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Magazin: story

Messe der Enttäuschungen

Eine E3 wie keine andere haben wir dieses Jahr erlebt: Viel wie nie wurde erwartet, und nur das wenigste davon erfüllt. Keine neuen Konsolen, keine Preis-Reduzierungen, zu wenige Wii-U-Überraschungen von Nintendo, aber immerhin ein paar neue IPs. IGM über ein Veranstaltungskonzept, das seine besten Zeiten scheinbar hinter sich hat. 

Der Begriff „Erwartung“ kommt von „Warten“ und definiert, was wir uns so alles vorstellen, WÄHREND wir   „AC Liberation“ für PS Vita Flankiert das große „Assassin‘s Creed 3“: „AC Liberation“ für PS Vita warten. Und je länger wir warten, desto mehr erwarten wir zwangsläufig, weil unser Vorstellungsvermögen in der Zwischenzeit zu viel Gelegenheit hat, sich zu verselbständigen und mögliche Szenarien auszumalen. Und je mehr es malt, desto mutiger wird es und desto weiter sind unsere Vorstellungen für gewöhnlich von der Realität entfernt. Das Resultat: Enttäuschung. Ein Begriff, der auch die diesjährige E3 treffend zusammenfasst: Die Erwartungen waren kolossal, die Wartezeit (auf eine neue Xbox oder PlayStation z.B.) zu lang, die Frustration am Ende umso größer.

Keine neue PlayStation,
keine neue Xbox
Obwohl Microsoft und Sony bereits im Vorfeld klar gestellt hatten, ihre neuen Systeme nicht zum Messe-Thema zu machen, wollte die Gerüchteküche keine Ruhe geben, warteten Zehntausende vor ihren Monitoren noch immer auf eine große Überraschung, die nicht kam.

Manch eine US-Website wollte sogar von zwei unterschiedlichen Präsentations-Vorbereitungen auf Sony-Seite gehört haben: Sollte Microsoft (deren Konferenz als erste stattfand) wider Erwarten eine neue Konsole aus dem Hut zaubern, dann hätte – so die These – Sony eine Alternativ-Präse in der Hinterhand, um gleichermaßen mit neuer Hardware zu punkten.

„Die Erwartungen waren kolossal, die Wartezeit zu lang und die Frustration umso größer“

Ob Sony tatsächlich zwei Messe-Konzepte im Koffer hatte, werden wir vermutlich nie erfahren, denn Microsoft bot keine entsprechende Vorlage. Einmal mehr verließ man sich beim Windows-Hersteller auf etablierte Marken („Gears of War“, Halo 4“, „Forza“), kinectisches Rambazamba und eine eher zweifelhafte App-Innovation: Das „Progrämmchen“ mit dem neckischen Namen „Smart Glass“, das die Xbox 360 mit Smartphones bzw. Tablets kurzschließt und ergänzende Informationen bzw. Interaktions-Interfaces auf deren Displays schaufelt.

Obwohl grundsätzlich interessant, hat das Konzept kaum jemanden ernstlich berührt: Zumal es zumindest auf  Das märchenhafte Jump‘n‘Run „Rayman Legends“ Erscheint exklusiv für Wii U: Das märchenhafte Jump‘n‘Run „Rayman Legends“ der Messe nur anhand von Windows-Smartphone bzw. -Tablet präsentiert wurde. Ein Schelm der darin den Versuch erkennt, nicht mehr in erster Linie die Xbox 360 selber, sondern eher das gesamte Programm des Konzerns zu befruchten. Hard- bzw. Software-seitige Lösungen wie Kinect, Internet Explorer (der auf der Messe ebenfalls für Xbox 360 angekündigt wurde), Windows-Smartphones, Tablets und nicht zuletzt der Windows-PC selber sollen immer stärker zusammengeführt werden: Eine nachvollziehbare Politik, die Gamer allerdings herzlich wenig interessiert. Fraglich also, wie viel so etwas auf einer Games-Messe zu suchen hat: Microsoft hat seine Xbox 360 stärker denn je als multimediales Entertainment-Center präsentiert, von der einst auf Core-Gamer ausgerichteten SPIELE-Konsole war kaum noch etwas zu spüren. Nachdem man seine Konferenz mit dem umjubelten, aber leider überraschungsfreien „Halo 4“ eröffnet, und mit einem viel zu langen „Call of Duty: Black Ops 2“-Trailer wieder geschlossen hatte, war es allein das grandios inszenierte „South Park“-Spiel, das zumindest überraschend kam. Noch vielsagender war aber der Auftritt der beiden „South Park“-Macher Trey Parker und Matt Stone (beides bekennende Gamer und Xbox-Fans), die ihren Promo-Auftritt prompt dazu missbrauchten, um die vorausgeschickte PK nieder zu kalauern. Und das ging in etwas so: „Wie oft habt ihr eine Episode von Southpark gesehen und Euch dabei gedacht: Das will ich mir auf meinem Fernseher ansehen, während ich dabei mit meinem Mobiltelefon verbunden bin, das wiederum von meinem Tablet-PC gesteuert wird, der mit meinem Ofen verlinkt ist – und all das, während ich im Kühlschrank sitze? Und nein, das kann unser Spiel nicht!“

Und ja, das war das WAHRE Highlight der Microsoft-Konferenz.