Anzeige

Anzeige

Magazin: story

Die spektakuläre gamescom-Showbühne von Blizzard aus 2018
Die spektakuläre gamescom-Showbühne von Blizzard aus 2018

Standhaft

Walbert-Schmitz baut keine schnöden Messestände, sondern regelrechte
"Brand Experiences". Zum elften Mal sind die Aachener bei der gamescom am Start – Routine, könnte man meinen. Und doch ist in diesem Jahr vieles anders.

In den frühen Morgenstunden des 10. August wird es in diesem Jahr losgehen mit den Aufbau-Arbeiten für die gamescom 2019 auf dem Kölner Messegelände. Dann wird es wieder überall nach Sperrholz, Leim und Buntlack riechen, überall wird geschraubt, getackert, verkabelt – ein unverkennbarer Mix aus Baumarkt und Möbelhaus. LKW um LKW wird an die Messetore in Köln-Deutz heranrollen und tonnenweise Material für die Messestände anliefern: Traversen, Spielstationen, Monitore, Auslegeware, Kunstpalmen, Scheinwerfer, Lautsprecher, Vitrinen, Stellwände, Bühnen-Deko, Mobiliar, palettenweise Energy-Drinks. Zehn Tage später, am 20. August, muss dann alles fertig sein – spätestens. Denn dann startet die gamescom 2019 mit dem traditionellen Fachbesucher- und Medientag – und die Besucher dürfen erstmals einen Blick werfen auf das, was unter anderem Walbert-Schmitz in den vorangegangenen Wochen und Monaten entworfen, geplant, gebaut und zusammengeschraubt hat. Der Edel-Messebauer aus dem nahen Aachen gehört in Köln fast schon zum Inventar und hat in den vergangenen zehn Jahren einige der größten und spektakulärsten Messestände gebaut. Sony PlayStation gehört zum Beispiel zu den Stammkunden. Der Slogan des Mittelständlers: "Geiles Zeug. Seit 1966".

Die erste gamescom ohne Blizzard
Und doch ist in diesem Jahr etwas anders. Denn der größte gamescom-Kunde von Walbert-Schmitz wird auf der gamescom 2019 fehlen, zum ersten Mal seit Anbeginn der Messe: Blizzard Entertainment. "Weil wir uns dieses Jahr verstärkt auf die Entwicklung unserer aktuellen Spiele und zukünftiger Projekte konzentrieren möchten, werden wir auf der gamescom 2019 keinen Stand haben", so die Begründung, die Ende April um die Welt ging. Die überraschende Absage reißt ein klaffenes Loch in das "Heart of Gaming", wie sich die gamescom selbst sieht. Denn Blizzard belegte zuletzt über 4.000 Quadratmeter, inklusive üppigem Show-Programm auf einer gigantischen Bühne: Turniere, Konzerte, Präsentationen. Die sechs Themenwelten für Spiele wie World of Warcraft, Diablo oder Overwatch wurden optisch von einem gigantischen "Brand Dome" zusammengehalten, der sich in Form eines digitalen XXL-Banners über den kompletten Stand erstreckte. Dadurch wirkte der Messestand trotz seiner Größe und trotz völlig unterschiedlicher Spielwelten wie aus einem Guss. Drei Monate lang haben Projektmanager, Architekten, Lichtdesigner, Grafiker, Techniker und Schreiner an diesem Projekt gearbeitet – inklusive Visualisierung und Präsentation des Konzepts mithilfe von Virtual-Reality-Vorab-Rundgängen. Während der eigentlichen Messe waren fast 40 Techniker und ein 100köpfiges Promotoren-Team im Einsatz. In diese Dimensionen stoßen allenfalls noch Lokalmatador Electronic Arts, Sony oder Ubisoft vor.

"
Ein solches
Projekt nicht
zu realisieren,
tut weh
"

Die diesjährige gamescom wird ohne all das Blizzard-Spektakel auskommen müssen, was nicht nur die Koelnmesse vor Herausforderungen mit Blick auf den Hallenplan stellt. Was macht das mit einem Mittelständler wie Walbert-Schmitz, der Verantwortung für 160 Mitarbeiter hat und ein Firmengelände von 32.000 Quadratmeter auslasten muss? "Auf der gamescom war immer viel Bewegung, Entscheidungen der Aussteller kommen oft spät. Die Absage von Blizzard Entertainment kam für uns trotzdem überraschend", räumt Geschäftsführer Jens Malms ein."Ein solches Projekt nicht zu realisieren, tut weh und ist auch für das Team schade. Aber unser Unternehmen ist breit aufgestellt. Wir entwickeln Konzepte für Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen und können den Wegfall kompensieren."

