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Magazin: story

Phänomen Betatest

Bei Singleplayer-Spielen ist die Phrase „Der Kunde wird zum Beta-Tester“ wenig schmeichelhaft, weil man sie mit einem kriminell verbugten Spiel verbindet. Bei MMOs dagegen stehen die Spieler freiwillig Schlange, um Beta-Tester zu sein. Aber woran liegt‘s? Warum übernehmen Konsumenten ohne jede Entlohnung einen Job, den eigentlich der Publisher erledigen sollte?

Als wir uns zum Thema Beta-Tests mit Dirk Gooding von Computec unterhalten, star?tet der gleich mit einem Axel Schmidt Führt seit der Frogster-Umfirmierung zu Gameforge die PR: Axel Schmidt anschaulichen Beispiel durch: „Als aktiver Spieler eines MMOs empfindet man den Betatest für ein neues Add-On nicht als lästig. Man kann sich kostenlos neue Features anschauen und den Entwicklern direkt Feedback geben. Wie genial ist das denn bitte? Mir fällt gerade keine andere Branche ein, in der ich als Konsument aktiv an der Gestaltung eines Produkts teilnehmen kann. Man stelle sich nur mal vor, VW hätte zur Einführung des neuen Beetles einen öffentlichen Betatest durchgeführt: Der Ansturm wäre gewaltig gewesen.“
Grund der beherzten Ausführung ist eine gemeine Behauptung von unserer Seite: IGM unterstellt den Machern von MMOs nämlich ganz dreist, den armen Kunden völlig rücksichtslos zum Versuchskaninchen zu degradieren! Weil Ratten und Hamster leider noch keine MMOs spielen können (obwohl man gerüchtweise hart daran arbeitet), muss man notgedrungen den Kunden als Labormaus verwenden: Interessierte Spieler werden unter dem Vorwand eines exklusiven Vorabtests ins Hamsterrad gelockt; so unsere These.

Laborratte aus freien StückenOder tun wir den Publishern hinter den spielbaren Rudel-Abenteuern Unrecht? Ist die Möglichkeit, ein MMO unter Umständen schon Monate vor dem offiziellen Release erleben zu dürfen, tatsächlich reizvoll? Wird der Kunde damit vielleicht gar nicht ausgenutzt?

Für den Free2Play- und MMO-Spezialisten Gameforge antwortet Unternehmenssprecher Axel Schmidt aus Berlin (ehemals Frogster): „Die Teilnahme an Betatests ist komplett freiwillig und kostenlos. Insofern nehmen ja nur solche Spieler teil, die schon früh reinschauen möchten und echtes Interesse haben.“

„Spieler werden unter dem Vorwand eines exklusiven Vorabtests ins Hamsterrad gelockt“

Stimmt, gezwungen wird keiner. Aber immerhin bekommt der Publisher am Ende einen prallen Stapel beantworteter Fragebögen, angefüllt mit wertvollen Informationen, für die er an einen entsprechenden Playtesting-Dienstleister eine Menge Geld zahlen müsste. Dennoch wird diese Vorgehensweise von den Anhängern des „Zusammen stark“-Genres allgemein akzeptiert. „Ein MMOG steht und fällt mit der Community“, argumentiert Schmidt. „Daher versuchen wir als Online-Anbieter, die Core-Player so früh wie möglich in die Testphasen einzubeziehen. Dann geben wir das gesammelte Feedback in den Fertigstellungsprozess beim Entwickler. Natürlich beschäftigen Developer und Publisher auch interne QA-Teams. Aber ab einem gewissen Entwicklungsstand sind Beta-Tests aufgrund des Komplexitätsgrades einer virtuellen Welt kaum noch in kleineren Testgruppen durchführbar.“

Dirk Gooding schließt sich Schmidts Aussage an: „Ich wüsste bei besten Willen nicht, wo ein Entwicklerstudio mal eben 10.000 professionelle Tester herbekommt, die mit der gleichen Leidenschaft und Intensität ein Spiel testen, wie es ein echter Fan tun würde“, heißt es vom „PC Games MMORE“-Redaktionsleiter. Und weiter: „Beim Betatest eines MMOs braucht man ab einem gewissen Punkt einfach viele aktive Spieler, um z.B. die Server-Stabilität unter realistischen Bedingungen zu testen. Es geht ja nicht darum, ob die Tür zu einem Dungeon aufgeht, wenn ich einem Monster kräftig auf den Kopf haue. Außerdem verhalten sich Fans eines Spiels im Vergleich zu bezahlten QA-Mitarbeitern völlig unberechenbar und probieren Sachen aus, auf die ein Entwickler selber niemals kommen würde. Daher sehe ich zum Betatest durch den Consumer keine Alternative.“