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Magazin: story

Spiel’s noch einmal, Sam!

XCOM, Baldur’s Gate, SimCity, Jagged Alliance, Fallout, Panzer General: Die Liste großartiger Klassiker im neuen (oder nur frisch gewaschenen) Gewand wird immer länger. Woher kommt die Faszination für die Oldies? Bei welchen Genres funktioniert die Wiederauferstehung? Und was macht eine gute Neuauflage eigentlich aus?

Retro ist in: Im Fernsehen läuft das neue Dallas, im Radio regieren sowieso die Achtziger, und die ersten Bildunterschrift XCOM von 1994 setzte bei den taktischen Gefechten auf übersichtliche Iso-Grafik Schulterpolster wurden auch schon gesichtet. Und bei Videospielen? Da setzen Publisher und Entwickler vermehrt auf große Namen aus der guten alten Zeit. Firaxis und 2K Games erwecken die strategische Alien-Hatz XCOM von 1994 furios zum Leben. Baldur’s Gate, das 1998 das siechende Rollenspiel-Genre mit einem Schlag und bis heute wiederbelebte, erscheint demnächst sanft erweitert und aufgehübscht. Jagged Alliance gibt’s schon als Remake Back in Action und als Browserspiel. Die Städtebausimulation SimCity kommt 23 Jahre nach der Urversion und fünf Jahre nach Sim City Societies Anfang 2013 endlich wieder für den PC – und dürfte für Wolkenkratzer-Umsätze sorgen. Fallout 4 ist auch in der Entwicklung, nachdem Fallout 3 2008, also elf Jahre nach dem Original, die Kassen klingen ließ, zumal es noch jede Menge kostenpflichtigen Download-Contents hinter sich herzog.Bildunterschrift Die Neuauflage hingegen sieht auf den ersten Blick wie ein typischer Shooter aus

Sogar ein Remake, das sein Original fast unverändert lässt, findet begeisterte Kunden – so das Weltkriegs-Strategiespiel Panzer Korps, das den Klassiker Panzer General nahezu eins zu eins nachbaute. Das Remake spielt sich exakt wie das Original, nur eben in Sachen Bedienung dezent verbessert und in einer Auflösung, bei der man keinen Augenkrebs kriegt. Aber genau das wollen die beinharten Fans: Keinen Sprung von Rundentaktik in Echtzeit-Hektik. Keine 3D-Grafik, die vielleicht besser aussieht, aber ein Spiel auch unübersichtlicher macht. Keine dieser neumodischen, nervig aufpoppenden Belohnungen, sobald man einen Panzer erstmals anfasst, erstmals bewegt oder erstmals feuern lässt. Aber: Die erwähnten begeisterten Kunden kennen eben das Original, eine neue oder zumindest größere Zielgruppe erschließt man sich als Publisher schon deutlich schwerer.

Verknitterte
Highschool-Queens
Ist Ihnen bei den ganzen oben genannten Remakes und Neuauflagen etwas aufgefallen? Richtig – all ihre Originale waren schon zu ihrer Zeit keine Grafikblender, ganz im Gegenteil. Und trotzdem, beziehungsweise gerade deswegen, kann man alle auch heute noch prima spielen. Weil die Spielmechanik stimmt und unverwüstlich ist, weil diese Titel Tiefgang haben, nicht nur eine hübsche Oberfläche. Baldur’s Gate lebt von seinen Helden und ihren Beziehungen und Geschichten, Fallout von der stimmigen postnuklearen Welt mit ihrem schwarzen Humor (Kronkorken als Zahlungsmittel!), XCOM von der Mischung aus taktischen Alien-Gefechten und strategischem Zusammenstellen neuer Soldaten, Waffen und Verteidigungsanlagen. Bis heute faszinierend!

Wer sich hingegen die Grafikkracher von damals auf den Schirm holt, wird sie spätestens nach fünf Minuten kopfschüttelnd beenden. LucasArts‘ Star Wars-Spiel Rebel Assault zum Beispiel mag 1993 den CD-Laufwerke-Boom ausgelöst haben, heute gibt’s solche Rail-Shooter als Minispiel-Beigabe in Star Wars The Old Republic. Chris Roberts‘ Flug-Actionspiel Strike Commander, das ebenfalls 1993 erschien und Highend-PCs brauchte (schnelle 486er!), kann man sich heute schlicht nicht mehr antun. Oder Spiele wie das technisch hübsche, aber inhaltlich völlig sinnbefreite Myst, das seit 1993 immer mal wieder verschämt aus der Versenkung lugt, aber nie mehr an seinen Erfolg von damals anknüpfen konnte.