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Magazin: story

Messe der Enttäuschungen

Beyond PS3?Zum Glück hat sich Nebenbuhler Sony gerade in Hinblick auf seine Kernzielgruppe ein wenig mehr Mühe gegeben: Zwar haben auch Sonys US-Chef Jack Tretton (leider wie gewohnt zu steif und glatt) und sein japanischer Vorgesetzter Kazuo Hirai viel Multimediales präsentiert, auf Deals mit Sportzubehör-Firmen verwiesen und allerlei andere für die Zuschauer inzwischen eher gähnige denn spannende Details vermittelt, aber zumindest hat man die Meute mit ansprechenden Spielen entschädigt. Anders als bei Microsoft, die auf allzu altbekannte Marken setzten, hatte man gleich zwei iPs im Messe-Gepäck: Namentlich bereits bekannt, aber trotzdem erfreulich, war die Präsentation von „The Last Of Us“, in dem Naughty Dog „Walking Dead“ mit „I am Legend“ und „Uncharted“ paart. Ein echtes, weil gänzlich unerwartetes Schmankerl war der Auftritt von Quantic Dreams‘ Frontmann David Cage („Heavy Rain“), der in seinem Mystery-Abenteuer „Beyond: Two Souls“ packende Narration mit seiner gefeierten, neuen Motion- und Face-Capture-Technik verquickt.

Für vergleichsweise wenig Furore hat dagegen, obwohl gewohnt prachtvoll, ein neues „God of War“ gesorgt,   „The Last Of Us“ Postapokalyptisches Abenteuer von Naughty Dog: „The Last Of Us“ das die Geschichte des griechischen Wüterichs allerdings nicht weiter erzählt, sondern stattdessen ein Prequel beschert.

Eine überraschend kleine Rolle spielte im Sony-Programm die Vita: Das exklusiv für Sonys Handheld entwickelte „Assassin‘s Creed: Liberations“ beleuchtet den Kampf zwischen Templern und Profi-Meuchlern zum ersten Mal aus der Perspektive einer Frau. Außerdem verblüffte man mit dem ebenfalls Vita-exklusiven „Black Ops“-Spinoff: „Declassified“. Ebenfalls interessant erscheinen die Features „Crossplay“ und „Cross Save“, die ein nahtloses Hin- und Her-Springen zwischen der großen und der kleinen PlayStation erlauben.

Überraschend prominent war im Vergleich zur etwas unterrepräsentierten Vita die Vorstellung einer neuen Produkt-Linie für „PlayStation Move“: Mit dem „Wonderbook“ drückt man Kids bzw. Eltern eine Kombi aus „Augmented Reality“-Umgebung und virtuellem Pop-Up-Buch in die Hand. Während sie einen echten Schmöker (mit leeren Seiten) durchblättern, macht die PS3 daraus ein von animiertem 3D-Leben erfülltes Abenteuer. Offensichtlich soll „Wonderbook“ wie ein „Singstar“ via PSN regelmäßig mit neuen Inhalten (hier Geschichten) gefüttert werden: Den Anfang macht man mit dem „Book of Spells“, das „Wonderbook“ in einen interaktiven Hokuspokus-Almanach mit offizieller „Harry Potter“-Vorlage verwandelt.

„Trey Parker und Matt Stone: Das Highlight der Microsoft-Konferenz“

Verpasste Chance
bei Nintendo?
Und Nintendo? Was war mit dem Auftritt, auf den alle gelauert haben? Immerhin war Wii U nach den weitgehend überraschungsfreien Auftritten der beiden anderen Hersteller die letzte große Hoffnung: Tatsächlich stieg man auch hier stark ein und zitierte den gewohnt gut gelaunten Entwicklungs-Superstar Shigeru Miyamoto auf die Bühne, der dann auch prompt ein neues „Pikmin“ präsentierte, das die wuseligen Pflanzenmännlein bequem per Touchscreen steuern lässt. Danach gab‘s gleich das System-exklusive „New Super Mario Bros. U“, das aber leider eher verhaltenen Beifall erntete: Obwohl das im klassischen, horizontalen „Mario“-Stil gehaltene Klempner-Gehupfe mit schicken HD-Details und interessanten Touchscreen- bzw. Multiplayer-Features begeistert, hatte die Mehrzahl der Zuschauer vermutlich einen schnauzbärtigen Paukenschlag erwartet: Etwas, das der Marke ähnlich neue Impulse verpasst wie einst ein „Mario Galaxy“.

Auch die danach gezeigten Drittanbieter-Titel konnten das Publikum nicht so recht überzeugen: Wii-U-Versionen  Das Wii-U-exklusive „ZombiU“ Untote Ego-Action von Ubisoft: Das Wii-U-exklusive „ZombiU“ von „Batman: Arkham City“, „Darksiders 2“, „Tekken Tag Tournament“, „Trine 2“, „Ninja Gaiden 3“, „Aliens: Colonial Marines“, „Scribblenauts Unlimited“, „Assassin‘s Creed 3“ und „Mass Effect 3“ warteten alle mit neuen Features auf, waren aber nicht die Sorte Sensation, die man sich von der Nintendo-Konferenz erhofft hatte. Wenigstens wusste das Wii-U-exklusive Lineup von Ubisoft durchweg zu überzeugen: „ZombiU“, „Rayman Legends“ und die WiiU-Version von „Assassin‘s Creed 3“ waren allesamt prominente Hingucker; wenngleich der Auftritt des französischen Firmenvaters Yves Guillemont und seine Anpreisung der neuen Nintendo-Maschine zu bemüht wirkten. Wirklich ratlos war die Menge allerdings nach der etwas unglücklich geratenen Präsentation des virtuellen Comic-Themenparks „Nintendo Land“: Der soll offensichtlich als eine Art Erweiterung der bekannten Mii-Lobby funktionieren und sie mit Freizeitpark-artig aufgemachten Attraktionen aus bekannten Nintendo-Spielen garnieren. Erfreulicher war da schon, dass man die Gerüchte entkräftete, nach denen sich an die WiiU keine zwei GamePads gleichzeitig anschließen und Multiplayer-seitig bespielen lassen: Es geht eben doch (auch wenn die Bildwiederholrate des Spiels dabei von 60 auf 30 Frames sinkt). Weniger erquicklich: Der Akku des GamePads hält im voll aufgeladenen Zustand gerade mal drei bis fünf Stunden. Hier wird hoffentlich noch nachgebessert.

Angenehm feingetunt erschienen die Social-Features und die weltweite Community „Miiverse“, die den Tablet-Controller gleichsam zu Tastatur wie Webcam werden lassen. Vor allem die Möglichkeit, nach Apple-Vorbild fließend zwischen einzelnen Anwendungen zu wechseln und noch während des Spiels einen Hilferuf in der Community zu posten, ist für Konsolen eine kleine Revolution. Dass Nintendos Veranstaltung trotzdem nicht voll überzeugte und der Aktienkurs des Unternehmens am Tag danach um gleich 2,68 Prozent fiel, war wohl dem Umstand zu verdanken, dass nicht genug exklusive Software aus Nintendo-eigener Kreation zu sehen war und man sich von der ersten HD-Konsole des Herstellers technisch protzige Exklusiv-Blockbuster erhofft hatte. Vor allem das von vielen herbeigesehnte „Zelda“ blieb man der Menge schuldig. Außerdem gab es noch immer zu wenige harte Fakten um das System selber: Wann genau erscheint es? Wie stark ist es tatsächlich? WAS wird es kosten?