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Magazin: story

Leuchtendes Vorbild?

Was muss ein Elektronikmarkt heutzutage bieten, um Konsumenten zu begeistern? Um das herauszufinden, haben wir uns den neuen Saturn-Markt in der Kölner Innenstadt angeschaut. Und dabei natürlich besonderes Augenmerk auf die Games-Abteilung gelegt.
Seit Mai hat Köln einen neuen Elektronikmarkt: Am 3. Mai eröffnete in der Hohen Straßen 46-50 ein Flagship-Store von Saturn. Schon seit 1995 hatte es in derselben Straße einen Saturn gegeben, nämlich im Obergeschoss des dort ansässigen Kaufhofs. Doch als 2017 das benachbarte ehemalige Textilkaufhaus Jacobi frei wurde, schloss Saturn einen langfristigen Mietvertrag für die Immobilie ab und begann mit dem Komplettumbau. Dabei wurden unter anderem die Fassade und der Haupteingang modernisiert, 20 große Schaufenster eingesetzt und zwei Panorama-Glasaufzüge installiert. Hatte der frühere Markt "nur" 4.100 Quadratmeter Verkaufsfläche, so bietet der Flagship-Store rund 6.500 Quadratmeter. Die Gesamtfläche auf fünf Verkaufsetagen plus einer Verwaltungsetage beträgt sogar 10.000 Quadratmeter. Rund 120 Mitarbeiter kümmern sich um die Belange der Kunden. Es ist der insgesamt vierte Saturn-Markt in Köln und Umgebung – neben den Standorten Hansaring/Maybachstraße, Weiden und Porz.

Kein Wunder, dass nach dem mehrmonatigen Umbau bei der Eröffnung Gedränge herrschte: Viele Kölner waren neugierig, was da im Herzen der Innenstadt an Neuem geboten wird. "Wir wollen unseren Kunden zeigen, wie innovative Technik ihr Leben bereichern kann, und ihnen ein außergewöhnliches Einkaufserlebnis bieten", formulierte es Ralf Schmidbauer, der Geschäftsführer des neuen Saturn Köln City. Doch wie genau sieht dieses "außergewöhnliche Einkaufserlebnis" aus? IGM war neugierig und hat sich den Flagship-Store bei einem Besuch in Köln angeschaut.

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Ein außer­gewöhnliches Einkaufserlebnis bieten
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Einladender Eindruck
Der Außeneindruck ist jedenfalls schon sehr ansprechend. Die Glasfassade gewährt Passanten einen Blick in die Verkaufsräume – und dort stehen schon einige Eyecatcher, die neugierig machen. Zum Beispiel eine kreisrunde Verkaufsfläche ("Galaxy World") der Firma Samsung, auf der allerlei Smartphones und Tablets angeboten werden. Direkt daneben stehen zwei Anspielstationen für Samsung Gear VR: Unter dem Motto "See where VR can take you" bekommen die Kunden dort "4D Contents" vorgeführt. Was dahintersteckt? Die Kunden sitzen auf speziellen Sesseln, die mit Vibrationen auf den Inhalt der VR-Experiences reagieren. Große Displays bilden ab, was die VR-Nutzer gerade erleben – so werden auch umstehende Kunden neugierig.

Kein schlechter Auftakt also für einen Markt, der Technik zum Anfassen bieten will. Ein weiterer Eyecatcher befindet sich direkt hinter dem Haupteingang: ein 21 Quadratmeter großer Bodenbereich mit digitalen LED-Effekten (siehe Foto S. 27). Das Ganze erinnert an einen Laufsteg und dürfte bei den meisten Kunden gut ankommen. Direkt am Eingang präsentiert Saturn besonders begehrte Produkte, zum Beispiel Smartwatches von Apple oder Fitbit. Ebenfalls im Erdgeschoss befindet sich ein großes Studio der Firma 3D Generation, in dem Kunden von sich, Freunden oder auch Haustieren lebensechte Minifiguren anfertigen lassen können. In der Nähe stehen Service-Inseln, an denen Kunden defekte Produkte zur Reparatur abgeben können. Praktisch: Lässt sich die Reparatur schnell erledigen, dann bekommen die Kunden einen Beeper, der im Umkreis von zwei Kilometern funktioniert. Sie können dann beispielsweise in der Innenstadt shoppen und das reparierte Produkt nach einer halben Stunde wieder abholen.

