Anzeige

Anzeige

Magazin: story

Copyright Basis-Bild: Rawpixel.com/stock.adobe.com
Copyright Basis-Bild: Rawpixel.com/stock.adobe.com

Mit offenen Karten

Sie sind aus den Stores nicht mehr wegzudenken: Bunte Karten, mit denen Gamer Spiele downloaden, Guthaben aufstocken oder Abos starten können. Doch wie wichtig sind die Karten wirklich für den Handel? Und welche Strategien verfolgen die Kartenanbieter? Diesen Fragen gehen wir in einem zweiteiligen Special nach. Teil 1 stellt die unterschied­lichen Kartensysteme der Anbieter vor.
"CSV, C2C – und ESD / PoR, NSO – und DLC." Wer sich bei diesem Reim an das berühmte "MfG"-Lied der Fantastischen Vier erinnert fühlt, liegt nicht falsch. Nur dass es sich bei den hier verwendeten Abkürzungen um Begriffe aus den Kartensortimenten der First-Party-Publisher handelt. Und, können Sie auf Anhieb sagen, was hinter jeder dieser Abkürzungen steckt? Falls ja, dann können Sie hier gerne mit dem Lesen des Artikels aufhören. Falls nicht: Willkommen in der Welt der Code Cards!

Der Umsatz mit Computerspielen in Deutschland wächst. Allerdings ist das vor allem zwei Bereichen zu verdanken: Den Gebühren für Online-Dienste – und dem Markt für In-Game-Käufe. Das geht aus Daten von GfK und App Annie hervor, die der Bundesverband game mit einer Marktstudie beauftragt hatte. Plus 52 Prozent bei Online-Services (auf 228 Mio. Euro), plus 28 Prozent bei In-Game-Käufen (auf 1,105 Mrd. Euro): Diese Zahlen stammen zwar noch aus dem ersten Halbjahr 2019. Doch der Trend in Deutschland dürfte sich auch in Halbjahr zwei fortgesetzt haben. Weltweite, aktuelle Zahlen liefert derweil Superdata, ein Tochterunternehmen von Nielsen: Danach stieg der Umsatz mit digitalen Games-Inhalten im Jahr 2019 um 3 Prozent auf nunmehr 109,4 Mrd. US-Dollar, umgerechnet rund 99, 2 Milliarden Euro. "Der Umsatz mit Geschenkkarten [gift cards] ist eng an den Umsatz mit Digitalspielen gekoppelt. Denn er diente – historisch gesehen – als Katalysator für neue Konsumenten", sagt Joost van Dreunen, Head of Games bei Nielsen. "Zum Beispiel ist eine große Teilmenge der Spieler [in den USA] unter 21 Jahre alt und darf deshalb keine Kreditkarten besitzen. Geschenkkarten haben viel zur Monetarisierung dieser Zielgruppen beigetragen, als herkömmliche Bezahlmethoden noch nicht verfügbar waren."

"
Gezieltes Up- und Cross-Selling
"

Geht es nach den Publishern, dann soll der stationäre Handel allem durch Code-Karten vom Digitalboom profitieren. Und auch immer mehr Online-Händler setzen auf den Verkauf (dann natürlich digitaler) Gutscheine – bestes Beispiel ist der florierende Handel mit Fifa Points auf aldilife.com (vgl. IGM 01/2020). Allerdings ist – im stationären Handel – Karte nicht gleich Karte: Die Anbieter haben ihr Sortiment dermaßen aufgefächert, dass daraus schon fast eine eigene Wissenschaft geworden ist. In Teil 1 unseres Karten-Specials stellen wir deshalb die gängigen Formate vor. Und fragen auch gleich, welche Karten aus Anbietersicht am besten laufen ...

