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Magazin: story

Lust auf Kaffee?

Zuerst Saturn, jetzt Media Markt: Die Elektro-Kette wagt den Sprung in den virtuellen Shopping-Kosmos. Stellt sich die Frage: Wo kaufen wir unseren Kaffee-Vollautomaten und die PS3 (ja, wir trinken beim Zocken einfach gerne guten Kaffee) künftig lieber ein? Bei Saturn, Media Markt oder beim Klassiker vom Amazonas? IGM shoppt weiter.

In der letzten Ausgabe haben wir die Web-Präsenz von Saturn probe besurft, jetzt ist das jüngst gestartete Online-Angebot der zweiten großen MSH-Vertriebslinie an der Reihe: Media Markt buhlt jetzt auch im www um unsere Kaufkraft – fragt sich nur, was man sich beim Elektro-Riesen ausgedacht hat, um das Laden-Angebot gekonnt im Netz zu spiegeln, ohne dabei den Kollegen vom Saturn oder den etablierten Größen zu sehr ins Gehege zu kommen. Denn obwohl man sich zumindest gestalterisch ebenso wie bei Saturn stark am Werbe-Auftritt der eigenen Marke orientiert, ist die konzeptionelle Verwandtschaft zwischen beiden Internet-Auftritten unübersehbar – obendrein fallen ähnliche Stärken und Defizite (darunter vor allem die schwachbrüstige Suchmaschine) wie bei Saturn ins Auge. Auch hier gelangt man nach Ansteuern der Website durch Klick auf den ,Onlineshop‘-Reiter auf die virtuelle Einkaufsmeile. Die erstrahlt wie der Rest der Seite im Media-Markt-typischen Rot-Weiß-Schwarz-Look und schreit dem Besucher daher ein bisschen zu laut ein aggressives „Kauf mich!“ ins Gesicht. Keine Frage: Ein entspannter Web-Bummel sieht anders aus. Auch die plakative, wenig filigrane Gestaltung von Reitern, Buttons, Bannern und Produkt-Präsentationen erinnert eher an einen Media-Markt-Sonderangebots-Prospekt. Das Angebot selber gibt sich übersichtlich: Auch hier erreicht man die unterschiedlichen Produkt-Sparten über die Navigationsleiste links, blättert sich von ,Computer und Büro‘ über ,TV & Heimkino‘, ,Foto & Camcorder‘ und ,Handy & Navigation‘ durch bis zur – und das interessiert uns schließlich am meisten – ,Spielkonsole‘.

„Spiele oder Zubehör?
Xbox 360 oder
Wii? Fehlanzeige“

Und hier gleich zu Beginn die große Ernüchterung: Während selbst ,Körperpflege‘ ein stattliches Untermenü öffnet (Besteck für Barttrimmung bzw. Frisur-Schnippschnapp, Massage-Peripherie – alles da), gibt‘s hier nur einen einsamen Eintrag. Allein die PS3 bietet man an – für 259 Euro mit 160GB-Festplatte und „Uncharted 3“. Andere Spiele oder Zubehör? Pustekuchen – und das, obwohl bei den Neueröffnungs-Wechselbannern auf der Startseite unter ,Spielkonsolen‘ keine Sony-Hardware, sondern eine Xbox 360 zu sehen ist.

Wo ist die Xbox?Aber so schnell geben wir nicht auf – wir wollen unsere Xbox 360! Also greifen wir nach ergebnislosem Durchforsten der Menü-Strukturen zum naheliegenden Ausweg – der Suchfunktion. Aber auch hier folgt auf einen kleinen, angenehmen Aha-Effekt (nach dem Eintippen der Artikel-Bezeichnung ,Xbox‘ bietet uns die Suchmaschine automatisch ,XBox 360‘ und ,Xbox-360- Zubehör‘ an) die Ernüchterung: Weder die Konsole allein noch die Kombi aus Hardware und Konsole bringt den gewünschten Treffer. Stattdessen bietet man uns einen iPad-Ständer, Netzteile, Flash-Speicher, USB-Sticks und Ladegeräte für Camcorder an. Also versuchen wir es alternativ mit einem Spieletitel. Und tatsächlich: Der Versuch „Skyrim“ fördert immerhin den Soundtrack zum Spiel als Musik-Download zutage – und zwar Track für Track (je 79 Cent). Überhaupt scheint man sich für Software aktuell voll und ganz auf das Download-Konzept zu verlassen: Spiele, Musik, Anwender-Programme, Filme und sogar eBooks sind unter ,Downloadshops‘ einsortiert.
Apropos ,Sortierung‘: Top-100-Musik-Charts sind wirr mit Top-100-Downloads gemischt, eine Sortierung nach Interpreten oder Alphabet gibt es hier ebenso wenig wie bei den Games. Letztere sind in Sparten wie ,Demnächst verfügbar‘ oder ,Top-Angebote‘ gegliedert, außerdem lassen sie sich nach Spiele-Genre auflisten, um zumindest einen Hauch von ,Backlist‘ zutage zu fördern. Dann findet man unter ,Rollenspiel‘ ebenso ein „Skyrim“ (44,99 Euro) wie das vorbestellbare „Mass Effect 3“ (49,99 Euro) oder ein günstiges „Anno 1701“ (8,99 Euro – eigentlich kein Rollenspiel, aber wir wollen ja nicht pingelig sein).
Auf Film-Seite ist das Angebot nicht ganz so ergiebig: Schlendern wir hier in die Serienabteilung und entscheiden uns für das ,Regal‘ mit den Komödien, bietet man uns „ALF“, „Friends“ und „Hausmeister Krause“, auch die „Gilmore Girls“, die pausbäckige „Roseanne“, Ulknudel „Cosby“ und Ober-Frauenheld Charlie in „Two and a half Men“ sind mit von der Partie, ansonsten gibt‘s noch „Vier Frauen und einen Todesfall“ zu betrauern. Fantasy-Fans wiederum müssen sich mit „Highlander“ und „Supernatural“ zufrieden geben. Wer hier bei einer von aktuell drei verfügbaren Staffeln zugreift, der ersteht entweder (für 19,99 Euro) die komplette Season oder einzelne Folgen (je 1,99 Euro), muss allerdings vor dem Serien-Genuss eine Altersprüfung über sich ergehen lassen. Die wird im günstigsten Fall digital und innerhalb weniger Sekunden vorgenommen –
schlimmstenfalls steht allerdings die Zusendung einer Ausweiskopie an.