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Magazin: story

Copyright Basis-Bild: cristina_conti / stock.adobe.com
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Spiele an Bord

Egal, ob mit Bahn oder Fernbus: Eine Reise kann sich ganz schön ziehen. Klar, für solche Fälle gibt es gute Bücher, TV-Serien, die App auf dem Smartphone oder den berüchtigten Stapel Arbeit aus dem Büro. Doch wer würde die Reise nicht gerne mit einem epischen Computer- oder Konsolenspiel verbringen, am liebsten mit stabiler Internet-Anbindung? Könnten Reiseveranstalter und Transportunternehmen ihre Attraktivität durch ein solches Angebot nicht beträchtlich steigern? IGM prüft, welche Anbieter ein Herz für Spieler haben.
Im Juni erlebten Bahnfahrer eine positive Überraschung. „Ab Ende 2016 runden Kinofilme und TV-Serien das Angebot im ICE Portal der Deutschen Bahn ab“, hieß es in einer Pressemitteilung. „Hierfür haben die maxdome GmbH und die DB eine langfristige strategische Partnerschaft geschlossen.“ Und die sieht dann so aus: Die maxdome-Inhalte liegen auf Servern direkt im Zug und können von den Reisenden via WLAN auf ihrem Smartphone, Tablet oder Notebook abgerufen werden. 50 regelmäßig wechselnde Filme und Serien stehen kostenfrei zur Verfügung, bis zu 1000 weitere Inhalte sind per maxdome-Abo oder nach Abschluss eines kostenlosen Testmonat-Abos zugänglich. Die Vorteile des Exklusivdeals liegen auf der Hand: Die Bahn wird damit zur rollenden Videothek – und maxdome gewinnt neue Abonnenten.

Druck von Dobrindt
Einen Tag nach dem maxdome-Deal verkündete die Bahn einen weiteren, längst überfälligen Schritt: In allen ICEs wird – auch in der 2. Klasse – noch 2016 Gratis-Internet bereitgestellt. In der 1. Klasse surfen Fahrgäste bereits seit Ende 2014 kostenlos, allerdings ist das Netz nicht auf allen Strecken durchgängig verfügbar und teils quälend langsam. Dass die Bahn jetzt Dampf macht, liegt nicht zuletzt am Druck von Verkehrsminister Dobrindt – dieser hatte eine Verschiebung des Termins strikt abgelehnt. Die technischen Herausforderungen sind jedenfalls groß: Gebraucht werden nicht nur zusätzliche Repeater im Zug selbst, sondern auch deutlich mehr Funktürme entlang der Strecke. Noch im März waren laut Bahnchef Grube insgesamt 29.000 Kilometer nicht ausgeleuchtet. Wenn das Angebot kommt, müssen sich Fahrgäste auf eine Volumendrosselung einstellen – mehr gibt‘s dann nur gegen Bezahlung.

Gratis-WLAN, Gratis-Filme: Das Angebot klingt gut, kommt aber ziemlich spät. Die Bahn reagiert damit vor allem auf den steigenden Konkurrenzdruck durch Fernbus-Unternehmen. Diese befördern Reisende oft nicht nur deutlich günstiger – auch Gratis-WLAN und Filme sind längst Standard. Wie wäre es aber, wenn die Bahn nicht nur maxdome-Inhalte, sondern auch Computerspiele anbieten würde? Von genau solchen Plänen berichtete der Berliner Tagesspiegel nämlich bereits 2013. Wir fragen bei der Pressestelle nach. „Für die Fernverkehrszüge der DB ist aktuell kein Videospielangebot bzw. kein Verleih von Spielekonsolen geplant“, teilt uns eine Sprecherin mit. „Die DB entwickelt und prüft fortlaufend neue Unterhaltungsangebote für den Fernverkehr, zur Zeit konzentrieren wir uns mit dem ICE Portal aber auf die neue Kooperation mit maxdome.“ Auch für den bahneigenem IC Bus sei kein Gaming-Angebot geplant.