Gutes Blatt: Sony
Der "Herr der Karten" bei SIED ist Marc Reiner: Der Manager Digital at Retail and Non-Game Services GSA sieht Gutscheinkarten als eine "fantastische Möglichkeit für unsere Handelspartner, um am stark wachsenden digitalen Umsatz zu partizipieren". Mit Gutscheinkarten können die Partner nicht nur das gesamte digitale PlayStation-Produktportfolio anbieten, so Reiner, sondern auch "gezieltes Up- und Cross-Selling betreiben sowie kleine Impulskäufe anregen und Geschenksuchende ansprechen". Dafür bietet Sony produktseitig vier verschiedene Kartentypen an: Guthabenkarten zwischen 5 und 100 Euro, Karten für PlayStation Plus (1, 3 oder 12 Monate Mitgliedschaft), Karten für PlayStation Now (1, 3 oder 12 Monate Abo) sowie Karten für Spielerweiterungen (Virtual Currencies, Season Passes etc.). Laut Reiner wird die Guthabenkarte aufgrund ihrer Vielseitigkeit besonders stark nachgefragt: "Sie eignet sich auch als das perfekte, flexible PlayStation-Geschenk."

"
Der Handel kann am wachsenden Markt von Spiele­erweiterungen teilhaben
"

Aus technischer Sicht unterscheidet Sony zwischen drei verschiedenen Kartentypen. Erstens wären da die POSA-Karten: Die Abkürzung steht für "Point of Sale Activated", der aufgedruckte Produkt-Code muss also erst an der Kasse aktiviert werden. Zweitens gibt es die ESD-Karten (Electronic Sales Distribution): Hier erhalten die Kunden den Produkt-Code via "Pin on Receipt" (PoR) erst an der Kasse. Nur der dritte Typ, die Live-Karten, haben einen bereits aktiven Code aufgedruckt. "Live-Karten werden vom Händler wie physische Produkte auf Lager gekauft und dann abverkauft", erläutert Reiner. POSA- und ESD-Karten erforderten demgegenüber keinen relevanten Lagerbestand und stellten kein Diebstahlrisiko dar. Die Händler können sich folglich aussuchen, wie sie ihre Karten sortieren – und wie sie die Inhalte gewichten.

Ordentlich gemischt: Microsoft
Auch Xbox DACH bieten Händlern ein breit gefächertes Sortiment an Karten. "Für Microsoft ist es sehr wichtig, dass der Handel online wie stationär am Verkauf von digitalen Produkten teilhaben kann und wir gemeinsam mit unseren Partnern den Weg des digitalen Wachstums beschreiten", betont Florian Liewer, Director Xbox DACH bei Microsoft Deutschland. "Digitales Publishing gelingt am besten, wenn man es mit starken Partnern zusammen macht – und durch diese Angebote kann der Handel am wachsenden Markt von Spieleerweiterungen teilhaben und neue Konzepte wie den Xbox Game Pass monetarisieren." Rein technisch bietet Microsoft dem Handel ähnliche Kartentypen wie Sony, die allerdings unter anderen Bezeichnungen laufen. Als erstes nennt Liewer die Guthabenkarten (CSV, Currency Stored Value): "Mit diesen Karten können die Endverbraucher Medieninhalte im Microsoft Store und im Dashboard kaufen – zum Beispiel Spiele, DLCs, Filme – und selbst entscheiden, wofür sie dieses Guthaben ausgeben möchten." Der zweite Typ sind die C2C-Karten, die Abkürzung steht für "Code to Content". "Mit diesen Karten kann an den Kassen ein Download-Code für spezielle Medien-Inhalte – zum Beispiel ein bestimmtes Spiel – freigeschaltet werden. Der Kunde kann sich zu Hause dann das gekaufte Spiel herunterladen", so Liewer. Als einen Vorteil gegenüber dem Kauf von Spiele-Discs nennt Liewer, dass Kunden die C2C-Versionen plattformübergreifend auf PC und Xbox One spielen können – so lange es sich um ein Play-anywhere-Spiel handelt.

Um die Aufmerksamkeit für digitale Produkte an den Card Walls zu steigern, bietet Xbox Deutschland seinen Kunden für ausgewählte Titel auch sogenannte Custom-Code-to-Content-Karten an. "Diese beinhalten neben dem Download-Code zusätzliche physische Inhalte", erläutert Liewer. "Sie werten die Custom-C2C-Karte auf und lassen das Produkt zum Blickfang zwischen den zahlreichen Karten-Angeboten werden." Zum Start von Forza Horizon 4 bot Microsoft beispielsweise eine Custom-Lösung an, die Lufterfrischer fürs Auto enthielt. "Und dies sogar in vierfacher Ausfertigung für jede Jahreszeit, um das Spielethema auch in die echte Welt zu transportieren." Der dritte Kartentyp sind die sogenannten Chit Cards, also Karten für Microsoft Services wie den Xbox Game Pass Ultimate, den Xbox Game Pass für Konsole/PC sowie Xbox Live Gold. Ähnlich wie bei Sony sind auch bei Microsoft die Guthabenkarten am beliebtesten, weil sie individuelle Kaufentscheidungen ermöglichen. "Sie eignen sich daher nicht nur dazu, ohne elektronische Kartenzahlung Inhalte zu kaufen, sondern vor allem auch, um Freunden, Kindern oder Partnern eine Freude zu machen", so Liewer.