Großzügig gestaltet
Bis jetzt macht der Saturn Köln City einen guten Eindruck: Die Platzgestaltung ist großzügig, die Produktbereich sind klar abgegrenzt und es gibt zwischendurch immer wieder Schmankerl und Eyecatcher, an denen sich weniger eilige Kunden aufhalten können. Wie aber sieht es in der Games-Abteilung im fünften Stock aus? Gelingt es auch dort, die Kunden anzulocken, zu binden und zur Wiederkehr zu bewegen? Wir treffen Christian Bianco, den Gesamtverkaufsleiter im Saturn Köln City – er wird uns durch die Abteilung führen. "Früher waren CD, DVD und Gaming ein Bereich", sagt er. "Das haben wir jetzt komplett getrennt." Insgesamt hat der fünfte Stock rund 1400 Quadratmeter Verkaufsfläche: 800 mit Konsolen-Gaming und 600 mit PC-Gaming, Office-PCs und Büro-Hardware. Zwölf Saturn-Mitarbeiter kümmern sich hier um die Kunden – und sind laut Bianco in jedem Teilbereich einsetzbar.

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Die Kunden
sollen ihr Hobby zelebrieren
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Die fünfte Etage ist klar gegliedert, zugleich soll sie aber auch einen fließenden Übergang zwischen den Produktbereichen bieten. Wer die Rolltreppe nimmt, landet zunächst im Office-Bereich. Auch dort stehen schon diverse Spiele-PCs, allerdings nur als Zweitplatzierung. Weiter rechts geht es dann zur Büro-Hardware mit Festplatten, Druckern und Netzwerk-Zubehör, bevor sich der Gaming-Bereich anschließt. "Hier herrscht eine gewisse Ruhe. Man kann sich zum Spielen auch mal hinsetzen", sagt Bianco. Und tatsächlich bietet die Switch-Produktinsel eine bequeme Sitzbank, Spielefans können hier wahlweise Mario Kart und Mario Tennis zocken. Gleich daneben liegt die PS4-Fläche mit zwei Anspielstationen. Die Fläche ist an diesem Nachmittag stark von vorwiegend jungen Kunden belagert: Die spielen – wer hätte es gedacht? – allesamt Fifa 18. "Unsere Mitarbeiter achten schon darauf, dass hier niemand die Nacht verbringt", sagt Christian Bianco und lacht.

Holztonnen im Balkengeviert
Doch wo sind jetzt eigentlich die wirklich neuen Features, die es sonst in keinem Elektronikmarkt gibt? Bis jetzt wirkt die Games-Abteilung vor allem sauber gegliedert, aber nicht wirklich innovativ. Das ändert sich, als wir auf eine aus Holzbalken gezimmerte Produktinsel stoßen. Links stehen Holztonnen, die von Bildschirmen gekrönt sind, rechts steht ein Holzregal mit Gutscheinkarten. "Das ist der erste Activision-Blizzard-Shop in Europa, in dem der Kunde ein Game, das er runterlädt, auch direkt anspielen kann – und man kann auch gegeneinander spielen", sagt Bianco. "Mit den Blizzard Points, die wir hier verkaufen, kann er sich seine Spielwährung wieder aufladen." Der Gesamtverkaufsleiter erläutert uns, welcher Gedanke dem Shop-in-Shop zugrunde liegt: "Die Abteilung soll dadurch lebendiger werden, die Kunden sollen ihr Hobby zelebrieren." Man wolle, dass der Kunde an Saturn denkt, wenn er sein Guthaben aufladen möchte. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs ist der Activision-Blizzard-Shop gerade verwaist. Was aber nicht heißen muss, dass er keinen Zuspruch findet. Aus unserer Sicht könnte man das Balkengeviert allerdings noch etwas ansprechender gestalten – zum Beispiel mit Figuren aus dem Blizzard-Universum. Das Ganze ist auf jeden Fall ein löblicher Versuch, mehr Leben in die Verkaufsbude zu bringen.