Zocken im Zug
Gerade in Zügen erscheint uns ein Spieleangebot aber durchaus sinnvoll. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich folgendes Szenario vorzustellen: Ein Publisher oder ein Plattform-Betreiber wie Steam stellt eine Reihe Games zur Verfügung, die auf den Zug-Servern wahlweise als Stream oder Download abgerufen werden können. Die Games sind jugendfrei und mit einem „Verfallsdatum“ versehen, können aber – im Anschluss an die Reise – auch dauerhaft erworben werden. Außerdem gäbe es im Zug spezielle Server, auf denen die Fahrgäste mit- und gegeneinander spielen könnten; Controller würde man sich gegen ein Pfand beim Zugpersonal ausleihen. Wer weiß, vielleicht könnten die Bahn und die Spielefirmen auf bestimmten Strecken sogar Turniere veranstalten. Beispielsweise einen Fifa-Cup zwischen Basel und Berlin... gut, man bräuchte wohl ein separates Abteil für johlende Zocker. Aber die Bahn-typischen Verspätungen fielen bei solch exzellenter Unterhaltung kaum noch ins Gewicht.

Das alles ist momentan Zukunftsmusik: Zunächst mal muss die Bahn die flächendeckende Internet-Versorgung meistern. Doch wie sieht es in Sachen Internet und Gaming eigentlich bei den Fluggesellschaften aus? Können sie vielleicht auf einem Gebiet punkten, auf dem die Bahn bisher kaum Fortschritte gemacht hat? Schon lange dürfen Fluggäste ihre elektronischen Kommunikationsgeräte an Bord nutzen, wenn sie dabei den Flugmodus aktivieren; nur bei Start und Landung müssen die Geräte meistens ausgeschaltet bleiben. Dem Spielen auf Smartphone, Tablet, Notebook oder Mobilkonsole stand also schon bisher nichts im Wege – vorausgesetzt, man benötigte dafür keine Internetverbindung. Doch selbst die wird inzwischen von einigen Airlines angeboten. Die Lufthansa etwa bietet mittlerweile auch auf immer mehr Kurz- und Mittelstreckenflügen per WLAN ihr kostenloses Entertainment-Portal FlyNet an, über das sich die Kunden dann – allerdings kostenpflichtig – ins Internet einwählen können. Die Preise dafür sind allerdings happig: Eine Stunde Surfen kostet 9 Euro, 4 Stunden immerhin noch 14 Euro. Einer der wenigen europäischen Billigflieger mit Internet-Anschluss ist Air Berlin: 30 Minuten Surfen kostet knapp 5 Euro, umfasst aber nur 20 Megabyte Datenvolumen.

Genau wie bei der Lufthansa gibt es Internet noch längst nicht auf allen Flügen, das Angebot wird schrittweise ausgebaut. Fans von Online-Spielen werden wohl derzeit bei keiner Fluglinie so richtig Spaß haben, dafür sind die Netzpreise schlichtweg zu hoch. Ob sie sich deswegen aber in die Untiefen des In-Flight-Entertainment wagen, ist fraglich: Dort warten neben Kino-Blockbustern die immergleichen, ausgelutschten Casual Games – von Solitaire über Poker bis Bejeweled.

Straßen-Netz
Wenden wir uns wieder den Bahn-Konkurrenten am Boden zu. Der Fernbus-Markt wird klar von der Flixmobility GmbH dominiert: Gemessen an den Fahrplankilometern hielt sie bereits Anfang des Jahres einen Marktanteil von 71 Prozent – das geht aus einer Studie des IGES Instituts hervor. Der Fernbusriese entstand im Januar 2015, als MeinFernbus und FlixBus fusionierten; im Mai 2016 wurde der Doppelname abgeschafft, und „FlixBus“ blieb als Marke übrig. Zweitgrößter Anbieter war – bis zur Übernahme durch FlixBus im August – die Deutsche Post Mobility GmbH mit ihrem Postbus, sie kam auf zehn Prozent Marktanteil. Ein Prozent weniger hatte der bisherige Drittplatzierte, die Deutsche Bahn AG mit ihren Marken berlinlinienbus.de und IC Bus. Beim Branchenprimus FlixBus sind Gratis-WLAN und -Filme Standard, allerdings bringt ein derart großer Fuhrpark auch Herausforderungen mit sich. „Unsere 1000 Fahrzeuge sind teilweise noch mit unterschiedlicher Technik ausgestattet“, sagt Gregor Hintz, Head of Public Relations DACH. „Allen gemein – also der kleinste gemeinsame Nenner – ist mobiles Internet bzw. WLAN für unsere Fahrgäste auf LTE-Basis. Wir sind aber mit einem Team regelmäßig dabei, zu testen und dieses Angebot zu erweitern.“ Die Ausstattung der Fahrzeuge mit Hard- und Software erfordere flexible und leistungsfähige Lösungen, so Hintz: „Wir erwarten einen entsprechenden Kundenservice bei auftretenden Fehlern oder Defekten der Hardware, d.h. einen raschen Dienst vor Ort oder Austausch von Geräten. Die Software, insbesondere die Netztechnik, muss grenzüberschreitend und damit in verschiedenen Mobilfunknetzen funktionieren. Insgesamt eine sehr spannende, aber auch herausfordernde Aufgabe für Telekommunikationsdienstleister und Systemanbieter.“