Diverse Trümpfe: Nintendo
Natürlich hat auch Nintendo ein erstklassiges Blatt auf der Hand. "Der entscheidende Vorteil für Fachgeschäfte ist, dass ihnen die Karten einen Weg eröffnen, am wachsenden Online-Handel zu partizipieren", sagt Yorick Jürgens, Manager of Digital Business Channel Development. "Zudem bieten die Karten den Vorteil, dass sich der Händler keine Ware ins Lager legen muss. Dadurch kann ein Handelspartner – zum Beispiel ein Supermarkt – sein Sortiment erweitern, ohne dass er dafür in Vorlage treten und Platz schaffen muss." Nintendo, so betont Jürgens, biete seine Guthabenkarten nicht nur über den Fachhandel an, sondern auch über Supermärkte, Tankstellen, Zeitschriftenläden und Postfilialen. "Dadurch haben auch Nintendo-Fans, die kein Fachgeschäft in der Nähe haben, stets Zugang zu unseren neuesten Spielen und Inhalten. Übrigens: Wir lassen unsere Guthabenkarten schon seit Jahren aus Papier statt aus Plastik herstellen."

Nintendo-Fans können diverse Kartentypen sowohl stationär als auch online erwerben. "Es gibt zum einen Nintendo eShop Cards. Das sind Guthabenkarten zu 15, 25 und 50 Euro, mit denen man nach Lust und Laune im Nintendo eShop einkaufen kann", so Jürgens. "Dazu kommen ESD-Karten für Spiele und DLCs, die direkt auf die Konsole geladen werden können. Oder Karten für eine 3- bzw. 12-monatige Mitgliedschaft bei Nintendo Switch Online [NSO]." Technisch unterscheidet Nintendo zwischen POSA und Pin on Receipt. "Nintendo eShop Cards und Mitgliedschaften bei Nintendo Switch Online bieten wir über beide Kartentypen an", sagt Jürgens. "Über Pin on Receipt sind auch ESD-Inhalte erhältlich, also Spiele und DLCs." Wir haben es fast geahnt: Der bei Kunden beliebteste Kartentyp sind die Nintendo eShop Cards in Form von POSA-Karten, also die Guthaben-Karten mit verschiedenen Geldbeträgen. "Sie lassen sich flexibel einsetzen und machen sich dank ansprechender Nintendo-Motive auch gut als Geschenk."

"
Stets Zugang
zu unseren neuesten Spielen und Inhalten
"

Große Kartenvielfalt
Natürlich gibt es neben den First-Party-Sortimenten noch eine große Vielfalt anderer Gaming Code Cards. Der Großhändler Vitrex etwa führt zusätzlich auch Karten von EA Origin, Minecraft, Bigpoint, Steam und League of Legends. (Groß Electronic und Flashpoint handeln derweil nicht mit Code Cards.) Neben den spielespezifischen Karten hat Vitrex auch entsprechende Produkte von Amazon, Google Play, Deezer, Spotify, Paysafe, Netflix und diversen Mobilfunkanbietern im Sortiment – sowie sogenannte "Wunschgutscheine" mit verschiedenen Beträgen, die bei mehr als 500 Online-Händlern einlösbar sind. (Achim Fehrenbach)

Die Beispiele zeigen: Das Angebot an Code Cards wird immer umfangreicher. Aber gelingt es dem stationären Handel auch, die Karten am PoS gebührend zur Geltung zu bringen? Und überhaupt: Welche Schwerpunkte beim Kartenverkauf setzen MediaMarktSaturn, GameStop und kleinere Fachhändler? Diesen Fragen gehen wir in Teil 2 unseres Karten-Specials nach, der in IGM 03/2020 erscheint.