Anzeige

Anzeige

Magazin: story

Kulturell wertvoll?

Es ist gar nicht lange her, da schien die klassische Spiele-Berichterstattung plötzlich auf dem Prüfstand zu stehen: Ein Bericht von Ex-GameStar Christian Schmidt sorgte auf SPIEGEL Online für Furore, weil der einstige Stellv. Chefredakteur des PC-Mags auf süffisante Weise das gängige Modell zerlegte. Obwohl von vielen Kollegen harsch kritisiert, rannte Schmidt mit seinem Vorstoß auch offene Türen ein, denn mit seinem Groll gegen den guten alten „Spiele-TÜV“ ist der Autor nicht allein. Doch sind die Games-Berichte von Plattformen wie SPIEGEL und Focus Online wirklich besser? Wir haben Probe gelesen, verglichen und mit den Machern gesprochen.

Und was gibt es bei den genannten Onlinern zu lesen, wenn es um Spiele geht? Nachrichten über den jüngsten Patch für „Guild Wars 2“ oder lückenlose Berichterstattung zum Gamesbranchen-Tagesgeschehen wird man hier kaum finden. Doch trotz ihres Abstandes zum verspielten Themenkomplex liefern beide Plattformen teils erstaunlich kompetente Beiträge: Während sich die Kollegen vom Focus wohl am liebsten breiten Themen mit News-Charakter widmen („Verkaufsstart von Diablo 3: So macht Zombies metzeln höllisch Spaß“) und in ihre Games-Rubrik auch politisch inspirierte Meldungen („Union schießt scharf gegen Ego-Shooter „Crysis 2“) Ungewöhnliche Games wie „Papo & Yo“ finden auf SPIEGEL Online besondere Ungewöhnliche Games wie „Papo & Yo“ finden auf SPIEGEL Online besondere Beachtung. sortieren, finden sich in den SPIEGEL-“Netzwelten“ auch zahlreiche Spiele-Berichte, die für große Schlagzeilen auf den ersten Blick nur bedingt geeignet sind: Hier wird Square Enix‘ AAA-Titel „Sleeping Dogs“ ebenso unter die Lupe genommen wir ein Independent-Game vom Schlage eines „Walking Dead“ oder „Papo & Yo“: Eine Themen-Auswahl also, die von einer starken Spiele-Affinität innerhalb der Redaktion zeugt. Einer Affinität, die nicht zuletzt Netzwelten-Chef Christian Stöcker zu verdanken ist, denn der entpuppt sich beim Gespräch als passionierter Zocker: „Ich habe früher als Lokaljournalist gearbeitet, während des Studiums“, verrät er uns über die Anfänge seiner schreiberischen Laufbahn. „Ich habe als Psychologe eine Zeit lang geforscht und später ein Aufbaustudium namens „Theater-, Film- und Fernsehkritik“ absolviert. Ich spiele, seitdem ich mit elf Jahren meinen C64 bekommen habe, bis heute auch privat, freiwillig und mit Begeisterung. Zum zeitnahen Durchspielen von Titeln, die ich besprechen will, komme ich leider nur noch sehr selten, aber ich bin immer noch überzeugter Durchspieler“, erklärt er weiter.

„Wir haben nicht den Anspruch, den Markt vollständig abzubilden“

Der zeitlichen Knappheit zollt Stöcker in seinem redaktionellen Konzept Rechnung: Anstatt die Besprechung eines neuen Spiels als „Test“ zu titulieren, findet sich die Anspielzeit bereits in der Bezeichnung des Beitrags: So hat der freie Autor Carsten Görig „Drei Stunden mit Sleeping Dogs“ verbracht, wenige Wochen zuvor ging‘s mit „Deadlight“ eine Stunde in die Welt der Zombiekalypse.

„Bei uns gibt es keine Punkt- und Prozentwerte, und wir haben auch nicht den Anspruch, den Markt vollständig abzubilden“, beginnt Stöcker das Redaktions-Konzept der verspielten Netzwelten zu erklären. „Unsere Spieletexte sollen weniger Tests sein als Rezensionen im klassischen Sinne. Das heißt auch, dass die Texte im Idealfall für sich stehen können, dass man sie womöglich sogar mit Interesse lesen kann, wenn man das Spiel gar nicht spielen wird oder auch nur will. Das gilt insbesondere für die größeren Rezensionen. Daneben haben wir das kleine Format „Angespielt“, in dem der Autor jeweils genau eine Stunde in Spiele rein schnuppert und dann eine kurze Einschätzung abgibt – transparent und subjektiv.“