So richtig trumpft der Saturn Köln City beim PC-Gaming auf. Hier stehen etliche Zocker-Sessel, umrahmt von langen Reihen mit Gaming-Zubehör. "Hier gibt es alles, vom Mouse Pad über Headset und Joysticks bis zu den passenden Sitzen", sagt Bianco. "Wir wollen zeigen, was es überhaupt gibt. Gaming ist nicht nur ein Kellerraum mit einem Monitor. Da steckt deutlich mehr dahinter." Daraus folgt auch, dass Saturn Produkte aus allen Preisklassen anbietet – bei Tastaturen beispielsweise reicht die Preisspanne von 16,99 Euro bis 200 Euro. "Man muss den Kunden alles bieten – vom Preiseinstieg fürs Taschengeld bis zur Ausrüstung für Progamer", bekräftigt Bianco. Das gilt auch für PCs, die zwischen 199 Euro (Standard-Notebook) und 3.500 Euro (High-End-Rechner) kosten. "Für Pro-Gamer sind Marken eine Glaubensfrage", ergänzt Bianco. "Da geht es auch nicht mehr darum, welche besser ist. Die spielen dann zum Beispiel aus Prinzip mit Razer." Saturn brandet die entsprechenden Verkaufstische mit dem Razer-Logo, um zusätzliche Aufmerksamkeit zu erzielen.

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Gaming
ist nicht nur
ein Kellerraum
mit einem
Monitor
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VR zum Ausprobieren
Interessant ist auch, wie Saturn hier mit dem Thema VR umgeht. In vielen Märkten fristet die spektakuläre Technologie ja eher ein Schattendasein – bei unseren Besuchen in verschiedenen Märkten haben wir vor allem PSVR-Anspielstationen entdeckt, nicht aber solche anderer Hersteller. Im Saturn Köln City ist das anders: Hier gibt es die bereits erwähnte Anspielstation für Samsung Gear VR im Erdgeschoss – und darüber hinaus auch eine großzügig gestaltete Oculus-Fläche in der Gaming-Abteilung. Zwischenfazit: Wer den Anspruch hat, Technik zum Anfassen und Ausprobieren zu bieten, der kommt auch nicht um VR herum. Für viele Kunden dürfte der Besuch im Markt das erste Mal sein, dass sie Virtual Reality hautnah erleben. Gut so!

Ein Markt, der Kunden anlocken will, muss aber auch Events bieten. Im ersten Stock hat der Saturn City eine Show-Küche, die vorwiegend an den Wochenenden für Veranstaltungen genutzt wird. Kundenbindung entsteht auch dadurch, dass Saturn "Schulung auf der Fläche" anbietet. In einem speziellen Bereich können Kunden an ein- bis zweistündigen Crash-Kursen teilnehmen – von der Fotosafari über den PC-Einsteigerkurs bis hin zum Android- oder Programmierkurs. "Praktische Fragen und Antworten stehen im Vordergrund", erläutert Bianco. Die Schulungen gibt es seit Mai, sie werden auch in den Saturn-Märkten Ingolstadt und Erlangen angeboten.

Event-Charakter
Auch während der diesjährigen gamescom ist im Saturn City einiges geboten. Der Markt kooperiert dazu mit der Firma Asus. Im unmittelbaren Vorfeld der Messe (17./18.8.) konnten Kunden auf einer Zwölf-Quadratmeter-Fläche verschiedene Gaming-Notebooks (Asus ROG) mit unterschiedlichen Grafikkarten (Nvidia GeForce GTX) ausprobieren – und dabei sowohl ins MOBA- als auch ins FPS-Gaming eintauchen. Zusätzlich fand ein Influencer-Live-Event statt. Zum Release von Fifa 19 gibt es dann ein Turnier unter dem Motto "Beat the Pro": Der Markt bewirbt das Event auf seiner Facebook-Seite, Interessenten können sich online registrieren.

Halten wir also fest: Ein Elektronikmarkt, der Kunden begeistern will, muss klar strukturierte Produktbereiche, Gimmicks und auch Events anbieten. Der Saturn City Köln taugt da durchaus als Vorbild. (feh)