Games-Kunden sind experimentierfreudiger
In der Tat ist die gamescom nur einer von mehreren Schwerpunkten bei Walbert-Schmitz. In Nicht-gamescom-Zeiten betreuen die Rheinländer die Messe-Auftritte und Events von Weltmarken wie Siemens, Casio, Fujitsu, Datev oder Liebherr. Gleichwohl nimmt die Games-Industrie für das Unternehmen einen besonderen Stellenwert ein – allein schon deshalb, weil sie in vielen Belangen ganz anders tickt als etwa der Maschinenbau oder der Automobil-Sektor, die eher in langen Linien denken. Bei Unternehmen wie Ubisoft, Electronic Arts oder Bethesda entscheiden hingegen einige wenige Neuheiten pro Jahr über Wohl und Wehe eines Geschäftsjahrs. Das bekommt auch Walbert-Schmitz zu spüren: "Die Branche ist unserer Erfahrung nach stark abhängig von erfolgreichen Neuentwicklungen. Die Planungen zur gamescom sind sehr kurzfristig, da viele Entscheidungen abhängig von der E3 sind, die ‚kurz' vor der gamescom statt findet", erklärt New-Business-Development-Manager James Dickerson. Die Kehrseite: "Entertainment wird groß geschrieben, demnach sind die Unternehmen experimentierfreudig. Die gamescom bietet eine gute Plattform."

Anlässlich der Sony-Neuheit Gran Turismo Sports entstand zum Beispiel ein Messestand, der wie ein Streckenabschnitt des Nürburgrings anmutete – eine perfekte Kulisse für den gamescom-2017-Boxenstopp der Kanzlerin. Für Marvel's Spider-Man wurden im vergangenen Jahr die Häuserschluchten Manhattans in Köln nachgebaut. Auch abseits des gamescom-Geländes ist Walbert-Schmitz aktiv: 2016 verwandelte das Unternehmen den legendären Kölner Gürzenich in das "Blizzard Legion Café" – inklusive aufwändiger Dekoration, Walking-Acts, Live-Musik und Lichtershow.

Kostentreiber Kurzfristigkeit
Wie jeder Messebauer kennt man natürlich auch bei Walbert-Schmitz das alljährlich einsetzende Wehklagen unter den gamescom-Ausstellern, dass Standbau, Personal und Nebenkosten immer teurer würden – und dass der Return on Investment zunehmend betrüblicher ausfällt. Verdrängt wird bei der Überschlagsrechnung aus Sicht der Messebauer aber oft, dass die gamescom nun mal die größte und erfolgreichste Messe ihrer Art darstellt, und zwar weltweit. Zudem würde sich die Aufmerksamkeitsspanne der Messe nicht nicht allein auf die Besucher vor Ort erstrecken, sondern werde durch Influencer und soziale Medien weit darüber hinaus verlängert. Kostensteigerungen im Messebau sind allerdings kein Naturgesetz, sondern lassen sich auch ausstellerseitig beeinflussen – etwa  durch frühzeitige Planung und eine enge Abstimmung. Die größten Kostentreiber bleiben die Besucherstörme und darauf angepasste Sicherheitskonzepte, die mediale Bespielung und die branchentypische Kurzfristigkeit, heißt es bei Walbert-Schmitz.

"
Kosten­steige­rungen
im Messebau
sind kein
Natur­gesetz
"

Trotzdem wissen die Aachener natürlich, dass ein Standkonzept im Jahr 2019 allein technisch ganz andere Anforderungen und Auflagen erfüllen muss als noch vor 10 oder 20 Jahren. Deshalb hat Walbert-Schmitz auch die langfristigen Entwicklungen im Blick und sieht sich hier als Branchen-Vorreiter. Immer wichtiger – und das gilt nicht nur für die gamescom – wird demnach der Dialog zwischen den immer häufiger eingesetzten digitalen Elementen und der analogen Welt. Darin läge der Schlüssel, um unverwechselbare, lange nachhaltende Erlebnisse zu schaffen und die Community im Meer der Messe-Eindrücke tatsächlich zu begeistern.

Weg von der Ausstellung, hin zum Festival
Ein Faktor, den es in dieser Form bei keinem anderen Messeformat gibt, sind die gamescom-typisch langen Warteschlangen vor den Spielstationen. Vier, fünf Stunden Wartezeit sind keine Seltenheit. Dieses "Queuing" sei eine besondere Herausforderung, sagt Dickerson.  Schließlich stünden die Besucher mehrere Stunden an, um bestimmte Titel spielen zu können. "Sicherheit und Entertainment im Wartebereich sind daher oberstes Gebot." Analog zu Freizeitparks machen sich auch Messebauer Gedanken, wie sie die Zeit des Wartens in Summe verkürzen oder zumindest kurzweiliger gestalten können. Doch womöglich hat sich das Warteschlangen-vor-Spielstationen-Konzept ohnehin bald überlebt. Denn sowohl seitens der KoelnMesse als auch von Aussteller-Seite wird immer stärker der Event-Charakter betont – also weg von der Ausstellung, hin zur Convention. Ein Beleg für diese Entwicklung ist zum Beispiel die neue "Event Area" in Halle 11, in der in diesem Jahr erstmals alle großen Shows gebündelt werden. "Wir sehen bei der gamescom mehr als bei anderen Veranstaltungen eher einen Festival-Charakter, um die Fangemeinde noch stärker an sich zu binden", weiß gamescom-Veteran James Dickerson.

Wer sich selbst ein Bild davon möchte, ob die Aachener Tüftler auch in dieser gamescom-Saison wieder "geiles Zeug" abliefern, sollte bei seinem Rundgang einige Stände in der entertainment area besonders im Blick haben: Unter anderem stehen Sony PlayStation, Koch Media / Deep Silver und Nvidia auf der Kundenliste von Walbert-Schmitz. (pf)