Ein bisher einzigartiges Projekt ist die Kooperation von Nintendo und DeinBus.de. Im Mai 2016 stattete der Publisher acht Fernbusse des Unternehmens mit Mobilkonsolen aus – genauer gesagt mit je einem 3DS XL und einem 2DS. Die Passagiere können die Konsolen gegen Hinterlegung eines Ausweises kostenlos beim Fahrer ausleihen. Auf jedem Gerät sind acht Spiele installiert: New Super Mario Bros. 2, Mario Kart 7, Pokémon Omega Rubin bzw. Alpha Saphir, Animal Crossing: Happy Home Designer, Super Smash Bros., New Style Boutique 2 – Mode von Morgen, Tetris Ultimate sowie Mario Tennis Open. Den Ausleih-Service gibt es bislang auf fünf Strecken, darunter Aachen – Tübingen, München – Konstanz und Freiburg – Trier. Wie die Zusammenarbeit mit DeinBus.de entstand, beschreibt Frank Rittinghaus, Marketing Director Nintendo D-A-CH: „Mit dem Fernbus zu reisen wird immer beliebter, speziell bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Und genau sie betrachten Videospiele als idealen Zeitvertreib für unterwegs. Das zeigen unsere Marktforschungen.“ Offenkundig gebe es eine Schnittmenge zwischen Videospiel-Fans und Fernbusreisenden, so Rittinghaus. „Was liegt da näher als eine Kooperation mit dem Fernbus-Pionier DeinBus.de, der es uns ermöglicht, täglich bis zu 1000 Menschen aus unseren Zielgruppen mit unseren Produkten zu erreichen?“

Mario fährt Bus
Ein Pionier ist DeinBus.de in der Tat. Das Offenbacher Unternehmen wurde 2009 von drei Studenten gegründet und startete 2011 eine Bus-Mitfahrzentrale. Eine Klage der Deutschen Bahn auf Wettbewerbswidrigkeit wies das Landgericht Frankfurt ab, was letztlich zur Liberalisierung des innerdeutschen Fernbusverkehrs beitrug. Heute hat das Unternehmen rund 30 Mitarbeiter, fährt 39 Städte an und befördert monatlich mehr als 25.000 Passagiere. Die seit drei Monaten laufende Kooperation mit Nintendo betrachtet man bei DeinBus.de als Gewinn: „Wir freuen uns, dass das neue Angebot von unseren Fahrgästen durchweg positiv angenommen wurde“, sagt Marketing- und Vertriebsleiter Marius Knapp. Schon vorher gab es an Bord ein kostenloses Unterhaltungsprogramm aus Zeitschriften, Büchern, Filmen und WLAN. Der Spaßfaktor für die Fahrgäste sei durch die Kooperation mit Nintendo aber „um ein Vielfaches gestiegen“, so Knapp. „Es passiert schon mal, dass der Student gegen den Rentner in Mario Kart 7 antritt. Fernbus reisen verbindet eben nicht nur Städte miteinander, sondern, wie auch die Spiele von Nintendo, Jung mit Alt.“ Frank Rittinghaus sieht die acht vorinstallierten Spiele als „ideale Mischung aus aktuellen Highlights wie Animal Crossing: Happy Home Designer und gefeierten Klassikern wie New Super Mario Bros. 2. Wir haben Titel ausgewählt, die einen leichten Einstieg und eine Multiplayer-Option bieten“.

Fazit: Die Games-Industrie beginnt gerade erst, den Fernverkehr als Marketing-Plattform zu entdecken. Die Kooperation von Nintendo und DeinBus.de zeigt, wie eine solche Win-Win-Situation aussehen kann: Mit Publicity auf der einen und Spaß für die Fahrgäste auf der anderen Seite. Frank Rittinghaus jedenfalls kann sich auch vorstellen, mit einer Airline oder der Deutschen Bahn zusammenzuarbeiten: „Für interessante Kooperationen mit Partnern, die zu Nintendo passen, sind wir stets offen.“ (feh)