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Magazin: story

So hart wurde um THQ gepokert

Showdown am Delaware River: Zwei Tage lang steigerten fünf Branchengrößen um THQs Studios, Spiele und Marken. Koch Medias Geschäftsführer Dr. Kundratitz ist im Gespräch mit IGM noch anzumerken, wie hochspannend die extrem kurzfristig angesetzte Auktion ablief.

Kurz und knapp zur Vorgeschichte:Am 19. Dezember 2012 meldet Publisher THQ Insolvenz an. Am 20. Dezember 2012 will das private Kapitalunternehmen Clearlake Capital Group die Firma komplett übernehmen. Danach nehmen die Dinge den folgenden Lauf:

7. Januar 2013Mehrere Gläubiger lehnen den geplanten Komplettverkauf an Clearlake ab – sie befürchten, dass der Gesamtpreis weniger einbringt als der Einzelverkauf von Studios und Markenrechten. Das Gericht stimmt den Vorbehalten zu, am 22. Januar sollen THQs „Einzelteile“ unter den Hammer kommen. Den Bietern bleiben also nur 15 Tage, um den Wert der Studios und Lizenzen abzuschätzen und Gebote abzugeben. Eine extrem kurze Frist – normalerweise dauern solche komplexe Firmenübernahmen mindestens ein halbes Jahr.

„Den Bietern bleiben nur 15 Tage, um Gebote abzugeben“

Montag, 21. Januar 2013Dr. Klemens Kundratitz, Geschäftsführer der Koch Media GmbH, will ebenfalls mitbieten. Als er einen Tag vor Auktionsbeginn in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware eintrifft, weiß er noch nicht, ob sein Unternehmen überhaupt vom zuständigen Bankruptcy Court als Bieter zugelassen ist: „Wir mussten uns vorab als Qualified Bidder aufstellen lassen – also glaubhaft nachweisen, dass wir uns ernsthaft für THQ-Studios interessieren und in der Lage sind, sie weiterzuführen und nicht einfach zu schließen. Alles ist schon im Vorfeld rechtlich verbindlich bis ins Detail vorzubereiten, das kann man nicht einfach später regeln. Außerdem sind zehn Prozent des Startangebotes gleich zu hinterlegen.“ Wer genau mitbieten wird, ist noch nicht bekannt, allerdings werden Ubisoft, EA und Warner als sichere Teilnehmer gehandelt – doch nur einer von ihnen wird tatsächlich erscheinen.

Dienstag, 22. Januar9 Uhr: Die Frist zum Einreichen der Gebote endet. Der Organisator der Auktion, das Investment-Unternehmen Centerview Partners, hat einen Raum in Wilmingtons Stadtzentrum angemietet, direkt gegenüber des Bankruptcy Courts. Koch Media wird als Qualifizierter Bieter zugelassen, und Dr. Kundratitz schaut sich im Raum um, wer noch gekommen ist. „Warner und EA fehlten, aber ansonsten war da eine illustre Runde an Strategen versammelt – alles Publisher, bis auf Investor Clearlake, insgesamt rund 60 Leute, darunter Vertreter betroffener THQ-Studios als Zuschauer.“ Zu diesem Zeitpunkt weiß natürlich niemand, mit welchen Angeboten die anderen Bieter ins Rennen gehen, und was genau sie eigentlich ersteigern wollen.

„15 Uhr: Die erste Versteigerungsrunde beginnt“

15 Uhr: Die erste Versteigerungsrunde beginnt, darin werden die Gewinner der Einzelgebote ermittelt. Die Gesamtsumme ihrer Gebote wird in einer zweiten Runde gegen die beiden Gebote von Clearlake und Ubisoft „antreten“, die als einzige für das Gesamtunternehmen THQ geboten haben. Wichtig: Clearlake hat kein Angebot für einzelne THQ-Bereiche abgegeben, sondern nur für das komplette THQ. Nach und nach kommen jetzt die Markenrechte und Studios unter den Hammer. Firmengrüppchen aus je fünf, sechs Leuten sitzen beieinander, die Bieter stehen auf und nennen ihre Gebote: Ubisoft bekommt für 2,5 Millionen US-Dollar den Zuschlag für THQs Studio in Montreal, Zenimax und Sega steigern anschließend immer höher, um sich das Strategiespiel-Studio Relic Entertainment zu schnappen – schließlich gewinnt Sega mit 26,6 Millionen Dollar, es soll das insgesamt höchste Gebot der Auktion werden. Dann ist das Studio Volition an der Reihe, und damit die Serien Saint’s Row und Red Faction. Koch Media bekommt für 22 Millionen Dollar den Zuschlag – vorerst, denn Investor Clearlake wird später noch zu einem Trick greifen...