware-Generation häufen und hinter verschlossenen Türen an Geheimprojekten geschraubt wird, dann braut sich was zusammen.

Doch was genau? Wir haben uns durch den Gerüchtedschungel gehackt und präsentieren als Ausbeute ein paar einleuchtende Thesen.

„Für die Vermarktung einer Konsole braucht man mehr als technisches Know-how“

TNG: The Next GenerationJede Branche hat ihre Orakel: Prominente, charismatische Persönlichkeiten, die gerne im Rampenlicht stehen und zu allem eine Meinung haben. Persönlichkeiten wie Phil Harrison. Während sich Branchen-Wahrsager Michael Pachter mit Äußerungen über die kommenden Systeme noch verdächtig zurückhält, eröffnet diesmal der einstige Vize-Chef von Sony Europe den Ring: In einem Gespräch mit Eurogamer.net warnt der frischgebackene Microsoftler die Hersteller der neuen „Mikro-Konsolen“, aber insbesondere Valve mit seiner Steambox, vor Risiken und Nebenwirkungen des Hardware-Geschäfts. Für die Vermarktung einer Konsole brauche es mehr als nur technologisches Know- how. Ebenso wichtig wären Herstellungskapazitäten, Vertriebskanäle, mehrere tausend Mitarbeiter und nicht zuletzt das nötige Kleingeld. Kleingeld, um das System nicht nur zu fabrizieren, sondern auch potentielle Schwierigkeiten nach der Auslieferung zu kompensieren. Microsoft selber kann davon ein Lied singen: Immerhin hat der berüchtigte „Red Ring of Death“ das Unternehmen eine geschätzte Milliarde Dollar gekostet.

Im Kern ist Harrisons Aussage also korrekt. Doch lässt sie sich wirklich auf die Steambox anwenden? Valve hat bereits durchblicken lassen, dass es sich um keine Konsole im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr um ein Hardware-MODELL handeln wird, das man an unterschiedliche Hersteller lizenziert. Den Anfang macht aller Voraussicht nach der Piston-PC von Xi3: Das auf Custom-PCs spezialisierte Unternehmen, an dem Valve seit kurzer Zeit Anteile in unbekannter Höhe hält, hat eine modulare Technik für handliche Desktop-Computer entwickelt. Hierfür wird z.B. das Mainboard des Rechners in drei voneinander unabhängige Miniatur-Platinen aufgeteilt, die sich einzeln tauschen lassen.

Mit anderen Worten: Die Steambox wird ein moderner Kleinst-Rechner auf Linux-Basis, der hoffentlich weitgehend ohne das PC-typische „Treiber-Geraffel“ auskommt. Dass er Performance-seitig einem modernen Gaming-PC das Wasser reichen kann, darf allerdings bezweifelt werden: Ein Custom-PC mit spezialangefertigten Eingeweiden ist in jedem Fall teurer als ein vergleichbarer Tower mit Standard-Komponenten. Und wenn letzterer ein „Battlefield 3“ in Full HD ohne brutales Geruckel hinbekommen soll, wird‘s (noch immer) richtig teuer. Wahrscheinlicher klingt da schon die These, dass man beim Kauf einer Steambox wie bei einem Mac oder Dell-PC zwischen unterschiedlichen Basis-Modellen wählen und anschließend nach eigenem Gusto mit mehr Arbeitsspeicher, größerer Festplatte usw. nachbessern darf.
Für PC-Spieler ohne Bastel-Ambitionen, die ihr System von der Wohnzimmer-Couch aus bespielen wollen, wäre diese potente Kombi ein großer Schritt nach vorne. Für eingefleischte Konsoleros dagegen ist sie uninteressant.

Aber es gibt ja noch Xbox und PlayStation: Bei beiden Marken verdichten sich die Anzeichen dafür, dass ihre Nachfolger auf der kommenden E3 oder bereits im Messevorfeld zumindest angekündigt werden. Ob sie es dann allerdings im selben Jahr vom Prototypen bis zur Serienreife schaffen, sei dahingestellt: Zumindest Microsoft soll die Fertigung der entsprechenden Chipsätze bereits Dezember 2012 in Auftrag gegeben haben, um das System noch vor dem nächsten Jahreswechsel in den Handel zu bringen.